Streifzüge und das Dilemma

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Sephira von Tecklenstein

Streifzüge und das Dilemma

Beitrag von Sephira von Tecklenstein »

Knack....knack.....

Langsam barst das Holz, wurde von den züngelnden Flammen des Feuers umrungen und eingefangen, um letztendlich seiner ursprünglichen Form beraubt zu werden. Die dunklen Pupillen hatten das lodernde Spiel der Flammen wohl eine halbe Ewigkeit beobachtet und fixiert, hatten sich nicht aus der Fiktion, dem Traum lösen können.

Die Gedanken waren hinausgestreift, in eine andere Zeit, an einen anderen Ort. Alte Bilder tauchten auf. Bilder der ersten Enttäuschung; Bilder der Zeit, wo die Seifenblase aufplatzte und ihre Augen sich öffneten für die Lüge, die man ihr vorgelebt hatte. Weitere Bilder tauchten auf in ihrem Inneren: Der dunkle Kerker, die Stimme des Folterknechtes....Schmerz und Ohnmacht.
Die dunklen Augen wendeten sich von dem prasselnden Kaminfeuer ab, suchten den Weg zurück in die Realität und dem Hier und Jetzt. Raus....sie musste raus an die Luft!
Die zarten, schlanken Finger schlungen den Umhang über die Schultern, ebenso wurde intuitiv die Laute an den Gürtel geschnallt. Ein kurzer, zärtlicher Blick ging über das Instrument, dass nun an ihrer Hüfte baumelte.
Es war ein Geschenk ihres Onkels gewesen, als er sich damals von ihr verabschiedet hatte in der Baronie, mit Worten, die ein Wiedersahen versprachen. Die Arbeit war wirklich von einem Meister seiner Arbeit gefertigt worden. Das beste Holz war genutzt worden, die Verzierungen äusserst fein gearbeitet. Kleine Ornamente schlungen sich um den Lautenhals, fuhren hinab bis zu dem Klangkörper und erstreckten sich dann als äussere Ranken über die restlichen Stellen.
Besah man sich jedoch die Rückseite des Klangkörpers, erkannte man erst die wohl schwierigste Schnitzarbeit, die zu tätigen war: Das Wappen der Familie von Tecklenstein, umsäumt von den Worten: Wir werden unser Recht einfordern...und erhalten! An der Aussenseite des Lautenhalses waren auch die Initialen ihres Namens eingraviert, schwungvoll und mit verschnörkelter Schrift.

Die Luft war kühl und der Wind zog sich reissend durch jede Ritze der Kleider. Die Wege führten sie quer durch die Strassen und Gassen der Stadt, die so ruhig unter dem Schein des Mondes zu schlafen schien. Der Kopf sollte wieder klar werden, die Gedanken sollten sich wieder beruhigen. Es war falsch, Schwäche zu zeigen; falsch, überhaupt die Gedanken daran aufkommen zu lassen! Abrupt blieb sie stehen, als sie das Wasser vor sich sah. Warum die Wege sie zu dem Steg geführt hatten, wusste sie nicht. Vielleicht, weil ihre Flucht vor geraumer Zeit hier geendet hatte. Kurz formte sich ein Name in ihren Gedanken: Fiona...was wollte sie nur? Die Aktion der Befreiung war viel zu riskant, als dass sie nichts dafür einfordern würde.
Eine Weile ließ sie Gedanken um jene Sache kreisen, den Blick dabei auf die dunkle Wassermasse vor sich wendend, als sie sich abrupt umwendete und wieder rasche Schritte aufnahm. Dieses Lumpengesinde dürfte sie nicht sehen, sie hatte in der Eile den Ring anbehalten....
Den Blick weder vor noch zur Seite, sondern stur gen Boden wendend und die raschen Schritte liessen sie die Schatten um sich herum nicht wahrnehmen.
Mit einem Male lag sie am Boden; umgerempelt von einer Gestalt, einer Figur, einer Sache, die sie nicht zuordnen konnte. Einen Moment sah sie sich verwirrt um, ehe sie sich erhob und den Weg weiter gen Haus beschritt.
Die Hände gingen suchend in die Umhanginnentasche, glitten dabei, als sie den Schlüssel fanden, gewohnt zu der Gürtelebene, wo sie auf einmal abrupt stoppten. Die Lippen pressten sich verärgert zusammen, der Blick ging starr zu der Stelle, an der der Gürtel durchgeschnitten war.
Die Augenlider schlossen sich einen Moment zusammen, tausende von Flüche schossen durch den Kopf.
Von mir aus das Gold...ja, das hat er auch mitgenommen...doch die Laute. Verflucht noch eins! Von mir aus das Gold...! Von mir aus auch jeder Schmuck, doch die Laute...!

