Nur ein Tropfen Blut
Verfasst: Donnerstag 13. Dezember 2007, 21:17
Der Wilde, hinter die schmierigen Gitter der schwarzen Zellen gepfercht, faszinierte sie. Klein, schmal und von so kindlicher Naivität, dass selbst ein gerade entwöhnter Säugling die Welt in ihrer grausamen Wahrheit klarer wahr nahm. Sie hatten ihn auf der Jagd gefunden - er, vertieft in ein schlichtes Ritual über dem Tier, wessen Fleisch er zum Leben benötigte, sie ebenfalls auf der Suche nach Fleisch und Blut. Doch waren ihre Motive so völlig unterschiedlich...sinnierte die Lethra, die vor den Gitterstangen (oder dahinter?) stand, das Opfer betrachtend. Sie sah ihn ihm kein Wesen, keine Existenz die zu denken vermochte, oder innerhalb der Wertmaßstäbe ihres Volkes einen Platz finden konnte. Es waren diese einfachen Wahrheiten, die den Kindern der Letharen so oft, und mit so brachialer Gewalt eingedrillt wurden. Eine schlichte, und darum so herrliche Vision: Einst würden die Letharen herrschen, die Sieben an ihrer Spitze und der Panthergott thronte über Allem. In einer solchen Wüste würde kein Platz für Menschen sein. Sie waren Werkzeuge, nützlich...und doch: So faszinierend. Wie funktionierten diese Wesen, die Gefühl nicht als störend und hinderlich empfanden? Die sich der Natur zu nähern versuchten, wie ein Tier in ihrem Kreislauf zu existieren? So anders..so krankhaft..und so unendlich anziehend.
Die Lethra verlagerte ihr Gewicht, ihr neuestes Spielzeug weiter aus tiefgrünen Katzenaugen fixierend. Man hatte ihr bislang nicht gestattet, den Wilden zu prüfen, ihn auf seine Aufgabe vorzubereiten. Diese Ehre würde anderen zuteil werden. Sie durfte ihn lediglich beobachten, verunsichern, sollte sich die Möglichkeit bieten. Doch bislang hatte er sich in tiefen Schlaf geflüchtet, unruhig zwar, doch immer noch in trügerischer Sicherheit vor der Realität. Sollte er nur Kraft schöpfen, er würde sie benötigen, wenn er durch Metall und Feuer, durch die Disharmonie geläutert wurde. Es war ein schmerzhafter Vorgang, eine Qual, die sie selbst kennen gelernt hatte. Der Lethyr Syrr'ael war immer ein genauer, ein sinniger Beobachter gewesen. Seine bernsteinfarbenen Augen schienen direkt durch alle Widerstände hinab in die Abgründe der Seele zu blicken, entrissen ihr gnadenlos die tiefsten Geheimnisse. Seit jene Visionen, jene Bilder ihn heimsuchten jedoch...manchmal schien es, als hätte er eine Hülle abgeworfen, eine Hülle die nicht ihn, sondern seine Umgebung schützte. Wo er zuvor gnadenlos gewesen war, schimmerte nun der Wahnsinn jener Wesen durch, die ihren Geist einer unbarmherzigen Macht öffneten. Sah er einen an, war man nicht mehr als Vieh. Nützlich, je nach Fähigkeit. Und doch nur Staub unter den Pranken des Einen. Sie verspürte immer wieder den Drang, zurückzuweichen, denn oft genug hatte sie seinen Zorn gespürt. Wie mussten diese Pantheraugen auf den Wilden gewirkt haben? Die kühle, neugierige Distanz, die ihn musterte wie ein schillerndes Insekt, passend für die Sammlung.
Oh ja, sie gierte danach, dass er aus den Untiefen des Schlafes zurückkehrte. Er mochte die Sprache der Menschen nicht verstehen, andere Verständigungsmöglichkeiten funktionierten jedoch auf elementarer Basis. Ähnlich, wie die Situation mit diesen Menschenweibern verlaufen war, die sich Gefährtinnen des Waldes nannten. Man hatte den Zorn des Lethyren beinahe riechen können, als sie es wagten, die "Einholung" des Opfers zu unterbrechen, Forderungen zu stellen. Man musste ihnen Mut zugestehen, den Einsatz beinahe bewundern..und doch war es verschwendete Energie. Wieder zeigte sich, welch verderblichen Einfluss die Hilfestellung für Schwache ausüben konnte. Wenn dieser Wilde nicht imstande war, sein Leben zu schützen, warum sollte er weiter existieren? Und doch verhandelten diese Frauen um sein jämmerliches Leben, welches in seiner Fehlgläubigkeit nie mehr als eine schlichte Existenz sein konnte. Es war reizvoll gewesen, sich mit ihnen zu messen, ihre Fähigkeiten auszuloten. Wie weit würde ihr Mut reichen? Wie weit gingen sie für diesen Wilden, der ihnen nicht einmal bekannt war...wieviel opferten sie für die abstrakte Idee des Schutzes der Wehrlosen? Wieviel es auch gewesen sein mochte, diesmal waren es die Kinder des Einen, die siegreich mit ihrem Opfer die Insel verließen. Ein mit Blut und Schmerz erkämpftes Opfer war umso wertvoller.
