Da stand sie nun, Marmelade auf der Wange den Mann vor sich überaus intensiv ansehend. Wie bei allen Göttern hatte es dazu kommen können? Sie verzehrten sich nacheinander und gleichsam waren sie einander so fern wie es Liebende nur sein konnten. Ein jeder lebte in seiner Welt. Hatte versucht sich in der Welt des Anderen zurecht zu finden und war gescheitert. Was für eine Nacht. Der Abend hatte ungewöhnlich begonnen und durchaus neugierig hatte sie die junge Dame gemustert jene man ihr vorgestellt hatte. Schneiderin wollte sie also werden? Harchja, sie dachte an Teira zurück und wollte schon ablehnen als ihr eine andere Möglichkeit einfiel. Vielleicht hatte sie nicht die nötige Zeit sich um einen Lehrling zu kümmern der Handwerksbund allerdings hatte sie. Die entsprechenden Vorschläge wurden gemacht und sie brachte das junge Ding nach Rahal.
Schon war die Stadt nicht mehr so furchteinflößend wie die letzten Male und zum Bund fand sie rasch, den Weg hatte sie ja nun schon öfters beschritten. Neugierig huschte der Blick durch alle Gassen, viel zu sorglos läutete sie die Glocke an der Türe. Natürlich hatte genau die Richtige ihnen geöffnet und mit einem breiten Lächeln erklärte sie Alexa warum sie hier war und wen sie da mitbrachte. Kurz bevor sie jedoch im Inneren des Hauses verschwinden konnten klangen von der Seite her Schritte auf. Nachtschwarze, seidige Gewandung deren perfekte Beschaffenheit selbst ihr Achtung abforderte - gepaart mit einer stolzen, erhabenen Haltung die sie lediglich vermuten ließ wen sie da vor sich hatte. Zu wenig kannte sie sich mit Stützen und Sitten der Stadt aus doch bestätigte Alexa's Verhalten die Annahme und wenngleich sie ihn überaus faszinierend fand wurde sie befangen. Mit hohen Menschen hatte sie ungern zu tun. Meist waren sie überheblich, selbstherrlich und in gewissen Dingen überaus unangenehm. Manche gaben sich freundlich, gütig nur um dann wieder in ihren Kreisen zu 'verschwinden'. Da waren ihr 'einfache' Menschen um ein vielfaches lieber, gleichsam verlässlicher. Was folgte war jedoch überraschend. Alexa wurde tatsächlich ein hohes Amt übertragen und nachdem er sich endlich wieder abgewandt hatte wirbelte sie nur so auf die Freundin zu. Ihre Hände greifend gratulierte sie überschwänglich und dann fand man endlich den Weg in das Haus.
Der Abend zog sich fort und erst Stunden später brach sie auf die junge Schneiderin bei Alexa und Lucien zurück lassend. Warum auch nicht? Sie war dort gut aufgehoben und würde den Weg zur Kutsche schon gezeigt bekommen. Bevor man allerdings die Stadt verlassen konnte traf sie 2 überaus faszinierende Damen. Kinder des Herrn, ruhig, klein und überaus geheimnisvoll. Sie trat näher, noch kam ihr die gängige Grußfloskel die gleichsam so einiges bekundete nicht über die Lippen. Doch ein deutliches Nicken und nicht wenige Blicke wurden den Beiden zuteil. Eines der Wesen erhob die Stimme und einen Lidschlag später prallte sie zurück. In den Tiefen ihres Wesens wurde etwas angerührt das sie bislang noch nie so intensiv zu spüren bekommen hatte. Hass, Schmerz und gleichsam diese unbändige Wut mit der man gegen alles angehen wollte. Als sie jedoch schwieg ebbte es ab. Was blieb war der Schmerz doch verflog er je mehr die Neugierde wieder überwog. Spielerisches Geplänkel dem sie nicht viel entgegen zu setzen hatte folgte. Weisen vernebelten ihr die Sinne jene sie aus menschlicher Hand noch nicht gehört hatte und später hätte sie nicht sagen können worüber man gesprochen hatte. Die letzte klare Erinnerung beinhaltete die Kutschenfahrt zum Wegkreuz.
