Die Nacht zum fünften Goldblatt
Draussen stürmte es. Der Regen klopfte wild und unbändig an die Fensterscheibe, rüttelte, forderte und suchte sich seinen Weg weiter durch die kleinen Ritzen der Hütte.
Die schwarzgetränkten Wolken zogen durch die dunkle Nacht, übersättigt von dem Wasser, das sie in sich trugen, und das sie nun auf die Erde hinabfallen ließen.
Der Herbst näherte sich mit großen Schritten, die Natur passte sich einem neuen Rhythmus an.
Sie wollte weg. Einfach nur weg....
Wieder einmal eine Nacht, in der sie keinen Schlaf fand...wieder eine Nacht, in der sie in jedem Schatten eine Gestalt, böse Absichten sah.
Sie zündete hektisch eine Kerze an, wühlte in einer der Truhen. Das Licht flackerte unnatürlich durch die kleine Stube; auf dem Tisch lag immer noch der zusammengesetzte Schädel, mit dem alles begonnen hatte...
Ein Sturm zieht auf....
Jemand kannte ihre Vorgeschichte, jemand wusste um ihre Schuld. Sie hatte es in jenen Gefilden nur zwei Leuten erzählt; zwei Menschen, auf die sie sich verlassen konnte, von denen sie die genügende Verschwiegenheit erwarten konnte. Nein, sie konnten es nicht sein, schon gar nicht, weil sie etwas verschwiegen hatte....
Weder Sanyarin, noch irgendeinem anderen hatte sie je davon berichtet, keiner kannte ihren Namen. Den Namen, den sie nie wieder aussprechen wollte, den sie für immer abgelegt hatte. Sie wollte ihn nicht beschmutzen, wollte so wenigstens ein kleines Stück der Ehre aufrecht erhalten.
Alles war anders. Anders, seit sie den Zettel in die Hand genommen hatte, die wenigen Zeilen gelesen und...ihren Namen: Leah Da’Kaar.
Sie wusste nicht, wer es herausgefunden hatte, wusste nicht, wer ihr auf die Spur gekommen war. Sie wollte es auch nicht wissen, wollte nur weg hier. Die Hütte war ihr nicht sicher genug...
Hastig suchte sie einige Dinge heraus, stopfte jene in eine Tasche zum Umhängen. Sie war bescheiden, sie würde mit nur wenig zurecht kommen. Die Ordenskleidung hatte sie abgelegt und ordentlich zusammengelegt, verstaut in eine der kleinen Truhen.
Ebenso schnell war der Umhang umgebunden, die Kapuze über den Kopf gestreift. Ihre Schritten führten sie zur Türe, an der immer noch unerbittlich der Wind rüttelte. Mit einem Male stockte sie, als sie die Hand auf den Türgriff gelegt hatte. Sie starrte lange auf ihr Handgelenk, an dem immer noch das Band des Ordens angelegt war.
Der Orden der Temora, zu bewahren das höchste Gut, dass dem Menschen geschenkt wurde, die sieben Tugenden. Dort hatte sie eine neue Familie gefunden, Rückhalt, Vertrauen, Wärme....Freundschaft.
Und nun?
Sollte sie das alles wirklich aufgeben? Die Flucht vor dem Briefeschreiber, war sie nicht auch eine Flucht vor der ihrem neuen Schicksal, ihrem neuen Weg, den sie beschreiten wollte?
Leah, jedem Menschen ist eine bestimmte Aufgabe auf dieser Erde zugeteilt. Irgendwann wird sich jeder dieser Aufgabe bewusst und allein an ihm mag es liegen, jene zu erfüllen!
Die Worte der Mutter hallten vorwurfsvoll in ihrem Kopf, mahnten sie zur Besinnung, zur Vernunft.
Mit einer fliessenden Bewegung streifte sie die Kapuze aus dem Gesicht, Tränen liefen über die nicht zu deutende Miene. Langsam kniete sie sich nieder, in dem flackernden Licht der Kerze und betete.
Betete darum, dass sie die Angst überwinden kann, dass Temora ihr das nötige Licht in der Zeit des Dunklen geben mag.
