Stabweihe

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Alindra de Feruin

Stabweihe

Beitrag von Alindra de Feruin »

Die Nacht über Varuna ist dunkel und stinkig. Die Luft schien fast nur so in den Mauern der Stadt zu stehen, in der gerade eine schlimme Seuche tobt. Man munkelte hier und da, dass es sich um eine speziellere Form der Lungenpest handle, doch die frische Candidata kann selbst auch nur mutmaßen. Gerade eben hat Alindra Feruin ihre Prüfung bestanden und ist somit zum Hauptstudium der Magie am Konvent des Phönix zugelassen. Doch nun hat sie schon eine neue große Aufgabe zu bewältigen. Es gilt einen Magierstab - das Symbol seiner Macht und des Standes - herzustellen. Er wird erst brechen, wenn auch die Kraft und der Einfluss des Magiers gebrochen werden. Darüber hinaus dient er als Fokus und half beim Einstimmen auf das Lied Eluives, sowie auch das Eingreifen darin. Er wird ihre Seele tragen und untrennbar mit ihr verbunden sein. Er ist das Werkzeug um sie durch die dunklen Nebel der Magie zu leiten und diese zu beleuchten und zu lichten. Die rechte Waffe der erwählten Geister um gegen die dunklen Mächte zu kämpfen.
Der Entschluss ist klar. Sie versorgte die Kranken einige Stunden lang mit frischen Wasser und Nahrung, sammelte ebenso Kräuter für die Heilerinnen, die ständig unterwegs waren. Jetzt ist es jedoch an der Zeit die Stadt zu verlassen um sich auf die Suche nach den passenden Materialien zu begeben. Aus diesem Zwecke ist es nötig sich gründlich von einem Heiler oder einer Heilerin zu untersuchen lassen. Auch das lässt sie geduldig über sich ergehen und bekommt schließlich die Erlaubnis Varuna zu verlassen.
Alindra schlenderte darauf hin gedankenversunken durch den Wald. „Welches Material soll ich nur für den Stab an sich nehmen. Holz das ist sicher. Doch welches Holz ist geeignet? Davon verstehe ich leider nicht sonderlich viel, es gilt also jemanden zu finden, der sein Handwerk meisterlich beherrscht und mir bei der Fertigung des Stabes helfen kann. Eine Idee für die Spitze habe ich schon.“ Die junge Cadidata nickt sich zufrieden zu und lenkt die Schritte weiter den Weg entlang. Um sie herum war es still. Während der ruhigen und erholsamen Reise zu Fuß klart ihr Verstand immer mehr auf und ein Bild von dem Stab entsteht deutlich in ihrem Kopf, als könnte sie danach greifen. Es wird immer deutlicher - Ein zufriedes Lächeln ziert nun mehr ihre Züge. Der Wind um sie herum spielt verträumt in den Wäldern und bringt das Laubwerk zu rascheln. Verträumt lauschte Alindra den Klängen der Natur – Ihre Füße tragen sie zu dem Tischler, der ihr sicher helfen kann. Nach einem mehr oder weniger lange Fußmarsch erreicht sie schließlich die Werkstädte Falco Pendris.
„Was kann ich für euch tun, junge Dame?“, spricht der Meister seines Handwerks trotz der späten Stunde freundlich und mustert sie nicht ohne eine gewisse Spur Skepsis im Blicke.
„Ich bin auf der Suche nach einem Stab. Oder eher genauer dem Stab schlechthin. Ich habe ihn schon genau vor Augen. Dunkel und robust muss er sein, aber doch noch beständig gegen Stöße, also ein wenig elastisch. Wisst ihr, es soll für meinen Magierstab sein.“
„Eine Ehre, dass ihr mich aus diesem Zwecke aufsucht und ich denke dabei kann ich euch durchaus weiterhelfen, Frau Feruin. Ich glaube ich habe genau das was ihr sucht.“ Mit diesen Worten verschwindet der junge Tischler auch schon im Warenlager und man hört es dort einige Momente stöbern. Die Geräusche von Holz das auf einander gelegt wird ertönt charakteristisch. Nur wenige Momente später betritt er den Raum wieder. Unter dem Arm trägt er ein Bündel von verschiedensten Stabrohlingen. Falco breitet jeden einzeln vorsichtig vor sich auf dem Tisch aus und macht eine einladende Geste. Alindra schreitet zum Tisch hinüber und beschaut sich die Hölzer genau, bis der Blick auf einen Rohling von recht dunkler Holzart fällt. Sie beschaut ihn sich genauer, wobei sie äußerst zufrieden lächelt.
„Genau das hier ist es. Dieses Holz habe ich vor meinen Augen gesehen.“, Die Finger gleiten über das noch raue Holz. Die Worte klingend fast geflüstert und andächtig.
