Die Jahre waren ins Land gegangen und sie war älter geworden. Shaja musterte sich in der Spiegelscherbe, die sie nahe der großen Stadt gefunden hatte.
"Wuschelkopf", Falks Worte klangen nach und tatsächlich war sie einer. Soviel klarer war ihr Gesicht in der Scherbe zu sehen, als im bewegten Wasser.
Haare hingen leicht gewellt wirr ins Gesicht. Ein schmutziges Gesicht aus dem braune Augen sich in diesem Bruchstück menschlicher Handwerkskunst betrachteten.
Menschen... Natürlich war sie einer, und doch trieb ihr der Gedanke einen kalten Schauder den Rücken hinab.
Die Gedanken schweiften zurück in eine Zeit als sie noch klein war, ein Gör von 10 Jahren, dass allein mit ihrer Mutter in den Wäldern Yew's gelebt hatte. Eine Zeit als Mutter starb und sie allein mit Wotan und Saskia loszog.
Hatte sie das denn vergessen ? Ein Mensch.
Sie war nicht gut auf diese Menschen im allgemeinen zu sprechen gewesen, eigentlich nie, und sie musste verdrängt haben, dass sie irgendwie dazu gehörte.
Aber sie war allein. Eine "Jenseitige" hatte Falk sie genannt, oder war es ein anderes Wort gewesen ?
Eine, die nichts mit der Gesellschaft in den Städten und Dörfern zu tun hatte.
Nur sie, und ihre Wölfe, weitab irgendwo im Elfischen Wald. Elfen, die sie beobachteten, die sie mehr schlecht als recht duldeten.
Schwer einzuordnen diese Shaja.
Allein.
Auf die meisten wirkte sie, schlicht gesagt, wie ein Kotzbrocken. Kratzbürstig, stur, unversöhnlich, abweisend.
Begegnungen mit ihr waren immer Grenzwertig, sah sie doch in allem und jedem was zwei Beine hatte ersteinmal einen niederträchtigen Feind, der es auf sie und ihr Rudel abgesehen hatte.
So baute man keine Beziehungen auf.
Menschen legten auf andere Dinge wert, als Rudelführung und Regeln die unabdingbar einzuhalten waren, damit man überleben konnte. Überleben hier draußen.
Unentwegt musterte sie sich im Spiegel.
Die Rudel waren selbständig geworden. Damals, als sie in diese Wälder kam, gab es schlichtweg keine Wölfe hier, und nun waren es alles Nachfahren Wotans und Saskias mit dem ein oder anderen Zu- und Abgang.
Die Natur hatte es selbst in der Hand und sie schien es gut zu machen.
Shaja brauchten die Wölfe jedenfalls nicht mehr, und selbst die Hinrahs waren lange nicht mehr hier.
Wehmut und Erkenntnis lagen in diesen Gedanken.
Allein.
Vieleicht war es an der Zeit etwas zu verändern, Dinge zu riskieren, die jedem normalen Mensch als etwas gewöhnliches erscheinen mußten, für Shaja aber bislang unüberwindbare Hürden darstellten.
Sie musste sich nicht beweisen, keine Rangordnung auskämpfen. Sie musste wohl eher ... gut aussehen.
Sie musste nicht die Stärkste sein, wohl eher versöhnlich.
Nicht temperamentvoll, impulsiv, eher ruhig und ab und an nachsichtig.
Nicht gradlinig, schonungslos offen und ehrlich, eher ... dipla ... dilomat ... egal.
Sie musste nicht mit dem stärksten Männchen anbändeln was sie finden konnte, es ... er ... durfte auch Schwächen haben.
Mehr noch, er durfte sogar schwächer sein, als sie selbst.
Wieder schauderte es ihr.
Menschen waren so anders.
"Vieleicht ... ein ganz kleines bisschen Veränderung ..." ruderte sie innerlich zurück.
Sie legte den Spiegel beiseite, griff zu dem mächtigen Bogen und verlies ihre Höhle.
Die Einsamkeit des Wolfes
-
Shaja
Vertrauen
Veränderung
klingt einfach, ist es aber nicht.
War das denn eine Veränderung ? War sie nicht eher in all den Jahren anders gewesen, in denen sie fast nur mit den Wölfen unterwegs war ?
Mutter hatte ihre Wahl damals getroffen und war in den Wald gezogen. Näher zu ihren Kräutern, näher zum Leben selbst.
Und doch hatte sie eine Hütte bezogen. Eine Holz-Höhle, licht und hell, mit Löchern durch die, die Sonne scheinen konnte, ... Fenster nannten die Menschen das.
Wer in einer Hütte lebte, wurde gesehen. Noch vor nicht allzu langer Zeit ein untragbarer Zustand. Gesehen werden. Undenkbar.
Wen man sehen konnte, der war angreifbar.
Die Welt ist nicht voller Feinde ...
Das war die Veränderung. Nicht die Frage ob Höhle oder Hütte. Die Veränderung bestand in der Frage, ob sie Vertrauen konnte ... irgendwem.
Ob sie sich trauen würde Farbe zu bekennen, sich zu zeigen, teil des Lebens zu werden, das man als minimum führen musste, wenn man nicht ganz allein sein wollte.
Die Einsamkeit hintersich zu lassen, bedeutete Vertrauen zu lernen.
Teil des Lebens, dort wo das Licht schien.
Sie würde sich einen Flecken suchen, der am Licht war, nah am Leben, irgendwo.
klingt einfach, ist es aber nicht.
War das denn eine Veränderung ? War sie nicht eher in all den Jahren anders gewesen, in denen sie fast nur mit den Wölfen unterwegs war ?
Mutter hatte ihre Wahl damals getroffen und war in den Wald gezogen. Näher zu ihren Kräutern, näher zum Leben selbst.
Und doch hatte sie eine Hütte bezogen. Eine Holz-Höhle, licht und hell, mit Löchern durch die, die Sonne scheinen konnte, ... Fenster nannten die Menschen das.
Wer in einer Hütte lebte, wurde gesehen. Noch vor nicht allzu langer Zeit ein untragbarer Zustand. Gesehen werden. Undenkbar.
Wen man sehen konnte, der war angreifbar.
Die Welt ist nicht voller Feinde ...
Das war die Veränderung. Nicht die Frage ob Höhle oder Hütte. Die Veränderung bestand in der Frage, ob sie Vertrauen konnte ... irgendwem.
Ob sie sich trauen würde Farbe zu bekennen, sich zu zeigen, teil des Lebens zu werden, das man als minimum führen musste, wenn man nicht ganz allein sein wollte.
Die Einsamkeit hintersich zu lassen, bedeutete Vertrauen zu lernen.
Teil des Lebens, dort wo das Licht schien.
Sie würde sich einen Flecken suchen, der am Licht war, nah am Leben, irgendwo.