Darum, dass sie ihr ihre Dummheit vergeben möge.
Sie stand mit einem Male auf, die Hand griff nach dem Handreif, jenen lösend und in die Umhängetasche gleiten lassend.
Die Stimme der Angst hatte über die Stimme der Vernunft gesiegt.
Mit einem Ruck öffnete sie die Türe und trat hinaus.
In der Ferne hörte sie das Heulen eines Wolfes, Regentropfen peitschten ihr ins Gesicht und der kalte Wind fuhr ihr durch Mark und Bein.
Vergib mir Temora.....
Am nächsten Morgen
Fahler Nebel hing über den Feldern und Wiesen, nur wenige waren zu jenen frühen Stunden wach. Selbst die Sonne, die sich zäh an ihren Aufstieg machte, schien noch nicht recht wach zu sein, so gähnend langsam erleuchtete sich nach und nach die Ebene Gerimors.
Zu jener Stunde, zu jenem Zeitpunkt war es immer ihr Ritual gewesen, zum morgendlichen Gebet zu erscheinen, zu jenen Stunden vermochte man schon das Gesicht von ihr entweder in der Kirche oder den Mauern des Ordens erblicken.
Die Kirche, ein leerer Ort.....
Ihr Platze in der Kapelle des Ordens verlassen, kein Zeichen deutete darauf hin, dass sie da war oder noch kommen würde.....
Sie würde nicht kommen...erst Stunden, dann Tage, gar länger. Und keiner wusste, warum.....
Ein Sturm zieht auf....
-
Leah Katuri
Ein Sturm zieht auf....
Zuletzt geändert von Leah Katuri am Sonntag 14. Oktober 2007, 18:25, insgesamt 1-mal geändert.
-
Leah Katuri
Wie viel Zeit mag vergangen sein, als sie sich entschloss, die dichten Wälder zu verlassen und wieder die Nähe der Menschen zu suchen?
Sie wusste es nicht. Lange hatte sie sich versteckt, war Tag von Tag durch die Wälder gezogen; nur um keine Spuren zu hinterlassen.
Der Wald hatte ihr Schutz vor dem Menschen gegeben, doch in jedem Moment wurde sie daran erinnert, wo sie war: Regen, der auf sie hernieder peitschte und ein heftiger Wind, der sich seinen Weg durch jede Ritze ihrer Kleidung suchte.
Sie hatte vergessen, gar einfach nicht mehr daran gedacht, dass nicht jeden Tag die Sonne scheinen kann...
Die Natur reagierte, so kam es ihr vor, in jenen Tagen jedoch heftiger als je zuvor.
Der Wind heftiger denn je, sogar sturmmäßig würde sie es beschreiben. Manche Nacht musste sie in einem Steinverschlag Schutz suchen; Schutz vor den Naturgewalten, die so ganz und gar nicht natürlich erscheinen wollten.
Mit jedem Gedanken, jedem weiteren Gebet, dass sie zur Lichtbringerin sprach, schwand die urtümliche und ihr so riesig erscheinende Angst.
Die Angst vor dem Vergangenem; vor dem, was einmal war, schwand.
Doch wenn sie zurückkehren würde, wenn sie jenen Schritt wagen sollte, würde man sie wieder aufnehmen?
Würden ihr ihre Brüder und Schwestern verzeihen?
Lange zauderte sie, bat Temora um ein Zeichen, ihr den weiteren Weg zu weisen. Das erste kam rascher, als sie es sich vorstellen konnte.
Ein Traum von solcher Klarheit, das es schon fast real erschien:
Ein helles Licht; wärmer denn je durchdrang es ihren Körper. Kälte und Nässe der Wälder waren vergessen. Langsam nahm das Licht eine Gestalt an...Eine Gestalt, die sie nur allzu gut kannte.
