Ein Sturm zieht auf....
Verfasst: Samstag 13. Oktober 2007, 12:07
Die Nacht zum fünften Goldblatt
Draussen stürmte es. Der Regen klopfte wild und unbändig an die Fensterscheibe, rüttelte, forderte und suchte sich seinen Weg weiter durch die kleinen Ritzen der Hütte.
Die schwarzgetränkten Wolken zogen durch die dunkle Nacht, übersättigt von dem Wasser, das sie in sich trugen, und das sie nun auf die Erde hinabfallen ließen.
Der Herbst näherte sich mit großen Schritten, die Natur passte sich einem neuen Rhythmus an.
Sie wollte weg. Einfach nur weg....
Wieder einmal eine Nacht, in der sie keinen Schlaf fand...wieder eine Nacht, in der sie in jedem Schatten eine Gestalt, böse Absichten sah.
Sie zündete hektisch eine Kerze an, wühlte in einer der Truhen. Das Licht flackerte unnatürlich durch die kleine Stube; auf dem Tisch lag immer noch der zusammengesetzte Schädel, mit dem alles begonnen hatte...
Ein Sturm zieht auf....
Jemand kannte ihre Vorgeschichte, jemand wusste um ihre Schuld. Sie hatte es in jenen Gefilden nur zwei Leuten erzählt; zwei Menschen, auf die sie sich verlassen konnte, von denen sie die genügende Verschwiegenheit erwarten konnte. Nein, sie konnten es nicht sein, schon gar nicht, weil sie etwas verschwiegen hatte....
Weder Sanyarin, noch irgendeinem anderen hatte sie je davon berichtet, keiner kannte ihren Namen. Den Namen, den sie nie wieder aussprechen wollte, den sie für immer abgelegt hatte. Sie wollte ihn nicht beschmutzen, wollte so wenigstens ein kleines Stück der Ehre aufrecht erhalten.
Alles war anders. Anders, seit sie den Zettel in die Hand genommen hatte, die wenigen Zeilen gelesen und...ihren Namen: Leah Da’Kaar.
Sie wusste nicht, wer es herausgefunden hatte, wusste nicht, wer ihr auf die Spur gekommen war. Sie wollte es auch nicht wissen, wollte nur weg hier. Die Hütte war ihr nicht sicher genug...
Hastig suchte sie einige Dinge heraus, stopfte jene in eine Tasche zum Umhängen. Sie war bescheiden, sie würde mit nur wenig zurecht kommen. Die Ordenskleidung hatte sie abgelegt und ordentlich zusammengelegt, verstaut in eine der kleinen Truhen.
Ebenso schnell war der Umhang umgebunden, die Kapuze über den Kopf gestreift. Ihre Schritten führten sie zur Türe, an der immer noch unerbittlich der Wind rüttelte. Mit einem Male stockte sie, als sie die Hand auf den Türgriff gelegt hatte. Sie starrte lange auf ihr Handgelenk, an dem immer noch das Band des Ordens angelegt war.
Der Orden der Temora, zu bewahren das höchste Gut, dass dem Menschen geschenkt wurde, die sieben Tugenden. Dort hatte sie eine neue Familie gefunden, Rückhalt, Vertrauen, Wärme....Freundschaft.
Und nun?
Sollte sie das alles wirklich aufgeben? Die Flucht vor dem Briefeschreiber, war sie nicht auch eine Flucht vor der ihrem neuen Schicksal, ihrem neuen Weg, den sie beschreiten wollte?
Leah, jedem Menschen ist eine bestimmte Aufgabe auf dieser Erde zugeteilt. Irgendwann wird sich jeder dieser Aufgabe bewusst und allein an ihm mag es liegen, jene zu erfüllen!
Die Worte der Mutter hallten vorwurfsvoll in ihrem Kopf, mahnten sie zur Besinnung, zur Vernunft.
Mit einer fliessenden Bewegung streifte sie die Kapuze aus dem Gesicht, Tränen liefen über die nicht zu deutende Miene. Langsam kniete sie sich nieder, in dem flackernden Licht der Kerze und betete.
Betete darum, dass sie die Angst überwinden kann, dass Temora ihr das nötige Licht in der Zeit des Dunklen geben mag.
Darum, dass sie ihr ihre Dummheit vergeben möge.
Sie stand mit einem Male auf, die Hand griff nach dem Handreif, jenen lösend und in die Umhängetasche gleiten lassend.
Die Stimme der Angst hatte über die Stimme der Vernunft gesiegt.
Mit einem Ruck öffnete sie die Türe und trat hinaus.
In der Ferne hörte sie das Heulen eines Wolfes, Regentropfen peitschten ihr ins Gesicht und der kalte Wind fuhr ihr durch Mark und Bein.
Vergib mir Temora.....
Am nächsten Morgen
Fahler Nebel hing über den Feldern und Wiesen, nur wenige waren zu jenen frühen Stunden wach. Selbst die Sonne, die sich zäh an ihren Aufstieg machte, schien noch nicht recht wach zu sein, so gähnend langsam erleuchtete sich nach und nach die Ebene Gerimors.
Zu jener Stunde, zu jenem Zeitpunkt war es immer ihr Ritual gewesen, zum morgendlichen Gebet zu erscheinen, zu jenen Stunden vermochte man schon das Gesicht von ihr entweder in der Kirche oder den Mauern des Ordens erblicken.
Die Kirche, ein leerer Ort.....
Ihr Platze in der Kapelle des Ordens verlassen, kein Zeichen deutete darauf hin, dass sie da war oder noch kommen würde.....