Zu Hause angekommen war man zu dritt beisammen gesessen ehe Antarian kam und die Thematik nach geraumer Zeit langsam aber sicher brenzlig wurde. Niemals hätte er gebilligt wo sie sich aufgehalten hatte, wie sie sich in manchen Situationen gegeben hatte und noch immer war ihr seine Meinung wichtig. Tja, und wie hatte es geendet? Marmelade, überall – auf seiner Nase, auf ihrer Wange an ihren Kleidern das klebrige Zeug war nahezu überall verschmiert nachdem sie lange genug herumgealbert hatten. In jenem Momente schienen alle Gedanken und Sorgen nichtig. Am nächsten Morgen jedoch kam die Ernüchterung. Sie wurde wie eine Fremde behandelt und in den Tiefen ihres Herzens wusste sie das es ihm nicht einmal bewusst war. Doch begann die Saat zu keimen, man hatte sie das Hassen gelernt. Würde sie ihn hassen weil sie einander nicht lieben konnten oder gab es Hoffnung? Doch vorerst hielten andere Dinge sie gefangen. Was hatte die Lethra gesagt? Sie hatte zugestimmt, doch was war es gewesen?
Der Hass im Herzen
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Leana Leador
Zweifel – der zweite Schritt
Wie ein kühler Schleier legte sich der Abendwind über ihre schmalen Schultern. Der Schritt jedoch war ausgreifend und durchaus sicher. Selbst in der Nacht fand sie sich wunderbar zurecht. Angst, hatte sie kaum. Was sollte auch groß passieren? Überall wohnten ihr bekannte Menschen und wäre tatsächlich jemand aus dem Schatten getreten hätte sie schlichtweg laut geschrien. So aber geschah nichts dergleichen und sie betrat die Taverne. Wie immer wurde ein süßer, dunkler Wein bestellt dessen Glas sie um ein Haar zerquetscht hätte als sie erkannte wer da so eben vor sie getreten war. Onyxfarbene Haare die ein schmales Gesicht mit hohen Wangenknochen einrahmten. Gleichsam diese geheimnisvollen Augen die einen fast so sehr wie ihre Stimme in den Bann zog.
Nachdem die Lethra sie gebeten hatte Platz zu nehmen zögerte sie nur einen Moment. Warum sollte sie nicht, es wäre schlichtweg unhöflich gewesen. Scharf war der Blick des Wirtes und vermutlich würde er entsprechend 'goschen' wie man so schön sagte. Es war ihr gleich, die Neugierde siegte und was ihr eröffnet wurde war wahrlich nicht uninteressant. Geschichte, Politik – kaum etwas war ihr bekannt. Immer hatte man sie herausgehalten um sie nicht in 'Gefahr' zu stürzen und nun..? Wie hatte das goldene Volk solch einen Verrat begehen können? Diese sanften, bezaubernden Wesen jene sie nur wenige Male im Theater hatte bewundern können – wie..? Doch würde dieses blaue Geschöpft hier lügen? Sie schien so aufrichtig, die Stimme wie ein perfektes Instrument eingesetzt hielt einen gefangen und wahrlich, sie gab sich Mühe.
Gar nicht genug konnte sie von der Erzählung haben wenngleich der Inhalt schockierend doch überaus eröffnend war. Warum hatte sie dies noch nie gehört, wie konnten die Menschen an ihren Grundsätzen festhalten so sie auf einer solchen Lüge basierten? Innerlich war sie aufgebracht, wütend und gleichsam beschämt über das was die Vergangenheit barg. Kein wunder das sich manche Menschen so... herablassend gaben, so unzugänglich und verlogen das es eine wahre Seltenheit war einmal hinter den Schleier zu sehen. Warum trug man überhaupt einen Schleier so das darunter oftmals noch viel schlimmer war? Sie musste hier fort. Jedes Wort vergiftete ihre Seele, ließ sie bis in die Tiefen ihres Herzens erschüttern. Konnte dies wahr sein? Nun war die Lethra an der Reihe zu fragen doch ihre Fragen hatten es in sich. Ein jede hob gewisse Schwächen nochmals hervor. Machte überdeutlich wo die Fehler lagen und ließen sie mehr als nur zweifeln.