„Mutter?“
„Leah, einem jeden von uns ist es bestimmt, eine Aufgabe auf jener Erde zu erfüllen. Warum erfüllst du nicht die Deinige?“
„Ich will sie doch erfüllen Mutter. Doch man lässt es nicht zu!“
„Du musst dich deiner Vergangenheit stellen mein Kind. Das, was geschehen ist, gehört genauso zu dir, wie das, was später einmal sein wird.“
„Ich habe Angst...“
„Ich weiß meine Kleine. Doch du bist nun eine junge Frau, die eine Aufgabe hat. Gehe wieder den richtigen Weg....erfülle deine Aufgabe! Du bist nicht alleine, du hast viele Menschen um dich, die dir zur Seite stehen...und ich werde auch immer bei dir sein. Lerne, dir zu vertrauen...“
Die Stimme verblasst so schnell, wie es auch die Figur tut. Zurück bleibt die Wärme und die Gewissheit, nicht alleine zu sein.
Sie kehrte zurück; verließ die Wälder und begab sich wieder unter die Menschen.
Es würde dauern, nicht hinter jeder Mauer, hinter jedem Verschlag, einen Schatten zu sehen. Der erste Schritt war wieder getan....
Abends streifte sie immer wieder vorbei am Orden.
Würden sie ihr wirklich verzeihen und wieder in die Arme schliessen? Sie wusste es nicht. Ihr Mut war noch nicht soweit, den so wichtigen Schritt zu wagen.
Tage vergingen, in denen sie ziellos umherlief; durch die Städte und Dörfer. Immer wieder am Orden vorbei.
Ein weiteres Zeichen wurde von der Gütigen geschenkt....Sinari Itheria.
Es war ein langes Gespräch. Sie selbst wusste nicht, warum sie so offen redete, warum jene Dame ihr so vertrauenswürdig erschien. Sie strahlte etwas aus; etwas, was beruhigend und vertrauend wirken mochte. Doch sie erzählte...erzählte von damals...von der Zeit im Orden und schließlich von den Briefen, die sie jüngst erhalten hatte. Noch immer trug sie sie bei sich in ihrer Tasche, die sie umgehängt hatte. Sie lagen neben dem Ordensband, das sie immer wieder betrachtet, doch nicht mehr angezogen hatte...
Sie würde wieder den Weg gehen; würde wieder den richtigen wählen. Und dafür müsste sie nun die nächste Hürde überwinden müssen.
Die Rückkehr zum Orden der Temora....
Sie wusste es nicht. Lange hatte sie sich versteckt, war Tag von Tag durch die Wälder gezogen; nur um keine Spuren zu hinterlassen.
Der Wald hatte ihr Schutz vor dem Menschen gegeben, doch in jedem Moment wurde sie daran erinnert, wo sie war: Regen, der auf sie hernieder peitschte und ein heftiger Wind, der sich seinen Weg durch jede Ritze ihrer Kleidung suchte.
Sie hatte vergessen, gar einfach nicht mehr daran gedacht, dass nicht jeden Tag die Sonne scheinen kann...
Die Natur reagierte, so kam es ihr vor, in jenen Tagen jedoch heftiger als je zuvor.
Der Wind heftiger denn je, sogar sturmmäßig würde sie es beschreiben. Manche Nacht musste sie in einem Steinverschlag Schutz suchen; Schutz vor den Naturgewalten, die so ganz und gar nicht natürlich erscheinen wollten.
Mit jedem Gedanken, jedem weiteren Gebet, dass sie zur Lichtbringerin sprach, schwand die urtümliche und ihr so riesig erscheinende Angst.
Die Angst vor dem Vergangenem; vor dem, was einmal war, schwand.
Doch wenn sie zurückkehren würde, wenn sie jenen Schritt wagen sollte, würde man sie wieder aufnehmen?
Würden ihr ihre Brüder und Schwestern verzeihen?
Lange zauderte sie, bat Temora um ein Zeichen, ihr den weiteren Weg zu weisen. Das erste kam rascher, als sie es sich vorstellen konnte.
Ein Traum von solcher Klarheit, das es schon fast real erschien:
Ein helles Licht; wärmer denn je durchdrang es ihren Körper. Kälte und Nässe der Wälder waren vergessen. Langsam nahm das Licht eine Gestalt an...Eine Gestalt, die sie nur allzu gut kannte.
