Der Bardins Macht Part I
Es war dämmernder Morgen und die Wälder Gerimors lagen friedlich da. Die Tiere schienen entweder noch zu schlafen oder gewohnten Tageslauf nachzugehen, alles schien so wie immer und doch war etwas anders, denn eine Gestalt schlenderte ruhig durch die Wälder. Ihre Blicke streiften ruhig umher, die Sonne ging gerade auf und es war die ideale Zeit für ihren Versuch, einen Versuch den sie tagsüber nicht ohne irgendwelche Störungen hätte durchführen können. Sie blickte sich wieder kurz um und fand nun endlich die passende Stelle, eine kleine Lichtung mitten in den Wäldern. Sie kniete sich schweigend hin und legte ihren Rucksack vor sich ab, kramte in aller Ruhe in dem zerfledderten und lumpigen Rucksack umher und zog dann ihre Laute hervor.
Fast liebevoll strich sie über diese und setzte die Finger an die Saiten an. Ein tiefes Durchatmen folgte, es würde eine recht anstrengende Sache werden aber wenn es gelingen würde, hatte sie einen mehr als großen Schritt getan.
Die Finger begannen nun ruhig an den Saiten zu zupfen, sie wollte sich etwas einspielen und außerdem die Tiere auf sich aufmerksam machen, wenn sie wussten dass etwas in der Nähe würde es noch um einiges leichter werden als geplant. Eher Zusammenhanglos waren die Töne die sie spielte ehe sie inne hielt. Vor ihrem geistigen Auge rief sie sich nun wieder die Noten hervor und ein letzter kurzer Blick in ein mitgenommenes Notizbuch welches sie bei sich führte, bestätigte sie; es war nun an der Zeit das Spiel zu beginnen.
Die Finger zupften nun wieder an den Saiten, doch diesesmal an ganz bestimmten Stellen. Lange hatte sie diese Griffe geübt doch das war nicht der Hauptteil, nein es war die Kunst die Saiten in der richtigen Geschwindigkeit zu zupfen. Die Töne vermischten sich langsam immer mehr zu einer sanften und ruhigen Melodie und dann spürte sie es, etwas geschah. Trisha konnte sich nicht erklären was genau passierte aber der Effekt war der Erwünschte, aus den nahen Wäldchen hörte sie ein Trappeln, Blätter raschelten und andere Geräusche kamen näher. Die Bardin ließ sich keine Sekunde beirren, spielte weiter und dann sah sie das erste Tier.
Ein Reh schritt auf sie zu, ganz nah an sie heran, es folgte ein Hase der aus dem Unterholz hüpfte und dann schielte sie hoch als ein paar Vögel angeflogen kamen. Trisha lächelte breit, die Tiere, sie standen vor ihr und sahen zu ihr hinauf, völlig ruhig. Sie schritt etwas zurück, langsam damit sie das Spiel nicht unterbrechen musste und die Tiere folgten! Sie folgten ihr auf Schritt und Tritt, und auch wenn die aufkeimende Freude ihr fast die Konzentration zu rauben drohte, hielt sie das Spiel weiterhin aufrecht. Noch ein Schritt, die Tiere folgten, ein weiterer, sie folgten und es kam sogar noch ein Reh dazu. Sie konnte es nicht unterdrücken, plötzlich musste sie auflachen und dann war der Bann gebrochen, die Tiere schüttelten sich und rannten schnell in alle Winde, die lachende Bardin blieb zurück.
Zufrieden saß sie nun auf der Lichtung und sah den Tieren nach. Das war es gewesen, die wahre Kraft der Musik. Wie hypnotisiert waren sie gewesen, nicht fähig anders zu handeln, nur ihren Klängen zu lauschen. Das Lachen verebbte langsam und ein zufriedenes Grinsen zeichnete sich ab. Dies war nur der erste Schritt, ein kleiner Schritt, aber ein wertvoller. Sie stellte sich die Möglichkeiten vor die sich auferlegten, die sich ihr anboten. Die Tiere hatten nicht einmal anders gekonnt, sie mussten folgen und hätte sie noch weiter gespielt hätte sie die Waldtiere vielleicht sogar bis nach Bajard oder ans Ende der Welt locken können, es galt nur die Konzentration zu halten.
Ein Affront gegen die Natur hätte manch einer gesagt, doch was konnte Trisha dafür dass sie langsam verstand, was diese alten Lieder alles für Möglichkeiten öffneten? Was konnte sie dafür dass diese Tiere so simpel gestrickt waren um ihr blind zu folgen? Sie würde dieses Lied nicht aus den Augen verlieren, sie würde alsbald einen neuen Versuch starten, sie würde einen Schritt weitergehen, die Melodie aufrecht erhalten, ihre Grenzen testen und die Tiere mit sich ziehen lassen.
Ein mehr als zufriedenes Lächeln zierte ihre Lippen als sie Richtung Bajard schritt. Ein kleiner Schritt vielleicht, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Weg den sie nun zufrieden beschritt, sie, die Herrin der Tiere. Sie kicherte kurz, ihr gefiel diese Bezeichnung irgendwie, sie hatte etwas.
Die Herrin der Tiere
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Trisha
Die Herrin der Tiere
Zuletzt geändert von Trisha am Donnerstag 6. September 2007, 19:21, insgesamt 1-mal geändert.