"Es gibt kein Zurück mehr ... unsere beider Schicksale sind nun zu stark miteinander verwoben ... Wer wäre ich wenn ich kein Versprechen einhalten könnte? Wenn ich die Zeichen des Herrn missachten würde?", ließ Zakalwve verlauten, während er sie in einer engen Umarmung hielt. Das trügerische Lächeln, verbunden mit der Entschlossenheit während dieser Aussage, schreckte sie ab. Es widerte sie für diesen kurzen Moment an. Wie konnt er _ihr_ so etwas nur direkt in das Gesicht sagen? Und warum war er so entschlossen von dieser Aussage? Innerlich sträubte sie sich gegen diese Berührung, so dass der zierliche Leib mit aller aufzubringenden Kraft dagegen anwirkte. Sie wollte weg. Er sprach genau das aus, was sie solange fürchtete: Eine Verbundenheit, 'nur' wegen des Herren Willen. Nun ergab alles einen Sinn, nicht sie war es die er begehrte, nein es war schlicht die Angst seinem aufblühenden Glauben nicht gerecht zu werden, wenn er sich nun gegen sie Stellte, obwohl sein Verstand es ihm sagte. Wie konnte er nur? Immer verzweifelter versuchte sie sich aus der Umarmung zu lösen, was wollte er und wieso trug er dieses unbetrübte Lächeln? Als sie endlich spürte wie seine Hände sich von ihrem Körper lösten, fiel eine unglaubliche Last von ihr ab, welche ihre Schritte in Richtung Ausgang nur noch mehr beflügelte. In Gedanken war sie bereits nicht mehr in dem Anwesen der Familie, sondern weg ... weit weg.
Der laue Sommerwind ließ den ausgtrockneten Boden mehr und mehr aufspringen, ein jeder Riss in dem Erdreich ließ den Blick auf die verletzlich wirkende Innenschicht erkennen. Eine jede Böe wirbelte feinste Sandkörnchen in die Höhe, die sich mit den bestäubten Samen der Sommerblumen vermischten. Es war schwer die Augen weiter als einen Spalt weit zu öffnen, wollte man nicht im nächsten Moment diese Körnchen im Inneren des Auges spüren. Die meisten Frauen der Baronie Rothenfels trugen eine schützende Kopfbedeckung, die sowohl die Haare, als auch die Augen vor der niederschmetternden Hitze und Sonneneinstrahlung schützen sollte. Und doch tollte das junge Mädchen ausgelassen, ohne jeglichen Schutz auf dem Kopf über das Feld. Hier und da riss sie einige Erdbeeren von den Sträuchern, um sie in den sowieso schon rötlich gefärbten Fingern an den Mund zu führen. Das gold-schimmernde Haar des Mädchens flog bei jeder springenden Bewegung ihrererseits in die Höhe, um von der Prise weiter getragen zu werden und kaum mehr die unbedeckten, leicht gebräunten Schulterblätter zu berühren. Ein jeder Schritt wirbelte den staubigen Boden unter ihren bloßen Füßen auf, so dass viele kleine Staubwolken auf dem bewirtschafteten Feld von ihrer Anwesenheit zeugten. Das beigefarbende Kleid, welches von goldenen Ornamenten in dem seidenen Stoff bedeckt war, flatterte verspielt im Wind um sich wie ein leuchtendes Band hinter dem zierlichen Körper herzuziehen. Ein einziger Sandkorn war es, der den Weg in die Höhe ihres Gesichtes fand ... eine beitragende wippende Bewegung des Hauptes war es, die eben diesen Korn in die ungewohnt hellen Augen des jungen Kindes führten. Aprupt stockten die eben noch so ausgelassenen Bewegungen, und die nackten Kinderfüße verharrten an Ort und Stelle, um wenige Millimeter in den sandigen Boden zu sinken. Rasch schlugen die langen Wimpern herab, um den störenden Korn mit einem Blinzeln aus dem Auge zu Verbannen. Es brannte, es brannte so sehr dass entsprechend ein Kind in diesem zarten Alter kaum mehr an sich halten konnte und doch wußte dieses Mädchen: Das Zeigen von Schwäche wird nicht akzeptiert. So rieben die feingliedrigen Hände wie wild über die Augenpartie, mehr und mehr rötet sich die Haut um das linke Auge, ehe sich bereits der Abwehrmechanismus dessen einstellte: Flüssigkeit benetze den Augapfel, um den Fremdkörper schnellst möglich zu entfernen. Dies schien das Mädchen noch mehr zur Hektik anzutreiben, der Zipfel des Kleides wurde in die Höhe gerissen, um damit nun die aufkommende Tränenflüssigkeit schnellstmöglich aus den zarten, doch markanten Gesichtszügen zu verbannen. Immer mehr Staubböen umschmiegten den zierlichen Körpers, stießen prickelnd auf die bronzefarbende Haut, um sich weiter in Richtung des Firmament zu bewegen.
