Heute musste sie mal der teils sehr pragmatischen Lebenshaltung auf Felsenstein danken, die bei aller Liebe zu Pferden den Knappen der Burg auch klar vor Augen geführt hatte, daß Fleisch nicht vom Himmel fiel und es ohne weiteres als nutzlose Sentimentalität angesehen werden konnte, einen altgedienten Klepper oder ein Pferd mit gebrochenen Beinen nicht entsprechend noch zu nutzen.
Ein mulmiges Gefühl blieb, hatte man des Ritters besten Freund vor Augen, aber nunja.
Der Korb mit Pferdewurst und Pferdeschinken stand also ebenso bereit, wie die Dinge, denen sie sich doch etwas lieber widmete. Leise klirrte das Zaumzeug an der Trense, als Darna das helle Leder anhob und die metallenen Zierstücke an den Riemen nochmal polierte.
Sowohl Sattel als auch Zaumzeug waren aus sorgfältigst bearbeitetem Ogerleder, das sowohl farblich sich schön von Garvaghs rotem Fell abhob, als auch sehr widerstandsfähig gegenüber stumpfem Abrieb war. Bei guter Pflege würde der Sattel das Pferd sogar wohl leicht überleben. Als Ziermetalle dienten Messing, wo mehr Festigkeit gefordert war, und als Einlegearbeiten Gold, wo es rein ästhetischen Zwecken dienen konnte. Stabil eingefasste Rubine gaben den Augenfängern den letzten Schliff.
Den Stirnriemen zierten in der Mitte ein sternförmig geschliffener Rubin, links und rechts davon je ein goldenes langgezogenes Adlerschwingenpaar. Am Verbindungsstück zwischen Stirn- und Backenriemen prangte ein silberne Drache, dessen Oberfläche durch feinsten Diamanstaub funkelte. Darna hatte sich mit dem Stallmeister verschworen, damit die Trense exakt für Garvaghs Gebiß abgestimmt war. Sie glaubte weniger, daß Adrian die Kandare benutzen würde, dafür ließ er zu gerne dem Hengst seine Eigenwilligkeiten, doch auch diese lag genauso sorgsam gearbeitet bereit.
An den kleinen Ringen zeigte sich in Gold das Symbol von Zirkel, Winkelmaß und Buch und vervollständigte somit die Symbolik des hohenfelser Wappens, am Nasenriemen war eine weitere Einlegearbeit befestigt, wo sich aus Rubinsplittern auf Gold der Name "Garvagh" bildete. Selbst das Leder an sich blieb nicht schlicht, sondern immer wieder zeigten sich winzige Schneekristalle aus dem Leder herausgearbeitet - jeder Laie musste sich verwundert fragen, wie sowas überhaupt ging.
Der Sattel stand dem Prunk des Zaumzeugs in nichts nach, im Gegenteil: die Symboliken fanden sich hier angereichert und ergänzt völlig wieder. Der Sattelknauf aus verziertem Messing bildete den Körper des Reichslöwen. Die Steigbügel waren übersäht mit metallenen Schneeflocken, doch ohne scharfe Kanten, an denen die Stiefel Schaden nehmen würden. Unten in die Fußstreben war tief "Adrian Graf von Hohenfels" eingraviert. Die Sitzfläche des Sattels war wohl das Einzige, was die Bezeichnung "schlicht" verdient hätte, aber schon an den Rändern prangte umgeben von Schwingenhälften und Schneekristallen wieder Garvaghs Name.
Auf dem Sattelblatt prangte mittig das komplette Wappen von Hohenfels, die Sattelpauschen waren mit stabilem Faden in prächtigen Farben brokatartig in Mustern aus blau, gold, rot und silber bestickt. Das Ende der Sitzfläche war wieder mit einem metallenen Zierbügel versehen, der Platz für Symboliken von einem in Schneegestöber stolz steigenden und auskeilenden Pferd bot. Das ganze Temperament und der Stolz des Pferdes schien sich nun im Lederzeug wiederzufinden.
Zwischen Sattelpolster und Hinterzwiesel war erneut tief ins Leder geprägte Schrift, um den Besitzer zu verdeutlichen und jede Verwechslung zu vermeiden:
"seiner königlichen Hoheit und Truchsess von Alumenas,
Adrian Graf von Hohenfels
Zu seinem Wiegenfest am 13. Alatner des Jahres 250
gefertigt von der markgräflichen Sattlerei zu Varuna
als Geschenk in Auftrag gegeben von
Darna Freiherrin von Elbenau
~ Mögen des göttlichen Adlers Schwingen die Hufe Eures Rosses beflügeln und auf sicheren Wegen führen! ~"