Es tat weh, unheimlich weh diesen netten alten Herrn da liegen zu sehen. Zuckend und mit Schweißperlen auf der Stirn.
Gott, was habe ich nun getan, war ihr erster Gedanke. Den zweiten verdrängte sie rasch. Sie musste helfen.
Aber wie?
Rasch beugte sie sich herab um die kalte Hand auf seine Stirn zu legen. Innig schickte sie sämtliche Stoßgebete, die sie kannte an alle lichten Götter, nur zu Sicherheit, damit ihm ja nichts Ernstes geschehe. Verzweifelt beobachte sie das schmerzverzehrte Gesicht des am Boden liegenden. Und dann, nach endlosen Minuten, die wie Ewigkeiten schienen, öffnete er die Augen.
Was für ein tapferer, gütiger Mann. Jeder andere hätte ihr den Kopf abgeschlagen. Aber er….er lächelt sie nur beruhigend an. Erleichtert half sie ihm auf und stützte ihn so gut sie konnte.
Verzeiht, ich weiß nicht wie ich das je wieder gut machen könnte. Ich hätte den Trank doch lieber selber probieren sollen, meinte sie leise völlig aufgelöst nun und die Tränen begannen über die zarten Wangen zu kullern.
Wieso meinte das Schicksal es nicht gut mit ihr in dieser neuen noch ein wenig fremden Heimat.
Gerade mit dem wenigen was die guten Brüder des Klosters ihr mitgeben konnten, angekommen. Verlor sie auch jenes. Nur die Robe blieb.
Warum auch nur hatte sie den Trank mischen müssen?
Eine graue Wolke war aus dem Mörser aufgestiegen. Das hätte sie warnen sollen. Aber nein, sie musste den Trank ja probieren. Über die Wirkung war sie sich nachdem die bitter schmeckende Flüssigkeit ihre Kehle hinunterlief nicht so recht bewusst. Zuerst wurde ihr kalt, dann heiß, und dann löste sich ihre Kleidung in einem Nichts auf. Nun das war ein eher dezenter Ausdruck dafür, mitten in der Wildnis mit einem Male nackt dazustehen. Nicht einmal die Schuhe blieben ihr erhalten. Zum Glück hatte sie noch eine Robe in ihrem Lederbeutel bei sich. Die letzte Rettung. Den Klosterbrüdern in der fernen alten Heimat sei Dank. Nicht auszudenken, was dann passiert wäre, hätte sie jene Gabe nicht bei sich gehabt.
Und nun das. Was nur musste dieser freundliche alte Herr von ihr denken. So sicher war sie gewesen, dass es diesmal klappen würde. So hundertprozentig sicher, dass dieser Trank die Sichtweite erhellen würde.
Wie sie nun feststellen musste, war nichts sicher. Schon gar nicht die Menschen vor ihren Tränken.