Nun war es also geschehen. Eigentlich war sovieles in den letzten Tagen geschehen aber dass gerade DAS passieren würde, nun ja das war neben der Tatsache dass sie nun ein Pferd besaß die eigentliche Unmöglichkeit schlechthin.
Und doch war es so geschehen und sie fühlte sich nicht schlecht dabei. Es hatte alles seinen Anfang genommen als sie heute das Haus verließ; sie klopfte kurz ihrem neuen Pferd den Hals und gab der behäbigen Stute einen Apfel und machte sich dann auf den Weg nach Bajard, die neusten Gerüchte abhören und vor allem in Ruhe etwas trinken.
Vielleicht war es Schicksal gewesen dass sie jene Frau getroffen hatte. Kyra war ihr Name und sie selbst bezeichnete sich als angehende Priesterin Eluives, jedenfalls war es ihr Ziel eines Tages eine Priesterin zu werden.
Die beiden kamen ins Gespräch und irgendwie weckte die junge Frau das Interesse von Viola, sie war anders als alle Leute die sich bisher Priester schimpften sie wirkte … völlig normal.
Ihre Art zu sprechen, ihr Verhalten all das war so ungezwungen und sie versuchte nicht einmal Viola etwas aufzudrängen, im Gegenteil, sie schien etwas in Eile aber Viola war interessiert. Gerade nach dem Gespräch vor einiger zeit mit Darna über Temora hatte sie nun mehr erfahren wollen und Kyra gab ihr das Versprechen sie später nochmal zu treffen.
Gesagt, getan. Sie trafen sich in der Schenke Bajards und Kyra beantwortete Viola alle Fragen die ihr auf der Zunge lagen. All die Skepsis die sie den Göttern gegenüber hatte wurde der Eluivegläubigen entgegengeworfen und sie wusste darauf zu antworten. Das Leben in der Straße, all der harte Überlebenskampf … „Eine Prüfung.“ Und wieso dann solch eine harte und leidenserfüllte Probe? „Wäre sie zu einfach gewesen, wäre es dann eine Probe? Stell dir vor die Heerscharen Alatars überfielen Varuna und zünden alles an, kein Platz zum Leben, aber du würdest zurechtkommen, denn dich hat diese Prüfung stark gemacht.“ Worte die so logisch, so einfach klangen, keine komplizierten Tugenden oder Regeln, sie verstand alles auf Anhieb.
Und auch wenn sie bei dem einen oder anderen Punkt länger nachdachte, so war ihr Wissensdurst geweckt.
Sie hing förmlich an Kyras Lippen, welche ihr aber bei Weitem nicht so viel sagen konnte wie sie gerne wollte. „Letztendlich bin ich noch keine Priesterin und habe selbst noch viel zu lernen …“, doch was Viola gehört hatte, das hatte ihr nicht missfallen.
Eher im Gegenteil; der Weg Eluives schien ganz ähnlich ihren Gedanken: Leben in Frieden und nur der Kampf wenn es darum ging jenen zu helfen die ihre Hilfe brauchten. Was ihr anfangs weniger gefiel war die Tatsache dass Kyra sagte einem jeden, gleich wem sei Hilfe gewährt, denn in jedem stecke ein Funken Licht. Der Gedanke einen Alatari am Leben zu lassen und ihm vielleicht auch noch zu helfen wenn er schwer verletzt war, behagte ihr nicht, aber auch hier gab Kyra Antworten die wenigstens den groben Zweifel wegräumten.
Sie hatten sich letztendlich voneinander getrennt und Viola hatte dem Treffen mit einem Lächeln nachgesehen. Sie würde Kyra wiedersehen und dann sicher mehr erfahren, sie würde Eluive und ihre Wege nicht aus den Augen verlieren. Zum ersten mal schien ihr wenigstens eine Gottheit nahe zu stehen und sie konnte ihre Wege nachvollziehen. Vielleicht war es ein erster Schritt in eine Richtung die sie sich niemals vorgestellt hätte.
Aber in den letzten Tagen passierten so oder so zu viel Dinge die sie sich nie hätte vorstellen können.