Ihre Lippen schwangen sich zu einem zufriedenen, abgründigen Lächeln. Bis er von Leid und Schmerz erlöst wurde, würde er die Gebote Alatars kennen lernen. Der Pfad des Schmerzes breitete sich vor ihm aus, eine endlose Wüste.
Die Lethra verlagerte ihr Gewicht, ihr neuestes Spielzeug weiter aus tiefgrünen Katzenaugen fixierend. Man hatte ihr bislang nicht gestattet, den Wilden zu prüfen, ihn auf seine Aufgabe vorzubereiten. Diese Ehre würde anderen zuteil werden. Sie durfte ihn lediglich beobachten, verunsichern, sollte sich die Möglichkeit bieten. Doch bislang hatte er sich in tiefen Schlaf geflüchtet, unruhig zwar, doch immer noch in trügerischer Sicherheit vor der Realität. Sollte er nur Kraft schöpfen, er würde sie benötigen, wenn er durch Metall und Feuer, durch die Disharmonie geläutert wurde. Es war ein schmerzhafter Vorgang, eine Qual, die sie selbst kennen gelernt hatte. Der Lethyr Syrr'ael war immer ein genauer, ein sinniger Beobachter gewesen. Seine bernsteinfarbenen Augen schienen direkt durch alle Widerstände hinab in die Abgründe der Seele zu blicken, entrissen ihr gnadenlos die tiefsten Geheimnisse. Seit jene Visionen, jene Bilder ihn heimsuchten jedoch...manchmal schien es, als hätte er eine Hülle abgeworfen, eine Hülle die nicht ihn, sondern seine Umgebung schützte. Wo er zuvor gnadenlos gewesen war, schimmerte nun der Wahnsinn jener Wesen durch, die ihren Geist einer unbarmherzigen Macht öffneten. Sah er einen an, war man nicht mehr als Vieh. Nützlich, je nach Fähigkeit. Und doch nur Staub unter den Pranken des Einen. Sie verspürte immer wieder den Drang, zurückzuweichen, denn oft genug hatte sie seinen Zorn gespürt. Wie mussten diese Pantheraugen auf den Wilden gewirkt haben? Die kühle, neugierige Distanz, die ihn musterte wie ein schillerndes Insekt, passend für die Sammlung.
Oh ja, sie gierte danach, dass er aus den Untiefen des Schlafes zurückkehrte. Er mochte die Sprache der Menschen nicht verstehen, andere Verständigungsmöglichkeiten funktionierten jedoch auf elementarer Basis. Ähnlich, wie die Situation mit diesen Menschenweibern verlaufen war, die sich Gefährtinnen des Waldes nannten. Man hatte den Zorn des Lethyren beinahe riechen können, als sie es wagten, die "Einholung" des Opfers zu unterbrechen, Forderungen zu stellen. Man musste ihnen Mut zugestehen, den Einsatz beinahe bewundern..und doch war es verschwendete Energie. Wieder zeigte sich, welch verderblichen Einfluss die Hilfestellung für Schwache ausüben konnte. Wenn dieser Wilde nicht imstande war, sein Leben zu schützen, warum sollte er weiter existieren? Und doch verhandelten diese Frauen um sein jämmerliches Leben, welches in seiner Fehlgläubigkeit nie mehr als eine schlichte Existenz sein konnte. Es war reizvoll gewesen, sich mit ihnen zu messen, ihre Fähigkeiten auszuloten. Wie weit würde ihr Mut reichen? Wie weit gingen sie für diesen Wilden, der ihnen nicht einmal bekannt war...wieviel opferten sie für die abstrakte Idee des Schutzes der Wehrlosen? Wieviel es auch gewesen sein mochte, diesmal waren es die Kinder des Einen, die siegreich mit ihrem Opfer die Insel verließen. Ein mit Blut und Schmerz erkämpftes Opfer war umso wertvoller.
Ihre Lippen schwangen sich zu einem zufriedenen, abgründigen Lächeln. Bis er von Leid und Schmerz erlöst wurde, würde er die Gebote Alatars kennen lernen. Der Pfad des Schmerzes breitete sich vor ihm aus, eine endlose Wüste.