Der Zweifel nährt den Hass. Doch was passiert mit dem Hass so er in den Tiefen seiner Selbst ruht? Es nagte an ihr, zehrte sie aus und machte klar das sie mehr erfahren musste. Die Fliege war der kleinen, blauen Spinne ins Netz gegangen. Doch wo würde sie enden? Beute oder Spielzeug? Noch schien alles so ungewiss doch nährten die Zweifel die gekeimte Saat. Wann würde sie wachsen und gedeihen?
Wie ein kühler Schleier legte sich der Abendwind über ihre schmalen Schultern. Der Schritt jedoch war ausgreifend und durchaus sicher. Selbst in der Nacht fand sie sich wunderbar zurecht. Angst, hatte sie kaum. Was sollte auch groß passieren? Überall wohnten ihr bekannte Menschen und wäre tatsächlich jemand aus dem Schatten getreten hätte sie schlichtweg laut geschrien. So aber geschah nichts dergleichen und sie betrat die Taverne. Wie immer wurde ein süßer, dunkler Wein bestellt dessen Glas sie um ein Haar zerquetscht hätte als sie erkannte wer da so eben vor sie getreten war. Onyxfarbene Haare die ein schmales Gesicht mit hohen Wangenknochen einrahmten. Gleichsam diese geheimnisvollen Augen die einen fast so sehr wie ihre Stimme in den Bann zog.
Nachdem die Lethra sie gebeten hatte Platz zu nehmen zögerte sie nur einen Moment. Warum sollte sie nicht, es wäre schlichtweg unhöflich gewesen. Scharf war der Blick des Wirtes und vermutlich würde er entsprechend 'goschen' wie man so schön sagte. Es war ihr gleich, die Neugierde siegte und was ihr eröffnet wurde war wahrlich nicht uninteressant. Geschichte, Politik – kaum etwas war ihr bekannt. Immer hatte man sie herausgehalten um sie nicht in 'Gefahr' zu stürzen und nun..? Wie hatte das goldene Volk solch einen Verrat begehen können? Diese sanften, bezaubernden Wesen jene sie nur wenige Male im Theater hatte bewundern können – wie..? Doch würde dieses blaue Geschöpft hier lügen? Sie schien so aufrichtig, die Stimme wie ein perfektes Instrument eingesetzt hielt einen gefangen und wahrlich, sie gab sich Mühe.
Gar nicht genug konnte sie von der Erzählung haben wenngleich der Inhalt schockierend doch überaus eröffnend war. Warum hatte sie dies noch nie gehört, wie konnten die Menschen an ihren Grundsätzen festhalten so sie auf einer solchen Lüge basierten? Innerlich war sie aufgebracht, wütend und gleichsam beschämt über das was die Vergangenheit barg. Kein wunder das sich manche Menschen so... herablassend gaben, so unzugänglich und verlogen das es eine wahre Seltenheit war einmal hinter den Schleier zu sehen. Warum trug man überhaupt einen Schleier so das darunter oftmals noch viel schlimmer war? Sie musste hier fort. Jedes Wort vergiftete ihre Seele, ließ sie bis in die Tiefen ihres Herzens erschüttern. Konnte dies wahr sein? Nun war die Lethra an der Reihe zu fragen doch ihre Fragen hatten es in sich. Ein jede hob gewisse Schwächen nochmals hervor. Machte überdeutlich wo die Fehler lagen und ließen sie mehr als nur zweifeln.
Der Zweifel nährt den Hass. Doch was passiert mit dem Hass so er in den Tiefen seiner Selbst ruht? Es nagte an ihr, zehrte sie aus und machte klar das sie mehr erfahren musste. Die Fliege war der kleinen, blauen Spinne ins Netz gegangen. Doch wo würde sie enden? Beute oder Spielzeug? Noch schien alles so ungewiss doch nährten die Zweifel die gekeimte Saat. Wann würde sie wachsen und gedeihen?
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Velvyr´tae
Neugierde
Die schwere Tür des Gasthofes knarrte, als die hinter jener Frau mit den verblüffend dunkelroten Haaren zugezogen wurde. Die Lethra - in perfekter Sichtlinie um diesen Abgang zu beobachten - hob den Kopf nicht. Viel zu faszinierend erschien der hölzerne Becher, den sie zwischen behandschuhten Fingern drehte und wendete, als wäre er wertvoll genug um die heilige Stadt zu kaufen.