Scharf sog sie die Luft ein. Wieder einmal hatte sie nicht aufgepasst und etwas verloren. Zwar war es diesmal “nur“ ein Musikinstrument statt der eigenen Freiheit und dem eigenen Ansehen und doch tadelte sie sich selbst für die eigene Unvorsicht.

Sie konnte nur hoffen, dass es diesem Vagabunden nichts bringen würde oder er gar damit erwischt und verurteilt werden würde. Die Wege des Herrn würden schon für sein Recht sorgen.
Akela Kheldis von Varanor

Beitrag von Akela Kheldis von Varanor »

Die körperlichen Wunden waren geheilt. Doch es blieb ein Schatten auf ihrem schönen Gesicht auf ihren Augen. Die Einsamkeit hatte sich in ihr Herz gefressen und selbst sie, die immer hart und umbarmherzig ihre Feinde niederstreckte, sehnte sich nach menschlicher Wärme. Ein Fehler, den sie würde ausmerzen müssen, wenn sie überleben wollen würde.

Ein Fehler war es auch gewesen den Spielmann mit auf ihr Lager zu nehmen. Zumindest für ihn. Sein Haar war blond gewesen, seine Augen jedoch falsch und noch bevor es zu dem eigentlichen Akt kam, lag er gefesselt in einer Ecke und rührte sich vorerst nicht mehr.

Aus seiner Hand nahm die Blutgeborene die Laute. Aus den Augenwinkeln hatte Akela das Wappen gesehen, jetzt betrachtete sie es lange und eindringlich.

Das Wappen der Familie von Tecklenstein, umsäumt von den Worten: Wir werden unser Recht einfordern...und erhalten! An der Aussenseite des Lautenhalses fand sie weitere Zeichen, vielleicht Initialen. Schwungvoll bogen sie sich dem Leser in verschnörkelter Schrift entgegen.

Es brauchte ein paar Goldmünzen an der richtigen Stelle in Rahal und die Kriegerin erhielt den Namen der blaublütigen Besitzerin.


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*Einige Tage später erreicht Sephira von Tecklenstein ein Schreiben*

Werte Sephira von Tecklenstein,

meine Entschuldigung für die Störung Eurer Person. Ich maße mir jedoch an diese vorzunehmen, da ich glaube etwas in meinem Besitz zu wissen, was Euch gehört.

Der Segen des Alleinen mit Euch und Euren Getreuen

Blut, Feuer und Erde,
Akela Kheldis von Varanpr
Sephira von Tecklenstein

Beitrag von Sephira von Tecklenstein »

Der Bote war schmächtig und wirkte auf den ersten Blick alles andere als vertrauenswürdig. Doch das Siegel, dass das Schreiben trug, ließ sie stutzen.
Rasch wurde der Schrieb geöffnet und ebenso rasch wurden die Zeilen gelesen. Einmal, Zweimal, Dreimal....

Die Brauen zogen sich zusammen und kleine, nachdenkliche Furchen erschienen auf der Stirn. Von Varanor...ein ihr gänzlich unbekanntes Lehen. Doch schien man auch dort den Weg des Einen bestreiten zu wollen.
Sie würde zuvor sich einige Informationen einholen, um genauer Bescheid zu wissen...ob es sich lohnen würde, ein Bündnis einzufordern. Sie wusste, wen sie damit beauftragen konnte, doch zuvor galt, sich auf das Spiel einzulassen.

Auf feinem Papier, mit geschwungener blauer Tinte mag die Antwort verfasst sein:

Seinen Segen, Blutgeborene von Varanor!

Eure Worte fanden ihren Weg in meine Hände und erschufen in mir eine gewisse Neugier, die ich nicht bestreiten mag. Gerne will ich euch antreffen zu einem Gespräch.

Ein Bote wird euch Zeit und Ort nennen. Einer meiner Getreuen wird mich dabei begleiten.

Möge der Eine seine Pranke schützend über euch halten!


Sephira von Tecklenstein
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