Weg eines Waldläufers

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Andrew Oriley
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Weg eines Waldläufers

Beitrag von Andrew Oriley »

Der Weg zu den Wölfen

Kaum 1 Jahr nach dem Tode seines Vaters zog es den jungen Andrew immer wieder fort in die umgebenden Wälder. Im Hause seiner Mutter fühlte sich der Junge von mal zu mal unwohler und eingeengt, fast wie gefangen und eingesperrt. Immer wieder zog es ihn hinaus in die Natur und in die Freiheit.
Die Zeit die er zwischendurch zu Hause war wurde immer kürzer und kürzer. Waren es anfangs nur 1-2 Tage die er weg war, wurde mit der Zeit aus den Tagen Wochen. Bis er letztendlich nur noch 1-2 Tage alle Paar Wochen im Haus bei seiner Mutter verbrachte. Mit der Zeit lernte der Junge welche Pflanzen er problemlos essen konnte, und welche Gegenden er zu meiden hatte. Auch lernte er welche der Pflanzen er Medizinisch einsetzen konnte bei Wunden und Krankheiten, und welche dafür eher nicht nützlich waren.
Bei einer seiner langen Streifzüge durch die Wälder, Er sammelte gerade Ginseng und totes Holz, hörte er ein leises Wimmern fast Winseln aus einer der dichter bewachsenen Buschregionen. Andrew hielt inne in seiner Sammelarbeit und steckte die Eisensichel vorsichtig und so leise wie möglich in den selbst genähten Wildlederhalfter ans einer Hüfte. Langsam duckte er sich hinter einige Sträucher und schlich leise und mit einem hohen Mass an Vorsicht in die Richtung aus der er das leise doch vernehmbare Geräusch gehört hatte. Ein Griff an seinen Gürtel förderte einen Eisendolch zutage der lautlos aus seiner gefetteten Lederscheide glitt. Nach und nach arbeitete er sich in die Richtung des Wimmern und Winseln vor, das er nun klar und deutlich vernehmen konnte. Anhand des lautes schätzte Andrew das es sich um einen Dachs oder etwas in der Größenordnung handeln mußte. Mit Hilfe des Dolches schob er sachte die letzten Zweige zur Seite die ihn von der Kleinen Kreatur trennten. Überrascht hielt der Junge inne. Vor ihm in einem kleinen Erdloch saß wimmernd ein kleiner grau brauner Wolfswelpe, mit hängenden Ohren, der kläglich um Hilfe rief da eine seiner Pfoten in einer Wildererfalle festsaß. Als das Junge Tier den Menschen entdeckte erschrak es und versuchte zu fliehen, doch da es festsaß war ab Flucht nicht zu denken. An Ort und Stelle festsitzend und im Angesicht eines großen Wesens das ihn bestimmt fressen wollte, schöpfte der Jungwolf Mut und fing an den Waldläufer Sohn anzuknurren. Dabei stellte er sein Nackenfell auf um ja möglichst bedrohlich zu wirken.
„Oh du bist ja richtig gefährlich“
Schmunzelte Andrew als er das sah sachte in Richtung Jungwolf. Vorsichtig näherte er sich dem Tier das sich immer mehr Aufplusterte. Als der Jungwolf dann erkannte das, daß riesige Wesen sich nicht vertreiben lies fing er den Mut verlierend noch kläglicher an zu jammern und machte sich aus Angst ganz klein. Dabei schaute er wimmernd zum Menschen hoch als wolle er sagen „bitte fress mich nicht“
Ganz vorsichtig faste Andrew das Junge im Nacken und drückte das kläglich wimmernde Tier auf den Boden damit es nicht Zappelte. Dann nahm er den Dolch fest in die Rechte Hand und schob ihn langsam zwischen die Eisenbacken des Fangeisens. Unter leisem Angst und Schmerz wimmern des Wolfswelpen drückte er die falle auf und befreite das kleine Tier aus seiner Pein.
Das Jungtier nun endlich frei wollte sofort seine Chance ergreifen und vor dem großen Wesen flüchten, bevor es sich doch noch dazu entschied das Wolfswelpen lecker schmecken. Nur hatte das große Wesen damit gerechnet und hielt den Jungwolf auch weiterhin fest. Langsam schob Andrew seine rechte Hand unter beruhigenden Worten unter das verletzte Jungtier, nachdem er den Dolch weggesteckt hatte, und hob ihn vom Boden auf in seinen Arm.
„Dich werden wir nun erst einmal versorgen“
Flüsterte er mit beruhigender Stimme auf das Tier ein. Das Wolfsjunge lies sich nach einer Weile tatsächlich beruhigen und schaute mit großen Augen zu wie das zweibeinige Wesen ihm eine Kräuterpaste aus klein gekauten Pflanzen auf die wunde Pfote schmierte. Danach verband Andrew noch die Pfote zusätzlich mit seinem Kopftuch das er dazu in schmale Streifen riss. Am Ende der Prozedur saß ein nun ruhiges Wolfs Jungtier vor einem Waldläufer Sohn und schaute jenen nun nicht mehr mit Angst sondern mit großer Neugierde an. Nicht nur das Tier war neugierig auch Andrew Musterte den kleinen Kerl mit der selben Neugierde.
Über die Zeit hin heilte die Welpen Pfote doch die Neugierde beider Seiten blieb bestehen, und schweißte die beiden durch ein immer festeres unsichtbares Band zusammen. Nach und nach nahm jeder ein paar Eigenheiten des anderen an und sie lernten sich immer besser verstehen. So war es auch nicht verwunderlich das sogar das anfänglich Mißtrauische Rudel über die Monate und Jahre hinweg das Zweibeinige Wesen als einen der ihren zu akzeptieren lernten. Zwar gab es ab und an vor allem in den ersten Monaten Auseinandersetzungen, vor allem mit den Wolfseltern des Jungtieres doch mehr als Knurren gab es von den Wölfen seltsamer weise nie. Sie schienen sehr schnell still zu Akzeptieren das ihr Junges einen seltsamen Spielgefährten hatte und mit der Zeit gewöhnten sie sich einfach an ihn, spielten sogar mit dem Wesen wie mit einem der ihren. Während dieser Zeit schuf der junge ein so enges Band zwischen sich und den Wölfen das er mehr und mehr zu einem Teil der Wölfe wurde.
Gerade in dieser Zeit erkannte seine Mutter ihren Sohn von mal zu mal weniger. Immer mehr eignete sich Andrew die Eigenschaften der Wölfe an, Schulte sein Gehöhr und seinen Geruchssinn, lernte lautloses anpirschen und die Jagd in der Gruppe. Auch einen Ausgeprägten Jagdinstinkt entwickelte er mit den Jahren. Als dann die Zeit kam das der Alte Waldläufer dem Andrew nach dem Tode seines Vaters das Versprechen abgenommen hatte ihn beizeiten abzuholen um ihn auszubilden. Fand jener einen Jungen Mann vor dessen Äußerstes sich in den letzten Jahren völlig gewandelt hatte.
Seine Kleidung bestand nun aus Leder, und eine etwas Weite Lumpenjacke hing ihm über die nun Muskulösen Schultern. Seine Kleidung war durchweg mit Moos, Erd und Grasflecken versehen, und verlieh ihr ein fleckiges grün/braunes Muster. An der Hüfte des Jungen Mannes hingen zwei Köcher und eine Reihe kleiner selbst genähter Fellbeutelchen aus Kaninchenfell. Auf seinem Rücken hing mit einem breiten Ledergurt befestigt ein weiterer Köcher und zwei große Bögen die ihm über die linke Schulter hingen. Unterhalb der Bögen war an seinem Gürtel zwei Wildlederne Scheiden befestigt. Eine für einen schmalen Dolch und eine für eine mittlerweile stark abgenutzte Sense aus Eisen. Der Geruch der von ihm ausging war eine wilde Mischung von Waldnadeln und Laub, Waldkräutern und Wolf. Im Wald fiel dieser Geruch natürlich nicht auf doch an der frischen Luft vorm Wald, merkte die feine Nase des alten Waldläufers dieses Geruch sofort.

