Die Sonnenstrahlen weckten ihn an diesem Morgen. Langsam rollte er sich zur Seite, wodurch der Arm, welcher dort auf ihm lang auf das Bett hinab rutschte, gefolgt von einem leisen, weiblichen seufzen. „Zieh dich an und dann verschwinde.“ sprach er kalten Tonfalls zu dem vollbusigen Weibe, das dort auf seinem Bett lag, während er sein Jacket langsam zu knöpfte.
Als er heraustrat regnete es. Er schöpfte Wasser aus dem Brunnen und goss es aus dem Schöpfeimer in eine größere Schüssel, in welche er sogleich den Kopf eintauchte und so einige Sekunden in dem eiskalten Wasser verharrte, bis er ihn mit einem Ruck herauszog.
Er wrang das Haar aus und schloss es zu einem Zopf, ehe er sich nun Hose und Stiefel anzog, den Umhang über warf und das gescheidete Schwert von der Wand nahm.
Bevor er so das Haus nun endgültig verließ, sank er kurz auf ein Knie, schloss die Augen und schickte ein Stoßgebet zum Herrn, ehe er sich wieder erhob und die Tür hinter sich ins Schloss knallte. Noch immer regnete es und etwas Nebel hatte sich gebildet. Umso näher er dem Stadtzentrum kam, desto lauter wurde der allgemeine Geräuschpegel. Die Marktweiber trugen ihre, mit allerhand Waren gefüllten Körbe zum Platz, sich über ihre nachlässigen Ehemänner auslassend, untermalt von Hammerschlägen, und Tierlärm.
„Seinen Segen Diplomat Blutfaust!“ grüßte ihn eine Gruppe ihm entgegen kommender Handwerker, ehe er das Haupt tief im Respekt vor einer Templerin neigte, die nun seinen Weg kreuzte. Zielstrebig bewegte er sich auf den Palast des Alka zu. Dort angekommen grüßte er Cester, den Secretarius, mit einer höflichen Geste, ehe er zusammen mit diesem einen größeren Saal betrat, in dessen Mitte ein massiver Steintisch tronte, umgeben von Bücherregalen. „Was gibt es neues Cester? Bedarf seine Heiligkeit meiner Dienste?“, „nicht direkt...“ erwiderte Cester. „Doch gibt es einige Schreiben, denen ihr euch widmen könnt.“, „Wie eilig?“ fragte Scartyz, „nicht sonderlich...“ erwiderte Cester „es sollte reichen wenn sie binnen der nächsten zwei Tagesläufe mit eurer Aufmerksamkeit gewürdigt würden.“. Nun nickte Scartyz. „Gut. Ich hatte vor mich widereinmal dem Kampfe zu widmen, zu lange ist es her. Wie sagt man.. wer rastet der rostet?“, „So sagt man.“ bestätigte Cester trocken.
Nahe den schlammigen Übungsfeldern Rahals war schnell eine Gruppe aus drei jungen Kriegern gefunden, die sich bereit erklärten Scartyz für dessen Training als Gegenspieler zu agieren und so schlugen die Klingen der Viere aufeinander, während sie verschiedene Angriffs- und Abwehrformen durchliefen und wiederholten. Hart und Rücksichtslos stritten sie. Jeder Fehler wurde sofort mit schmerzenden Hieben bestraft. „Keine Gnade, keine Nachsicht. Das gilt für mich wie für euch!“ hatte Scartyz sie gleich zu Anfang ermahnt „Wir sind hier nicht in Varuna, passt auf eure Glieder auf, sonst sind sie ab!“. So verstrichen die Stunden und als sie sich erschöpft und Schweiss gebadet widerfanden, dämmerte es bereits.
Nass, verdreckt und müde, das Schwert über die Schulter gelegt, humpelte er zum Badehaus, wo er sich, nachdem er alle Kleidung abgeworfen hatte, in eine dampfende Wanne begab, und zum ersten Mal an diesem Tage halbwegs entspannt die Augen schloss. Der Kampf, die Anstrengung, der Nervenkitzel, er sehnte sich danach. Hin- und hergereissen zwischen Feder und Klinge, das war seine Welt. Schließlich kehrte er zum Palast zurück. Das Petrolium, in das der Kopf seiner Fackel getaucht war tropfte bei jedem Schritt wie brennendes Wasser zu Boden. Cester hatte nicht zuviel versprochen. Er hatte einiges an Schreibarbeit zu verrichten. Hier galt es keine Fehler zu machen und stets den Wünschen des Alka entsprechend zu agieren und formulieren. Sich die Stirn reibend zückte er den Federkiel und machte sich ans Werk, bis in die frühen Morgen Stunden, ehe er über seiner Arbeit einschlief.