„Eine gute Wahl. Das ist Eschenholz. Äußerst robust, aber anfällig gegen Witterung. Wenn ich es bearbeite und versiegle ist das jedoch kein Problem, doch es wird noch ein wenig dunkler werden.“, erklärt der Tischler geduldig und packt währenddessen die anderen Stäbe schon einmal ein. „Wie hättet ihr ihn denn gerne?“
„Nun also. Von der Größe und Dicke an meinen Körper angepasst versteht sich. Alles sollte für ein verstärktes Ende und die Spitze vorbereitet werden. Doch dafür muss ich wohl einen Feinschmied aufsuchen, nicht?“
„Ja. Wenn ihr wollt kann ich euch den Stab soweit gänzlich vorbereiten, doch müsst ihr euch geduldig. Ihr könnt gerne hier warten.“
Alindra bejaht schlicht und sucht sich einen Platz in der Werkstätte, während Falco geschäftig und gekonnt Hand an den Stab anlegt. Es mag einige Zeit in Anspruch nehmen, doch versinkt die junge Candidata schon wieder in Gedanken. Die Spitze des Stabes schwebt ihr auch schon sehr genau vor. Wieder als sei sie zum greifen nahe. Als ihr Onkel, selbst ein alter grauer Magier, erfuhr, dass Alindra ihre Inauguration bewältigt hat, ließ er ihr ein kleines Päckchen zukommen. Dick eingewickelt und wohl behütet lag darin ein rund geschliffener Sodalith, sowie ein Brief mit beglückwünschenden Worten. Er sprach davon, dass dieser Stein für sie wohl sehr gut geeignet sei. Er bringt den Musikern und Künstlern Inspiration und bringt sie in Einklang. Bei der Magie ist es nicht viel anders. Auch sie ist auf der einen Seite Kunst. Auf der anderen, der wissenschaftlichen Seite kommt der Sodalith ihr auch entgegen. Er unterstützt das logische Denken, klärt den Verstand auf und stärkt das dritte Auge, ihr Gespür für das Lied. Seine Grundfarbe ist tiefschwarz, vermischt mit blau und weißen Schlieren, die ihn wie Blitze umhüllen. Sie scheinen ihn komplett zu durchziehen und umschließen, fast gefangen zu halten. Wie bei der Magie durchdringen sie das Dunkel des Nebels und sorgen für Phanodains Erkenntnis und Weisheit.
„So. Euer Stab ist fertig, zumindest soweit wie ich euch helfen kann.“, durchdringt die Stimme des Meisterhandwerkers ihre Gedanken und lässt sie aufschrecken.
Gold und der unfertige Stab wechselten die Besitzer. Alindra befindet sich bereits wieder auf der Reise. Diesmal führen die Füße sie zu der zweiten Person an diesem Abend, die ihr bei der Aufgabe zur Hand gehen sollte. Nun kam es darauf an die Verzierungen und Runen aus alten Tagen an dem Stab anzubringen, sowie eine Fassung für den Sodalith herzustellen, in dem er sicher sitzt. Ebenso muss der Stab noch an verschiedenen Stellen, vor allem dem Ende, verstärkt werden. Dafür kam für die junge Konventsmagierin nur eine Person in Frage.
„Was kann ich für dich tun, Alindra?“, dringtdie angenehme Stimme Andreana Steinschmelzes durch die Nacht. Noch deutlich ist die Müdigkeit in ihrer Stimme zu hören, „Es ist selten, dass jemand so tief in der Nacht hier vorbei sieht. Aber gut, ich war ohnehin gerade noch bei der Arbeit.“ Die Feinschmiedin winkt ihren späten Besucher resigniert hinein und bietet ihr einen Stuhl an.
„Ich benötige deine Künste für etwas ganz besonderes…“
So vergehen auch hier wieder die Stunden, während die Meisterschmiedin geschäftig das Silber verarbeitet. Alindra wusste genau, dass es helles Silber sein muss. Zusammen mit dem schwarzen Holz bildet es einen herrlichen Kontrast. Licht und Schatten – Ganz im Sinne des Konvents sollte es sein. Außerdem ist das Silber rein und nicht zufällig hat es auch die Wirkung den Untoten zu schaden. Diamantstahl wäre sicherlich noch ein wenig härter, doch ist es zu dunkel und stumpf. Immer wieder hört man die feinen Hammerschläge unter Aufsicht der jungen Candidata, damit ja alles so wird, wie sie es vor ihrem geistigen Auge hat. Die Fassung für den Sodalith, sollte etwa über die Hälfte des Steines, rund wie das Symbol des Liedes an sich, gehen und ihn sicher halten. In dünner werdenden geschwungenen Linien ich umschlingen. Darunter ist ein gut eine Handbreite breites Stück, wo der Stab fast durchgehend beschlagen und verstärkt ist, auf dem hauch fein eingeprägt drei Pentagramme rund herum gehen und ebenso schlängelnd wie der Rest verziert sind. Die Linien führen weiter hinab und setzen sich im schwarzen Holz als Silberprägung, die leicht in den Stab hinein geht, fort. Hier sind die alten Runen und Symbole für die Elemente zu finden, die je gegenübergelegen an den Seiten des Stabes hinab gehen, ganz symmetrisch. So folgen hübsch, durch die Verschnörkelungen unterbrochen, setzen sich weitere alte Runen nach unten fort. Das untere Ende ist gut zwei Handbereiten mit Silber verstärkt und in ebenso kleiner und meisterlicher Feinarbeit verziert. Während der Fertigung kommen immer wieder neue Ideen von Alindra und sie wirkt innerlich zufrieden und glücklich über das Werk. Endlich ist er fertig und wird von ihr in die Hand genommen. Er fühlt sich gut an, eben wie für sie gemacht. Dreht und wendet ihn kurz und nickt zufrieden. Großzügig entlohnt die Konventsmagierin die Arbeit Andreanas und verlässt sie voll Tatendrang. Jetzt musste der Stab noch geweiht werden – Der Schritt von dem sie am wenigsten eine klare Ahnung hatte, wie es von sich gehen soll. Aber der Ort wo dies geschehen muss war klar.