Kaum einen Moment später, erschallte lautstark eine Männerstimme über dem Feld. Der bassartige Ton, verlieh dem drohenden Ausdruck in dieser einen unausweichlichen Befehl: "Annalisa! Komm' sofort zu mir." Das Licht reflektierte an der strahlenden Templerrobe, während der hochgewachsene Mann dort am Rand des Feldes stand. Stolz und erhaben - Damien van Gwinheer, der Vater des kleinen Mädchens hatte sie die ganze Zeit über beobachtet. Nun war die rechte Hand drohend in die Höhe gehoben, lediglich der Zeigefinger bewegte sich in einer lockende Geste vor und zurück, um die Tochter zu sich zu locken. Mutlos entließen die kleinen Händchen den Zipfel des Kleides, welches von den Tränen durchnässt, schwerer als zuvor nun zurück an Ort und Stelle überhalb ihres Knies sankt. Noch immer tränte das Auge, um den kleinen Sandkorn zu entfernen und sich gegen die pulsierenden Schmerzen im Inneren zu widersetzen. Hastige, stolpernde Schritte führen das Mädchen nun vor ihren Vater, demütigen Blickes glitten die blauen Augen in die Höhe, um seine Rede zu erwarten. "Annalisa. Tränen! Siehst du das?", im nächsten Moment glitt der ausgestreckte Zeigefingers ihres Vaters über die Wange, um die salzigen Tränen aufzufangen. "Sieh' es dir an, Annalisa, meine Tochter!", drohend und unausweichlich wurde der Finger vor ihre Augenpartie gehalten und erst durch das knappe, schweigende Nicken des Mädchens sank jener wieder herab. "Ein Zeichen der Schwäche. Egal in welchem Alter, Annalisa, niemand weint. Niemand aus meiner Familie nimmt sich das Recht heraus Gefühle zu zeigen! Auch du nicht, verstehst du das?" Sicherlich fragt man sich nun, wieso das kleine Mädchen nicht einfach die Wahrheit erzählte. Das ausgelassene Spiel, welches den Sandkorn schlichtweg in ihre Augen beförderte. Es war ein normaler Reflex des Auges, Tränenflüssigkeit wurde produziert, um den störenden Sandkorn zu verbannen ... doch sie schwieg und schenkte ihrem Vater lediglich ein zustimmendes, knappes Nicken. "Bedauerlich. Möchtest du etwa das schändliche Glied in unserer ehrenwerten Kette sein, Mädchen?", erschallte die nun durchdringende, harte Stimme des Vaters von oben herab. Zackig und einen Tick zu untergeben, wie es sich normalerweise in einer Vater-Tochter Beziehung verhält, antwortet sie nun mit dünner Stimme: " Nein, Vater." Mit einem knappen Nicken, geprägt von einer Art bedauerndem Blick, wendete er sich herum und schritt fließender Bewegungen in Richtung des Anwesens zurück.