„Mutter?“
„Leah, einem jeden von uns ist es bestimmt, eine Aufgabe auf jener Erde zu erfüllen. Warum erfüllst du nicht die Deinige?“
„Ich will sie doch erfüllen Mutter. Doch man lässt es nicht zu!“
„Du musst dich deiner Vergangenheit stellen mein Kind. Das, was geschehen ist, gehört genauso zu dir, wie das, was später einmal sein wird.“
„Ich habe Angst...“
„Ich weiß meine Kleine. Doch du bist nun eine junge Frau, die eine Aufgabe hat. Gehe wieder den richtigen Weg....erfülle deine Aufgabe! Du bist nicht alleine, du hast viele Menschen um dich, die dir zur Seite stehen...und ich werde auch immer bei dir sein. Lerne, dir zu vertrauen...“
Die Stimme verblasst so schnell, wie es auch die Figur tut. Zurück bleibt die Wärme und die Gewissheit, nicht alleine zu sein.
Sie kehrte zurück; verließ die Wälder und begab sich wieder unter die Menschen.
Es würde dauern, nicht hinter jeder Mauer, hinter jedem Verschlag, einen Schatten zu sehen. Der erste Schritt war wieder getan....
Abends streifte sie immer wieder vorbei am Orden.
Würden sie ihr wirklich verzeihen und wieder in die Arme schliessen? Sie wusste es nicht. Ihr Mut war noch nicht soweit, den so wichtigen Schritt zu wagen.
Tage vergingen, in denen sie ziellos umherlief; durch die Städte und Dörfer. Immer wieder am Orden vorbei.
Ein weiteres Zeichen wurde von der Gütigen geschenkt....Sinari Itheria.
Es war ein langes Gespräch. Sie selbst wusste nicht, warum sie so offen redete, warum jene Dame ihr so vertrauenswürdig erschien. Sie strahlte etwas aus; etwas, was beruhigend und vertrauend wirken mochte. Doch sie erzählte...erzählte von damals...von der Zeit im Orden und schließlich von den Briefen, die sie jüngst erhalten hatte. Noch immer trug sie sie bei sich in ihrer Tasche, die sie umgehängt hatte. Sie lagen neben dem Ordensband, das sie immer wieder betrachtet, doch nicht mehr angezogen hatte...
Sie würde wieder den Weg gehen; würde wieder den richtigen wählen. Und dafür müsste sie nun die nächste Hürde überwinden müssen.
Die Rückkehr zum Orden der Temora....
-
Leah Katuri
„Carracas! Du..hier?!“
Die Worte stachen wie zerspringendes Kristall in ihren Ohren. Das Herz setzte sich rasend in Bewegung, jede Faser ihres Körpers spannte sich nervenzerreibend an.
Raus hier, einfach nur raus! Einem ersten Impuls folgte der nächste, ein polternder Schritt die Treppe hinunter folgte dem nächsten Schritt....Raus! Einfach nur rennen...rennen...und in Sicherheit sein!
Warum bin ich auch nur mitgegangen?
Wie dumm,...wie dumm konnte ich nur sein und alles preisgeben?
Er wird es erfahren; er wird wissen, dass ich es ihr erzählt habe...
Warum konnte ich den Mund nicht halten? Ich hätte einfach schweigen sollen! Verflucht noch mal! Ich bin zu schwach, zu leicht unter Druck zu setzen, wenn es darum geht!
Die Gedanken schossen ihr wirr durch den Kopf, während sie hetzend nach dem richtigen Weg suchte. Es hatte so harmlos begonnen...war es doch nach den Ereignissen zunächst so normal, so wie sie es seit jeher vom Orden gewohnt war:
Die Nebelschwaden hingen wie so oft in jenen Herbsttagen schwer über die Ländereien und Felder, während die Luft sich eisig zusammenzog. Man roch förmlich den in Kürze hereinbrechenden Winter. Langsam hatte sie sich wieder in den Alltag des Ordens eingefügt, hatte die alten Rituale wieder aufgenommen. Das Morgengebet hatte ihr an jenem beginnenden Tag besonders viel Wärme geschenkt; fast dachte sie, dass ein Lichtstrahl Temoras sie gestreift hatte. Ein belehrendes Kopfnicken zu sich selbst...es wird lange dauern, bis ich sie verstehe und spüren kann.