Es war eine Vorsichtsmaßnahme, nicht mehr. Unerwartet war ihr diese Fliege ins Netz gegangen, und spazierte nun seelenruhig an den klebrigen Fäden entlang. Ob dem jungen Ding bewusst war, was sie ihr an diesem Abend erzählt hatte? Sie hatte eher den Eindruck gewonnen, ein Kind lausche mit naiver Gutgläubigkeit einer neuen und aufregenden Geschichte. Es war beinahe frustrierend einfach. Die Lethra war versucht, ihr neuestes Spielzeug zu hassen. Mit Widerstand, trotziger Verneinung der Wahrheit, selbst mit vorsichtigem Interesse hatte sie gerechnet. Aber mit dieser entrückten Miene, der tief gehenden Neugierde angesichts einer Erzählung, die ihr gesamtes Weltbild über den Haufen werfen sollte? Zu einfach.
Herausfordernder würde es werden, dem Rothaar die Mysterien Alatars näher zu bringen. Wie erklärte man einem Kind Hass, wie erklärte man ihm die daraus gewonnene Stärke?
Wieder wurde der Becher behutsam gedreht, als wäre er der Heilige Gral, die enthaltene Flüssigkeit ein Quell der Weisheit. Vielleicht gab es im Leben dieser Frau etwas, woran man ansetzen konnte. Jemanden..etwas. Das Trinkgefäß wurde abrupt abgesetzt, und die Finger tippten nun unruhig auf der Tischkante, während die Gedanken der Lethra wanderten. Sie hätte ihr folgen sollen, offen oder verborgen. Nur eine spontane Eingebung hatte sie daran gehindert, der Wunsch, diese Jagd nicht heute bereits zu beenden. Sie wollte nicht wissen wohin die Frau ging, wollte nicht wissen in wessen Haus sie schlief. Es hätte ihr Spiel rasch auf eine neue Ebene gehoben, und sie wollte diese seltene Gelegenheit auskosten, ihre Macht genießen. Unvernünftig.
Obwohl der Ärger über diesen Fehltritt kaum zu verhehlen war, blieb ihre Faszination aufrecht. Würde ihr Spielzeug von seiner Neugierde wieder angelockt werden, oder würde sein Umfeld sie einfangen und ihr Erwachen verhindern? Waren die Fäden verborgen genug befestigt, um ihr als Puppenspieler stetig steigende Kontrolle zu ermöglichen? Oder würde sich das Püppchen losreißen und die Flucht versuchen?
Tatsächlich, ein faszinierendes Spiel. Nicht so sehr die Möglichkeit, dem Einen eine weitere Dienerin zu überreichen. Nein, es war die Manipulation, die so sehr reizte. Und auch wenn ihr diese Frau bislang durch ihre Neugierde ein einfaches Ziel bot, warnte doch ein über Jahrzehnte sensibilisierter Sinn vor dem Temperament in den verborgenen Tiefen des Charakters. So naiv, so kindlich sie auch schien, dahinter war mehr verbogen. Und dieses „mehr“ konnte nützlich sein. Für Ihn, für Sein Ziel..und für die Puppenspielerin.
Die Lethra erhob sich, dem Wirt mit der flüchtigen Abschiedsgeste einen kleinen Beutel reichend. Er hatte schon mehr gesehen als eine solch harmlose Unterhaltung, doch es konnte nicht schaden sich seiner „Freundschaft“ zu versichern. Dann warf sie sich den schweren Kapuzenstoff über das tiefschwarze Haar, ihren Weg in die Nacht hinaus suchend. Ein sichernder Blick über die Schulter, vertraut gewordene Unruhe in einem Leben, dass niemals Sicherheit versprach. Niemand war zu sehen, und auch sie war nach wenigen Augenblicken nur mehr ein Schatten unter vielen.
Die Saat des freien Gedanken war ausgebracht. Man würde sehen, auf welchem Boden er gedieh.
