Wenn der Hauch des Todes dich berührt

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Chaya Jane Clair

Wenn der Hauch des Todes dich berührt

Beitrag von Chaya Jane Clair »

Wenn der Hauch des Todes dich berührt, was fühlst du?
Ja, was fühlte sie nun?

Die Antwort war wichtig essentiell und es war ihr mit einem male bewusst, dass sie auch ihr Leben verändern würde.
Diese Gestalt, unnahbar, verhüllt und irgendwie schrecklich war der Anblick. Doch sie fühlte keine Angst.

Wieso nicht? Bin ich mit dem Tod schon so vertraut? Kann er mich nicht mehr erschrecken?
Abermals musste sie an dieser Stelle an die Frage dieser Person denken, die sich tief in ihr Inneres gebohrt hatte.

Was bedeutet dir das Leben? Ja, was bedeutet es?
Macht und Reichtum? Nein, das sicher nicht. Die Liebe eines Mannes? Sie kannte sie nicht, und sie war sich auch insgeheim nicht so sicher, ob das wirklich der Sinn eines Lebens sein konnte. Sicherlich waren ihr in der kurzen Zeit hier in der neuen Heimat viele Männer begegnet. Einige wenige hatte sie bereits zu Freuden auserkoren, aber Liebe? Nein, das war es nicht. Sie fühlte bisher bei keinem, was sie bei anderen Frauen sah. Nicht dieses Aufflammen der Augen bei dem Anblick des Liebsten, nicht diese Hingabe. Im Gegenteil Zudringlichkeit erschreckte sie, Schmeicheleien lösten in ihr eine unwillkürliche Barriere aus. Sie traute nicht den Worten, die Männer so leicht über die Lippen kamen. Vor allem wenn sie die gleichen Worte bei dem Anblick jeder Dame immer wieder aufs Neue kund gaben, so als wäre es diesmal ehrlich gemeint. Vielleicht war es das? Aber Chaya Jane traute dem nicht. Es war zu einfach, zu berechenbar und zu offensichtlich. Das Einfache stieß bei ihr auf einen Widerstand. Das Schwierige, Verworrene und schier Unerfüllbare, die Herausforderung, all das reizte sie. Das war ihr nach dieser Begegnung mit der Gestalt unwillkürlich bewusst geworden.

Also war ihr Lebensziel das Schwierige, das Unerreichbare?
Nein, das konnte es nicht sein! Jeder mit Verstand, und dazu zählte sie sich, würde dem ausweichen, und sicherlich nicht als erstrebenswert ansehen. Wieso aber war es dann so verdammt aufregend und spannend?

Also, was nun ja oder nein? Entscheide dich Chaya Jane. Schwierig, aufregend und spannend oder einfach, langweilig, aber ruhig, ohne Veränderung, Stillstand. Was nun?

Gut, dann eher schwierig!
Aber der Tod ist doch nicht schwierig? Das Leben ist bei weitem schwieriger. Und hier in Bajard lernt man es so richtig kennen. Eifersucht, Dramen, gekränkte Eitelkeiten, diverse Spiele der Frauen, wie bekomme ich den einen und halte den anderen zugleich am Zügel fest, diverse Spiele der Männer, die genauso simpel und leicht durchschaubar verliefen. Ein wenig muss sie nun schmunzeln bei dem Gedanken. Sie hatte so vieles, in so kurzer Zeit bereits hier in dem kleinen Dorf erlebt und gesehen. Hier war das Leben! Nicht in Varuna, wo man sich hinter höflichen Floskeln, Etikette und starren Formen, die keine Abweichung dulden, neben das Leben stellt. Leben…..genau das war es, zu leben bedeutet sich zu verändern, Ballast abzuwerfen, jeden Tag aufs Neue beginnen, forschen, beobachten und lernen.
Und der Tod? Er war ein Stillstand, Ruhe, keine Gefühle, keine Veränderungen.

Aus welchem Grund hatte diese Gestalt sich darauf eingelassen? Ein Bündnis mit dem Tod! Was muss ein Mensch erlebt haben, oder vielleicht auch nichts, um das als Alternative zu dem Leben zu sehen?

Ihre Frage würde diesmal keine Antwort finden. Die konnte ihr nur diese Gestalt geben, aber das würde sie nicht tun, dessen war sich Chaya Jane bewusst. Es gab nämlich keine Alternative zu dem Leben, das in all seiner Vielfalt wunderbar war und mit jedem Atemzug geschätzt werden sollte, dessen war sich Chaya Jane nun sicher, wie nie zuvor.

Ich liebe das Leben, und wenn ich einmal sterbe, dann mit meinem letzten Atemzug an diese große Fülle an Eindrücken und Gefühlen, die es mir geboten hat, denken und zufrieden sein mit dem Bewusstsein gelebt zu haben!


Der einzige Phönix kann sich nicht erneuen,
Eh' er verbrennt. So auch in Glutgewalten
Hoff' ich zu sterben, mit den Lichtgestalten
Vereint, die Tod und Zeit nicht mehr betreuen.

O süßes Sterben! Selig, wer so brennt!
Wenn ich zu Asche nach und nach verstoben,
Nicht unter Toten leben muss fortan.

Ja wenn sich von Natur dies Element
Zum Himmel hebt, steig' ich, mit ihm erhoben,
Grad' auf, feurig verwandelt, himmelan. (Michelangelo
)
Zuletzt geändert von Chaya Jane Clair am Donnerstag 28. Februar 2008, 14:38, insgesamt 1-mal geändert.
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