"Bedauerlich, dass ihr dieser Linie entspringt, ihr, die redet statt handelt. Verdient euch, was ihr sucht", erklang die dumpfe, monotone Stimme des Ahad unter seinem Helm. Die steinernen Wände des Tempels ließen sie widerhallen, um eine hämmernde Wiederholung in Annalisas Gedankengängen darzustellen. Es war der Tempel der heiligen Stadt, welcher ihr nach der Aussage Zakalwve's Zuflucht bieten sollte. Sie suchte stets die Zuflucht im Gebet, gepaart mit der nüchternen Kälte welche sich langsam ihren Körper empor tastete, ließ jener Aufenthaltsort sie stets neue Kraft schöpfen, doch diesmal - diesmal war es der Ahad, der ihr versuchte durch ein Gespräch die Augen zu öffnen. War es nicht Annalisa selber, die hoffnungsvoll das Gespräch zu dem Ahad suchte? Doch nun war er es, der alte Erinnerungen aufleben ließ. Erinnerungen welche ihr das Gefühl verliehen, am falschen Ort gesiedelt zu haben. "Dennoch verschwendet ihr eure Zeit, es bei einem Sterblichen zu suchen!", rieselte neuerlich die Stimme des Ahad auf sie nieder. Hatte er denn Recht damit, dass sie das was sie sucht garantiert nicht bei Zakalwve finden würde? All ihre inzwischen verzweifelten Erklärungsversuche, schienen sie vor dem Ahad lediglich lächerlich erscheinen zu lassen, so dass er ihrer Meinung nach voller Verachtung aus der verringerten Distanz zu ihr hervorpresste: "Eure Gefühle lassen gar jegliche Ehrfurcht zu seinen höchsten Dienern in den Hintergrund treten." Die zuvor noch so angenehme Kälte, schloß sich nun wie eine stählerne Faust um ihre Kehle, nicht fähig auch nur irgendeine Erwiderung hervorzubringen, sank sie mut- und kraftlos auf der hölzernen Bank nieder. "Möglicherweise bin ich tatsächlich das schändliche Glied in der Kette.", murmelte sie beinahe lautlos in Richtung des stehenden Ahad. Bedauerlich, war der Ausdruck den er nutzte. Und diese Bezeichung passte, war es immerhin nicht das erste Mal, dass dererlei in ihre Richtung gesprochen wurde. Es war das erste Mal in diesem Gespräch, dass sie dem Ahad Recht geben musste. Das schändliche Glied war lediglich sie.
Das schändliche Glied in der Kette
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Annalisa van Gwinheer
Das schändliche Glied in der Kette
Zuletzt geändert von Annalisa van Gwinheer am Samstag 23. Februar 2008, 16:44, insgesamt 3-mal geändert.
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Qan ap Cayia
Qan ap Cayia hat geschrieben:"So geht man nicht mit seiner Verlobten um! Mit jeder beliebigen Frau, die einen interessiert, und einem über den Weg läuft vielleicht, aber nicht mit seiner Verlobten!"
Immer wieder schossen die Worte Annalisa's durch seinen Kopf und revue ließ er den noch nicht gänzlich verstrichenen Tag passieren. Das Holz der Treppenstufen fühlte sich rau und hart an, als er seine Fingerkuppen entlang der Holzwangen von selbigen Stufen entlanggleiten ließ...
Er hatte sich für das Wochenende vorgenommen, einmal auszuspannen und beim Angeln seine Gedanken über den Verlauf der Woche zu ordnen. Der nächste Coup musste sorgfältig geplant werden und wo konnte man besser Strukur in seine Gedankengänge bringen, wenn nicht beim Angeln?
Nach einem eher nicht so erwähnenswerten Fang lenkte er auch schon seine Schritte wieder zum Hof, nicht ahnend dass er sich am heutigen Tage noch den Kopf über andere Dinge ausser Betrügereien zerbrechen würde. Als er das Haus des Familienhofes betrat und einen obligatorischen Gruss an Annalisa verrichtete, erwartete er nicht dass sich ein wahrer Gewittersturm in ihrer beider Beziehung anbahnte.
