Nicht einmal dann, wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Schon gar nicht wenn das Herz gebrochen ist.
Und erst recht nicht, wenn man sich in dieser neuen Heimat verlassen und einsam fühlt, wenn man um Menschen, die einem lange durch das Leben begleitet haben, trauert. Und überhaupt nicht, wenn man einem Freund vertraut hat, und dieses Vertrauen missbraucht wurde.
Zweifel bedrängten sie in der Dunkelheit Varunas. Hatte sie richtig gehandelt. War es vielleicht falsch gewesen aus der Heimat zu fliehen, hierher. Alles war so friedlich jetzt und hier, vor allem des Nachts, und dennoch dieses Land war es keineswegs. Der Schein trügt. So viel Verzweiflung hauste hier so viel Verrat und so viele falsche Worte, die Hoffnungen vorgaukeln. So viel Trug und Schein. Und so viele Menschen gab es noch, die ihrer Hilfe bedurften. Wie diese weinende Frau am Wegesrand. Sie hat ihr Herz berührt. Ein Herz, das selber Zuspruch brauchte und zutiefst verletzt war. Aber was bedeutet schon das eigene Herz, wenn ein fremdes nach Hilfe schreit. Diese Frau hatte man zutiefst verletzt, und Aydeen konnte fühlen was sie durchmachte. Also musste sie wenigstens ihr helfen.
Große Mädchen weinen nicht…
Ruhig und dennoch besorgt beugte Aydeen zu dem Häufchen Elend, welches auf einem kalten Stein im Regen saß, herab und reichte ihr ein sauberes Leinentuch für die Tränen. Nach und nach entlockte sie der Frau Worte durch stetiges Zureden, bis sie Schluss endlich sie ihr die ganze Geschichte erzählte. Ein Leben voller Tragik und eine schwache liebende Frau, die sich gegen einen harten unbarmherzigen Mann nicht durchsetzen kann. Wie sonderbar, dass sich manchen Geschichten immer wieder gleichen. Nur diesmal war sie da, und eines war Aydeen bewusst, sie würde eingreifen. Das Leben dieser Frau lebenswert machen und ihr Hoffnung geben.
Wir suchen ihn, und ich spreche mit Eurem Verlobten, sanft lächelte Aydeen auch wenn ihr keineswegs danach zumute war, aber sie musste diese Frau beruhigen ihr Trost geben.
Große Mädchen weinen nicht…
Wir finden ihn bestimmt und alles wird sich klären.Aydeen glaubte fest daran, sie musste es um dieser jungen Frau willen. Durch den Regen war das kostbare Kleid der Frau völlig durchnässt. Sie wirkte hilflos und sie brauchte jemanden, der ihr einfach zuhörte. Voller Mitgefühl nahm Aydeen sie an der Hand und sie machten sich auf die Suche nach dem Mann, der all diesen Kummer verursacht hat.
Tut mir leid, er scheint nicht in Varuna zu sein, sagte sie ein wenig besorgt die Reaktion der Frau abwartend. Stundenlang hatten sie in jeder noch so entferntesten Gasse in jeder Taverne Varunas nach ihm gesucht. Aber er war einfach nicht auffindbar. Eigentlich sollte er an einer Versammlung in Varuna teilnehmen, aber kein Mensch war zu entdecken. Geschweige denn eine Ansammlung von Männern, die miteinander sprachen.
Heute können wir nichts mehr tun, aber wenn Ihr Hilfe braucht, ich bin hier aufzufinden und ich werde da sein, so Ihr mich benötigt. Ihr dürft nicht die Hoffnung verlieren, ja?
Flehend blickt sie zu der Fremden, deren Namen sie nicht einmal kannte. Es schien als hätte ihre Anwesenheit ein wenig dazu beigetragen dieser Frau zu helfen, denn sie verabschiedete sich und machte ich auf den Heimweg um sich auszuruhen.
Morgen ist ein neuer Tag, murmelt Aydeen ihr leise nach.
Große Mädchen weinen nicht……
sie sind für andere da und machen weiter, auch wenn der Weg hart und beschwerlich ist. Noch einmal blickt Aydeen die Straße entlang. Die Laternen funkelten in der lauen Nacht. Unzählige Mücken angezogen von dem Licht, umschwirrten sie. Aus der Ferne dringt das Klirren der Rüstungen der Wachen, die durch die Straßen Varunas ziehen und nach dem Rechten sehen. Es ist sehr spät, viel zu spät. Die Sterne funkeln am Himmel, und Aydeen hat das Gefühl dass sie ihr zuwinkten.
Müde und erschöpft macht sie sich auf den Weg zu ihrem Nachtlager in den Wald.
Große Mädchen weinen nicht……
sie warten ab was der nächste Tag bringt. Sonne oder Regen? Müde schließt Aydeen ihre Augen und kuschelt sich in die ihre Decke.