Mit einem breiten Lächeln tritt sie über die Schwelle des Konventgebäudes und begrüßt den Verwalter höflich. Der Blick des ehrwürdigen Mannes fällt ohne großes Zögern auf den Stab in den Händen der jungen Candidata und ein verstehendes Nicken geht von ihm aus. Ohne dass sie lange bitten und überreden muss gewährt er ihr den Zutritt zum Kellerraum. An den Wänden stehen noch immer die Stuhlreihen, auf denen die drei Magister sie vor nicht nicht einmal einem Tag noch mit Fragen gelöchert haben. Ihre Inauguration spielt sich noch mal in ihrem Kopf ab. Sie wurde über das Pentagramm ausgefragt, das hier exakt am Boden eingezeichnet ist. Genau das war es. Dieses möchstigste Symbol sollte ihr bei der Stabweihe helfen und die Kräfte unterstützen. Fast schon geistesabwesend entzündet sie die Kerzen. Ob es an dem Ort liegt, dass sie schon jetzt auf das Lied so sehr besinnt ist oder eine unsichtbare Hand ihre Gesten und Gedanken führt, weiß sie nicht. Nachdem alle Kerzen brennen stellt sie sich in die Mitte des Pentagramms, wo sich alle Linien und auch die Kräfte kreuzen. Ihre zarten Hände umfassen den noch kraftlosen Stab mit beiden Händen fest. Die Augenlider schließen sich wie von selbst. Alindra Feruin atmet einige male tief und entspannt durch um sich ganz auf das Lied der Schöpferin ein zu stimmen und den Raum mit allen Gegenständen wahrzunehmen. Schließlich eröffnen sich vor ihr die Melodien und verschiedensten Klänge. Ein Klang mag dabei recht ungewohnt und neu sein. Es ist der ihres Stabes, der noch nicht ganz fertig ist. Sie versucht sich geistig auf ihn zu besinnen, in ihn einzudringen, eins mit ihm zu werden. Ein wärmendes Gefühl durchströmt vom Stab ausgehend ihren Körper. Der Vorgang erfordert von ihr nicht wenig Kraft und doch löst sie sich als es endlich gelingt, oder zumindest glaubt sie, dass es gelingt, wieder von ihm. Die wärmende Empfindung bleibt für wenige Lidschläge zurück. Sie musste es fünf Mal tun, dies war ihr nun klar. Einmal für jedes Element und abschließend für Eluives Lied an sich. Beim zweiten mal, als sie mit dem Stab eins werden will und sich auf ihn besinnt, durchfährt ein frisches Gefühl ausgehend vom Stab ihren Körper. Es ist als würde eine Sommerbrise um ihren Körper wehen. Sie genießt das Gefühl kurz aber löst sich auch nun wieder. Ihr fällt dabei gar nicht auf, dass mittlerweile die beiden Symbole für Feuer und Luft schon magisch weiss aufglimmen. Beim dritten Mal scheint sie mit der Erde zu verwurzeln und im Stand, sowie geistig, gekräftigt. Die Rune für das Element Erde glimmt wie die anderen auf. Schon folgt das vierte Mal. Ein Gefühl von Zeit hat die Candidata schon lange nicht mehr, doch dieses Mal empfindet sie das Element Wasser ausgehend vom Stab deutlicher – Die entsprechende Rune entflammt. Als letztes und fünftes möchte sie sich auf das Lied an sich besinnen und ihre Seele eins mit dem Stab werden lassen, einen Teil davon regelrecht in ihn übergehen lassen. Dieser Schritt zehrt noch mehr an ihren Kräften. Mit einem Mal leuchten die restlichen Runen des Stabes hell auf, tauchen den Raum und die Magierin in ein weißes Licht. Der Stab in den Händen beginnt vor Kraft zu vibrieren. Wenige Augenblicke wird es immer heftiger, bis Ruhe einkehrt und auch das magische Leuchten nach und nach weicht. Die Linien, die wie Blitzgeflechte den schwarzen Sodalith umschlingen glimmen noch eine Weile, als würde eine Lichtquelle darin eingebettet sein. Alindra Feruin öffnet die Augen und sieht zufrieden auf den Stab. Sie wusste, dass ihr Magierstab nun vollendet ist…
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