Vielleicht war es aber auch nur der grobschlächtig wirkende Anblick- wie er mit einem noch lebendigen Fisch in der Rechten, sowie einer Angel in der Linken an der Türschwelle stand.
Sein Tunnelblick war auf das Spülbecken gerichtet- in dem das kühle Blau von abgestandenem Spülwasser schimmerte.
Gedankenverloren drosch er den sich windenden Fisch gegen die harte Kante des Spülbeckens und beobachtete verträumt das immer schwächer werdende Zappeln des hilflosen Wesens.
Der Tod hatte für ihn schon immer etwas Faszinierendes an sich gehabt und vielleicht deshalb hatte er sein ganzes Leben dem Töten von hilflosen Wesen gewidmet.
Mitleid bedeutete, sich dem natürlichen Lauf der Natur entgegenzustellen und der Tod- so erkannte er trotz der Lehren erst in diesem Moment- war nur das natürliche Schicksal der Schwachen.
In seinen tiefen Blauen mochte man in diesem Moment auch eine Spur hilfloses Bedauern erkennen, als er den toten Fisch achtlos ins Wasserbecken schleuderte und dem Tier seine letzte Ruhe im seinem vertrauten Element gönnte.
Den Blick auf Annalisa gewandt stellte er die Frage, die er eigentlich nicht hätte stellen sollen, als er bemerkte dass etwas an ihrer Körperhaltung nicht ganz stimmte:
"Du bist missgestimmt?"
Im selben Moment biss er sich auch schon auf die Zunge, als die Frage gestellt wurde. Wie konnte ihm nur dieser Anfängerfehler passieren? Für gewöhnlich verkniff er sich die Frage bei Frauen und es war immer höchste Zeit das Weite zu suchen, wenn er bemerkte dass eine Diskussion nur zu noch bedrückender Stimmung führen konnte.
Doch diesmal blieb er und ein Orkan der Gefühle brach los....
Zärtliche Küsse...
Vertrauliche Worte...
Der wohlige Duft von frisch getötetem Fisch in seinen Kleidern...
All dies war vergebens, um Annalisa zur Vernunft zu bringen
Wie konnte sie nur nach so kurzer Zeit Zweifel hegen?
Wie konnte sie nach all seinen standhaften Bemühungen so über ihn sprechen?
Hatte er ihr nicht Treue geschworen und Tag zu Tag bewiesen, dass in seinem Leben nur noch die Familie und das Werk des Herrn zählte?
Er hatte sogar der Versuchung widerstanden, den lockenden Worten koketter Damen zu erliegen, als er nach einem harten Arbeitstag die Taverne aufsuchte, um sich ein Glas Rotwein zu gönnen.
Wenn er das Tor des Anwesens durchschritt, um in die grausame erbarmungslose Welt entlassen zu werden, war er wie ein veränderter Mensch, der sein Herz vor der berechnenden Kühle Rahals verschloss.
Wenn er abends wieder zum Anwesen zurückkehrte, war es als lege er eine schwere Bürde ab, die die Maskerade für ihn bedeutete.
Zu wissen, dass er sich vor Annalisa nicht verstellen musste, keine Stärke demonstrieren musste um sich zu behaupten, beruhigte ihn ungemein und ließ ihn Tag für Tag neue Kraft schöpfen... Und doch schien es ihm schwerzufallen, die Maskerade gänzlich abzustreifen und vielleicht verspürte sie deswegen all den Unmut und die Unzufriedenheit?
Je mehr er sich mit dem Glauben befasste, desto schwieriger fiel es ihm, sich Zärtlichkeiten hinzugeben, denn allmählich spürte er, wie er seine eigene Maskerade annahm, als würde er ein Teil ihrer werden.
Er erinnerte sich an ihre letzten Worte, als sie den Hof verließ:
"Du bist doch verrückt.. Lass' mich.. ich muss.. ich gehe beten!"
Keuchend erhob er sich von der Treppe- es war Zeit den Fisch auszuweiden...
Zuletzt geändert von Qan ap Cayia am Samstag 23. Februar 2008, 17:46, insgesamt 1-mal geändert.