Vor den Toren des Grafenschlosses stand plötzlich die junge Frau und brach, noch ehe man sie etwas fragen konnte, hysterisch schluchzend zusammen. Es hatte unglaublich lange gedauert und alle freundliche Liebesmüh der Gardisten gebraucht um aus dem wirren Gestammel des Mädchens irgendetwas rauszubekommen, denn längst inmitten eines nervlichen Zusammenbruchs, hatte sie nur Phrasen wie:
"Sie hat ihn getötet! Ermordert!"
"Ich wollt es nicht, oh, ich schwöre, ich wollt das nicht!"
"Die Schöpfermutter steh' mir bei!"
"Sire Rafael.... Sire Rafael oder sie tötet auch mich!"
und weitere Zusammenhangslose Sätze gewimmert.
Dann allerdings, nach viel gutem Zureden und einer Tasse Tee mit einem deftigen Schuss, hatte man eine klare und alarmierende Aussage bekommen.
Der Name der jungen Frau lautet Sarah Elisa Lydelle, die im Grunde Köchin und Fischerin des Dörfchens Bajard sei. Am heutigen Morgen, den 08ten Alatner, wollte sie wohl neue Ruten für Angeln sammeln und wäre dabei dem Friedhof Varunas sehr nahegekommen. Als sie dort die Untoten wüten sah, rannte sie von dannen und wollte sich am Waldrand in Sicherheit bringen. Allerdings hat eine sehr seltsame Frau das Mädchen dort aufgegriffen und versucht mit Worten zu umgarnen. Da die Frau vermummt und ganz in schwarze Rüstung gewandet war, blieb dem Mädchen nicht viel im Gedächtnis, auch schmerzten sie die Erinnerungen sehr. Doch man konnte festhalten, dass die Unbekannte definitiv eine Dienerin des Seelenfressers gewesen sein musste, eine leicht krächzende Stimme hatte und ihre Augenfarbe von eiskaltem Grün war. Das Alter wurde auf etwa Mitte Zwanzig geschätzt. Sie trug einen knöchernen Speer bei sich.
Jene Frau habe das Mädchen umgarnt und beredet, von Wahrheiten und dem Seelenfresser geredet und zuletzt auf einen Überlebenden des Friedhofsmassakers verwiesen, einen Gardisten mit einer Armbrust, der laut Beschreibung der Frau Sarah Elisa Lydelle wohl Kamerad Alger gewesen sein musste. Die Unbekannte bot an den Gardisten, welcher sich auf das Dach des Friedhofsmausoleums gerettet hatte und wohl unter Schock stand, zu retten, wenn das Mädchen artig bitten und um sein Leben betteln würde.
Frau Lydelle, laut Einschätzung der Wachmänner eine gute aber recht naive Seele, tat wie geheißen und flehte die Unbekannte an, dass diese den armen Gardisten aus der grässlichen Lage retten möge.
Tatsächlich hatte die Unbekannte ihr Wort daraufhin soweit gehalten und all die Untoten, welche sich um das Mausoleum gescharrt hatten, davon gewiesen, dann den Gardisten beredet und ihn gebeten herab zu steigen. Mehrfach hatte sie beiden, dem Gardisten und Frau Lydelle, versichert, dass nun Hilfe geboten wäre. Als dieser wohlbehalten herabgestiegen war, fragte die Unbekannte ihn mehrfach ob er denn seine Freiheit wolle und reichte ihm die Hand. Kamerad Alger nahm in seiner Notlage dies Angebot rasch und und auch als sie ihn die Worte wiederholen ließ, antwortete er sehr schnell:
"Ich will die Freiheit!"
Damit wies die Unbekannte ihn auf die Anwesenheit der Frau Lydelle hin, welche in einiger Entfernung hinter der Friedhofsmauer mitfieberte und auf die Rettung des Mannes hoffte. Sie erklärte Alger er möge sich das Gesicht der jungen Frau (gemeint war Frau Lydelle) merken, welche um seine Freiheit gebeten hatte. Kamerad Alger hätte sich dann dankbar gen Frau Lydelle gewandt, doch da wäre es geschehen. Die Unbekannte stieß den Speer in den Rücken des Gardisten, welcher röchelnd zu Boden ging und qualvoll verendete. Frau Lydelle brüllte um Hilfe aber niemand schien sie zu hören und der einzige Passant der ihr ins Auge fiel, ein Mann in Dämonenknochenrüstung, lief vorbei als würde er die Szene nicht einmal sehen. Die Unbekannte befahl Frau Lydelle danach, sie möge Sire Rafael de Arganta holen und ihm die grausige Szenerie am Friedhof zeigen. Als Frau Lydelle weiterhin nur brüllte und weinte, drohte sie auch ihr das Leben zu nehmen, woraufhin die verstörte junge Frau zum Schloss rannte, wo man sie fand.
Man brachte sie später ins Heilerhaus in Varuna, doch steht es schlecht um die junge Frau. Scheinbar hat sie das Geschehen so unter Schock gesetzt, dass sie nun kaum noch sprechen konnte und von der Heilerin mit einem Trunk zur Ruh gebracht wurde.
Soweit der "Bericht" den die Gardisten im Schloss für Sire Rafael verfassen konnten...