Die schwere Tür des Gasthofes knarrte, als die hinter jener Frau mit den verblüffend dunkelroten Haaren zugezogen wurde. Die Lethra - in perfekter Sichtlinie um diesen Abgang zu beobachten - hob den Kopf nicht. Viel zu faszinierend erschien der hölzerne Becher, den sie zwischen behandschuhten Fingern drehte und wendete, als wäre er wertvoll genug um die heilige Stadt zu kaufen.
Es war eine Vorsichtsmaßnahme, nicht mehr. Unerwartet war ihr diese Fliege ins Netz gegangen, und spazierte nun seelenruhig an den klebrigen Fäden entlang. Ob dem jungen Ding bewusst war, was sie ihr an diesem Abend erzählt hatte? Sie hatte eher den Eindruck gewonnen, ein Kind lausche mit naiver Gutgläubigkeit einer neuen und aufregenden Geschichte. Es war beinahe frustrierend einfach. Die Lethra war versucht, ihr neuestes Spielzeug zu hassen. Mit Widerstand, trotziger Verneinung der Wahrheit, selbst mit vorsichtigem Interesse hatte sie gerechnet. Aber mit dieser entrückten Miene, der tief gehenden Neugierde angesichts einer Erzählung, die ihr gesamtes Weltbild über den Haufen werfen sollte? Zu einfach.
Herausfordernder würde es werden, dem Rothaar die Mysterien Alatars näher zu bringen. Wie erklärte man einem Kind Hass, wie erklärte man ihm die daraus gewonnene Stärke?
Wieder wurde der Becher behutsam gedreht, als wäre er der Heilige Gral, die enthaltene Flüssigkeit ein Quell der Weisheit. Vielleicht gab es im Leben dieser Frau etwas, woran man ansetzen konnte. Jemanden..etwas. Das Trinkgefäß wurde abrupt abgesetzt, und die Finger tippten nun unruhig auf der Tischkante, während die Gedanken der Lethra wanderten. Sie hätte ihr folgen sollen, offen oder verborgen. Nur eine spontane Eingebung hatte sie daran gehindert, der Wunsch, diese Jagd nicht heute bereits zu beenden. Sie wollte nicht wissen wohin die Frau ging, wollte nicht wissen in wessen Haus sie schlief. Es hätte ihr Spiel rasch auf eine neue Ebene gehoben, und sie wollte diese seltene Gelegenheit auskosten, ihre Macht genießen. Unvernünftig.
Obwohl der Ärger über diesen Fehltritt kaum zu verhehlen war, blieb ihre Faszination aufrecht. Würde ihr Spielzeug von seiner Neugierde wieder angelockt werden, oder würde sein Umfeld sie einfangen und ihr Erwachen verhindern? Waren die Fäden verborgen genug befestigt, um ihr als Puppenspieler stetig steigende Kontrolle zu ermöglichen? Oder würde sich das Püppchen losreißen und die Flucht versuchen?
Tatsächlich, ein faszinierendes Spiel. Nicht so sehr die Möglichkeit, dem Einen eine weitere Dienerin zu überreichen. Nein, es war die Manipulation, die so sehr reizte. Und auch wenn ihr diese Frau bislang durch ihre Neugierde ein einfaches Ziel bot, warnte doch ein über Jahrzehnte sensibilisierter Sinn vor dem Temperament in den verborgenen Tiefen des Charakters. So naiv, so kindlich sie auch schien, dahinter war mehr verbogen. Und dieses „mehr“ konnte nützlich sein. Für Ihn, für Sein Ziel..und für die Puppenspielerin.
Die Lethra erhob sich, dem Wirt mit der flüchtigen Abschiedsgeste einen kleinen Beutel reichend. Er hatte schon mehr gesehen als eine solch harmlose Unterhaltung, doch es konnte nicht schaden sich seiner „Freundschaft“ zu versichern. Dann warf sie sich den schweren Kapuzenstoff über das tiefschwarze Haar, ihren Weg in die Nacht hinaus suchend. Ein sichernder Blick über die Schulter, vertraut gewordene Unruhe in einem Leben, dass niemals Sicherheit versprach. Niemand war zu sehen, und auch sie war nach wenigen Augenblicken nur mehr ein Schatten unter vielen.
Die Saat des freien Gedanken war ausgebracht. Man würde sehen, auf welchem Boden er gedieh.