Der Tag läutete sich langsam ein; die Sonne nahm ihre gewohnte Arbeit auf und schenkte die letzte Wärme, die sie zu geben vermochte. Es war bereits Mittag, als sie auf Analope traf...
„Sagt mir endlich, woher ihr ihn kennt! Wer ihr für ihn seid...“
„Er...ist mein Bruder.“
„Warum...sollte er euch dann umbringen?“
„Es hat etwas mit unserer Vergangenheit zu tun...Aber es ist nicht wichtig...Vergesst nur euer Versprechen nicht.“
Wie lange hatte sie diese Worte nicht ausgesprochen, wie lange hatte sie nie gesagt, was einmal doch herauskommen würde?
Sie wusste es nicht....wusste nicht, wie sie von jener Ordensschwester dazu gebracht wurde, endlich das Schweigen zu brechen.
Benommen umgriff sie das Treppengeländer. Alles schien in diesem Moment so unwirklich, so völlig abstrus. Wie im Träume nahm sie die folgenden Worte wahr und genauso benommen hatte sie ihr anscheinend gefolgt; in die Höhle des Löwens....
Carracas Haus....
Die Worte stachen wie zerspringendes Kristall in ihren Ohren. Das Herz setzte sich rasend in Bewegung, jede Faser ihres Körpers spannte sich nervenzerreibend an.
Raus hier, einfach nur raus! Einem ersten Impuls folgte der nächste, ein polternder Schritt die Treppe hinunter folgte dem nächsten Schritt....Raus! Einfach nur rennen...rennen...und in Sicherheit sein!
Warum bin ich auch nur mitgegangen?
Wie dumm,...wie dumm konnte ich nur sein und alles preisgeben?
Er wird es erfahren; er wird wissen, dass ich es ihr erzählt habe...
Warum konnte ich den Mund nicht halten? Ich hätte einfach schweigen sollen! Verflucht noch mal! Ich bin zu schwach, zu leicht unter Druck zu setzen, wenn es darum geht!
Die Gedanken schossen ihr wirr durch den Kopf, während sie hetzend nach dem richtigen Weg suchte. Es hatte so harmlos begonnen...war es doch nach den Ereignissen zunächst so normal, so wie sie es seit jeher vom Orden gewohnt war:
Die Nebelschwaden hingen wie so oft in jenen Herbsttagen schwer über die Ländereien und Felder, während die Luft sich eisig zusammenzog. Man roch förmlich den in Kürze hereinbrechenden Winter. Langsam hatte sie sich wieder in den Alltag des Ordens eingefügt, hatte die alten Rituale wieder aufgenommen. Das Morgengebet hatte ihr an jenem beginnenden Tag besonders viel Wärme geschenkt; fast dachte sie, dass ein Lichtstrahl Temoras sie gestreift hatte. Ein belehrendes Kopfnicken zu sich selbst...es wird lange dauern, bis ich sie verstehe und spüren kann.
Der Tag läutete sich langsam ein; die Sonne nahm ihre gewohnte Arbeit auf und schenkte die letzte Wärme, die sie zu geben vermochte. Es war bereits Mittag, als sie auf Analope traf...
„Sagt mir endlich, woher ihr ihn kennt! Wer ihr für ihn seid...“
„Er...ist mein Bruder.“
„Warum...sollte er euch dann umbringen?“
„Es hat etwas mit unserer Vergangenheit zu tun...Aber es ist nicht wichtig...Vergesst nur euer Versprechen nicht.“
Wie lange hatte sie diese Worte nicht ausgesprochen, wie lange hatte sie nie gesagt, was einmal doch herauskommen würde?
Sie wusste es nicht....wusste nicht, wie sie von jener Ordensschwester dazu gebracht wurde, endlich das Schweigen zu brechen.
Benommen umgriff sie das Treppengeländer. Alles schien in diesem Moment so unwirklich, so völlig abstrus. Wie im Träume nahm sie die folgenden Worte wahr und genauso benommen hatte sie ihr anscheinend gefolgt; in die Höhle des Löwens....
Carracas Haus....