Fasziniert sah man die braunen Augen jeden einzelnen Buchstaben verschlingen. Bücher über Bücher und alle waren sie ein kleiner Schatz! Es hatte lange gedauert ehe sie die Handelssprache flüssig lesen konnte doch nun waren keine Grenzen gesetzt. Wie faszinierend dieses Volk erschien. Ihre Kultur, ihre Ansichten und vor allem ihre Instrumente und Geschichten. Jauchzend drückte sie die neueste Errungenschaft an das Herz und wirbelte einmal um die eigene Achse ehe sie sich einiger Sitten erinnerte und hastig nach Hause eilte. Flink wurden die Sandalen abgestreift und der Schleier vor den Zügen gelüftet ehe sie sich auch schon im Schneidesitz auf eines der Kissen sinken ließ.
Diese Geschichte jedoch war eine ganz andere als sie es erwartet hätte. Erschreckend und dennoch fesselnd. Es hielt sie in ihrem Bann und glich Erzählungen die man hier und da aufgeschnappt hatte. Wunderschöne Frauen also? Verführerisch und fesselnd.. harchja.. sie würden sicherlich neben der Esra verblassen. Lächelnd laß sie weiter von Kröten, Unken und Warzen.. Buckel sollten sich gar unter der Schönheit verbergen und so bezaubernd sie war so vergänglich erschien sie in dieser Erzählung. Rache für all jene die durch das Feuer gegangen waren! Krankheit und Verderben für jene die es zugelassen hatten und zulassen würden... es war alles so.. fremd... so.. interessant und abschreckend. Waren sie wirklich zu derlei fähig? Versiegte diesen muhenden Festlandtieren wirklich die Milch? Wurden Eier schlecht nachdem SIE am Huhn vorbei gelaufen waren? Soviele Fragen in dem jungen Köpfchen und je mehr sie davon gelesen hatte desto mehr wollte sie erfahren. Dummerweise ließ sich trotz des dicken Buches mehr vermuten als wissen und genau dies war wohl der Grund warum es ihr nicht aus dem Köpfchen ging.
Nach Stunden wie es schien wurde das Buch endlich zugeklappt und die Erinnerungen daran kamen ihr immer wieder bilderhaft vor Augen. Summend zupfte sie an den Saiten der Kanoun und lauschte den Klängen die ihre Finger hervor brachten. In Verbindung mit den Bildern geschah es bald das sie anfing zu singen. Flink glitten die Finger über die unzähligen, metallenen Saiten während die Plektren an den Zeigefingern den eigentlichen Ton erklingen ließen. Die Mischung war ungewohnt – allemal. Ein solches Instrument war überaus dominierend und so sie es mit der Laute verglich recht komplex. Gesang in gewohnter festländischer Form eigentlich unpassend und dennoch, sie hatte lust zu singen und das Gelesene in Reime zu fassen.
Feuerschein und Lichtertanz, verschleiert was gegeben.
Rotes Haar das weht im Tanz, umschmeichelt was sie weben.
Zauberfeuer hitzige Glut, vernebelt unser Denken.
Lockendes Wort das klingt im Wind, vereinfacht wie sie lenken.
Doch warn ich dich drum hör gut hin.
Schönheit und Wort sind ohne Sinn.
Hat sie dich - verfällst du ihr.
Hexenzauber - glaube mir!
Doch warn ich dich drum hör gut hin.
Für sie da zählt nur ihr Gewinn.
Dienst du ihr – verrät sie dich.
Hexenzauber – wehre dich!
Lungenpest und Herdensiech, erinnert ans Bestreben.
Verstummender Schrei der quält den Mensch, besagt was sie leben.
Hinterlist und Lügenmeer, begleiten ihre Worte.
Verborgen gar in deinem Weib, beherrschen sie die Orte.
Doch warn ich dich drum hör gut hin.
Erkennen kann man diese.
Zünd sie an – das rettet dich!
Hexenwesen, innerlich.
Drum warn ich dich du hörtest hin.
Die Hexe lebt in ihrem Sinn.
Doch du kannst sie erkennen,
den Namen gar benennen.
Als ihr eine der pechschwarzen Strähnen vor die Augen fiel hörte sie auf zu singen. Nunja.. würde sie derlei jemals vortragen wollen musste sie es nochmals überdenken und auf einem Pergament festhalten. In Verbindung mit dem menekanischen Instrument jedoch erschien es selbst ihr zu seltsam und so kam es das sie sich nicht weiter Damit befasste. Tage später jedoch traf sie einen Festländer beim Kontor und so stocken das Gespräch auch verlief so sehr wog die Neugierde. Gastfreundlich wie jeder Menekaner gab sie ihm Wasser und bot eine Schale mit Datteln an während sie sich seinem Wunsch annahm. Salz wollte er also haben. Aiwa, alle wollten sie Salz. Wohl einer der Hauptgründe für einen Festländer die Sonneninsel aufzusuchen. Sollte er sich an das Kontor wenden... freundlich aber bestimmt wies sie ihm die Richtung und lauschte dann seinen Ansichten über diese sogenannten Hexen. Kälber mit zwei Köpfen waren ihr neu doch ansonsten traf es zu und bestätigte was sie gelesen hatte. Rivkah erzählte ihm also von dem Buch und auch dem Lied welches der Festländer nach einigem Bitten dann auch zu hören bekam. Nachdem sie geendet hatte bat er sie erneut zu singen und schrieb eifrig mit die Melodie bereits leise summend.
Nach geraumer Zeit konnte er es bereits mitsingen wenngleich es zu ihrer Belustigung nicht immer gänzlich klar erklang.. - teilweise recht bescheiden. Dennoch, der Mann wollte ihr Liedchen auch auf dem Festland vortragen und dies wiederum ließ sie Lächeln. Was wohl ein Festländer denken würde so er derlei hörte und erfuhr das es den Gedanken einer Menekanerin entsprungen war? Schmunzelnd sah sie ihm nach um Momente später herum zu wirbeln und ihren Aufgaben nachzugehen. Was Rivkah jedoch nicht wusste war das dieses Liedchen schon Wochen später in den Tavernen der verschiedenen Städte bekannt war und wohl viele Menschen wieder an jene erinnert wurden die man als Hexen bezeichnete. Was jedoch würde das Lied bewirken? Wuchs die Angst oder spornte es zu deren Verfolgung an? In wie vielen Frauen würde man wohl eine Hexe sehen?