Sie würde nicht kommen...erst Stunden, dann Tage, gar länger. Und keiner wusste, warum.....
Draussen stürmte es. Der Regen klopfte wild und unbändig an die Fensterscheibe, rüttelte, forderte und suchte sich seinen Weg weiter durch die kleinen Ritzen der Hütte.
Die schwarzgetränkten Wolken zogen durch die dunkle Nacht, übersättigt von dem Wasser, das sie in sich trugen, und das sie nun auf die Erde hinabfallen ließen.
Der Herbst näherte sich mit großen Schritten, die Natur passte sich einem neuen Rhythmus an.
Sie wollte weg. Einfach nur weg....
Wieder einmal eine Nacht, in der sie keinen Schlaf fand...wieder eine Nacht, in der sie in jedem Schatten eine Gestalt, böse Absichten sah.
Sie zündete hektisch eine Kerze an, wühlte in einer der Truhen. Das Licht flackerte unnatürlich durch die kleine Stube; auf dem Tisch lag immer noch der zusammengesetzte Schädel, mit dem alles begonnen hatte...
Ein Sturm zieht auf....
Jemand kannte ihre Vorgeschichte, jemand wusste um ihre Schuld. Sie hatte es in jenen Gefilden nur zwei Leuten erzählt; zwei Menschen, auf die sie sich verlassen konnte, von denen sie die genügende Verschwiegenheit erwarten konnte. Nein, sie konnten es nicht sein, schon gar nicht, weil sie etwas verschwiegen hatte....
Weder Sanyarin, noch irgendeinem anderen hatte sie je davon berichtet, keiner kannte ihren Namen. Den Namen, den sie nie wieder aussprechen wollte, den sie für immer abgelegt hatte. Sie wollte ihn nicht beschmutzen, wollte so wenigstens ein kleines Stück der Ehre aufrecht erhalten.
Alles war anders. Anders, seit sie den Zettel in die Hand genommen hatte, die wenigen Zeilen gelesen und...ihren Namen: Leah Da’Kaar.
Sie wusste nicht, wer es herausgefunden hatte, wusste nicht, wer ihr auf die Spur gekommen war. Sie wollte es auch nicht wissen, wollte nur weg hier. Die Hütte war ihr nicht sicher genug...
Hastig suchte sie einige Dinge heraus, stopfte jene in eine Tasche zum Umhängen. Sie war bescheiden, sie würde mit nur wenig zurecht kommen. Die Ordenskleidung hatte sie abgelegt und ordentlich zusammengelegt, verstaut in eine der kleinen Truhen.
Ebenso schnell war der Umhang umgebunden, die Kapuze über den Kopf gestreift. Ihre Schritten führten sie zur Türe, an der immer noch unerbittlich der Wind rüttelte. Mit einem Male stockte sie, als sie die Hand auf den Türgriff gelegt hatte. Sie starrte lange auf ihr Handgelenk, an dem immer noch das Band des Ordens angelegt war.
Der Orden der Temora, zu bewahren das höchste Gut, dass dem Menschen geschenkt wurde, die sieben Tugenden. Dort hatte sie eine neue Familie gefunden, Rückhalt, Vertrauen, Wärme....Freundschaft.
Und nun?
Sollte sie das alles wirklich aufgeben? Die Flucht vor dem Briefeschreiber, war sie nicht auch eine Flucht vor der ihrem neuen Schicksal, ihrem neuen Weg, den sie beschreiten wollte?
Leah, jedem Menschen ist eine bestimmte Aufgabe auf dieser Erde zugeteilt. Irgendwann wird sich jeder dieser Aufgabe bewusst und allein an ihm mag es liegen, jene zu erfüllen!
Die Worte der Mutter hallten vorwurfsvoll in ihrem Kopf, mahnten sie zur Besinnung, zur Vernunft.
Mit einer fliessenden Bewegung streifte sie die Kapuze aus dem Gesicht, Tränen liefen über die nicht zu deutende Miene. Langsam kniete sie sich nieder, in dem flackernden Licht der Kerze und betete.
Betete darum, dass sie die Angst überwinden kann, dass Temora ihr das nötige Licht in der Zeit des Dunklen geben mag.
Darum, dass sie ihr ihre Dummheit vergeben möge.
Sie stand mit einem Male auf, die Hand griff nach dem Handreif, jenen lösend und in die Umhängetasche gleiten lassend.
Die Stimme der Angst hatte über die Stimme der Vernunft gesiegt.
Mit einem Ruck öffnete sie die Türe und trat hinaus.
In der Ferne hörte sie das Heulen eines Wolfes, Regentropfen peitschten ihr ins Gesicht und der kalte Wind fuhr ihr durch Mark und Bein.
Vergib mir Temora.....
Am nächsten Morgen
Fahler Nebel hing über den Feldern und Wiesen, nur wenige waren zu jenen frühen Stunden wach. Selbst die Sonne, die sich zäh an ihren Aufstieg machte, schien noch nicht recht wach zu sein, so gähnend langsam erleuchtete sich nach und nach die Ebene Gerimors.
Zu jener Stunde, zu jenem Zeitpunkt war es immer ihr Ritual gewesen, zum morgendlichen Gebet zu erscheinen, zu jenen Stunden vermochte man schon das Gesicht von ihr entweder in der Kirche oder den Mauern des Ordens erblicken.
Die Kirche, ein leerer Ort.....
Ihr Platze in der Kapelle des Ordens verlassen, kein Zeichen deutete darauf hin, dass sie da war oder noch kommen würde.....
Sie würde nicht kommen...erst Stunden, dann Tage, gar länger. Und keiner wusste, warum.....