Trauer

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Anara von Hohenfels

Trauer

Beitrag von Anara von Hohenfels »

Es war nun schon über zwei Wochen her, dass Kelan von Falkenburg beigesetzt worden war.
Bruder Leon hatte eine stille Beisetzung gewünscht, kein Staatsbegräbnis, welches ihrem Großritter zugestanden hätte. Die Königin hatte diesen Wunsch respektiert, wusste sie doch nur zu gut, dass Kelan immer eher das Schlichte geliebt hatte und große Veranstaltungen stets gemieden, so es sich einrichten ließ.

Anara hatte am gestrigen Abend eine Wache gebeten, sie zu begleiten… natürlich in unauffälliger Kleidung, so wie sie auch selbst einen Umhang mit Kapuze getragen hatte, um nicht erkannt zu werden.
Im fliehenden Licht des Tages war sie an das Grab Kelan’s getreten und hatte eine Rose darauf gelegt. Still hatte sie dort verweilt, die Inschrift auf dem Stein betrachtet und sich einen Moment den Erinnerungen an ihren einstigen Geliebten hingegeben. Es war zwar nun schon lange her, doch war es eine glückliche Zeit mit ihm gewesen. Sie hatte ihn nicht in gleicher Weise geliebt, wie ihren ermordeten Gatten, doch seine Aufmerksamkeit und seine Zärtlichkeit genossen. Dass er ein Kind haben sollte, hatte sie nicht gewusst. Wann hatte er es wohl selbst erfahren? Die Mutter konnte doch nur jene junge Heilerin sein, die er unbedingt ehelichen wollte.
„Leb wohl, Kelan. Du wirst mir unvergessen bleiben“ flüsterte sie bewegt und wandte sich dann ab, um mit ihrem Begleiter unbemerkt ins Schloss ihres Bruders zurückzukehren.

Am nächsten Morgen wurde ein Schreiben mit dem Königlichen Siegel unter der Tür der Heilerin Angelina Hill hindurch geschoben.

„Werte Angelina,
Eure unermessliche Trauer um Euren zukünftigen Gatten zu lindern ist mir leider nicht gegeben. Jedoch möchte ich Euch mein Beileid aussprechen und Euch versichern, dass ich mit Euch fühle. Auch mein Gatte wurde ermordet und so kann ich Euch nachfühlen, wie unbeschreiblich der Verlust des geliebten Mannes ist, dem Ihr Euer Herz und Seele anvertraut habt.
Ich bete für Euch.
Möge unsere gütige Temora Euch trösten und Eure Trauer um den geliebten Mann in Dankbarkeit verwandeln für die Zeit, die Euch mit ihm gegeben war. Möget ihr gestärkt aus diesem Leid hervorgehen.

*Temora nimmt uns die Last des Lebens nicht ab, aber sie gibt die Kraft zum Tragen*

Ich grüsse Euch mit diesem Worte, und befehle Euch von ganzem Herzen der Liebe unserer gütigen Göttin an.

Anara von Hohenfels“
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