Schmunzelnd betrachtete er den Sohn seines besten Freundes und nahm an diesem Tag genau zwei Wesen mit sich in die Lehre. Einmal Andrew und ein etwa 4 Jahre alten Wolf, der dem jungen Mann sehr oft auf Schritt und Tritt folgte.


Eine Waffe für den Waldläufer

Nach den Jahren der Ausbildung wanderte ein erfahrener Waldläufer, der den Namen Wolf trug, durch die Wälder Lameriasts. Sein Weggefährte, der Wolf, war nach einigen Jahren dem Ruf seines Rudels gefolgt und hatte sich eine Weggefährtin gesucht. Beide hatten mit der Zeit eine Vielzahl von Jungtieren und selbst heute noch besuchte sie hin und wieder der Waldläufer.

An diesem Tag war das Wetter ausgezeichnet, doch die Stimmung des Waldläufers dagegen nicht so gut. Mit der Zeit hatte der Fähigkeiten entwickelt. Er konnte nun auch Nachts sehen und besaß die Gabe so gut mit Kräutern umzugehen, dass es ihm einfach war, sich selber zu stärken, wenn er mal in brenzlige Situationen geriet. Auch seine Fähigkeiten mit dem Bogen verbesserten sich zusehends und gerade genau hier nagte der Quell seines momentanen Unmutes. Wieder einmal hatte das Holz und der Bogen nicht mit seinen Fähigkeiten mithalten können und war zerborsten. Aus diesem Grund streifte Wolf schon seit mehreren Tagen in den Wälder umher und suchte nach dem Stück Holz, das seinen Fähigkeiten und seinen Anforderungen standhalten konnte.
Als er wieder mit suchendem Blick durch die Wälder strich, fiel ihm eine etwas abseits stehende Eiche auf. Der letzte Sturm, der in der Küstenregion gewütet hatte, musste auch hier getanzt haben. Einer der dicken Äste der Eiche war gerissen und heruntergefallen. Nun hing er nur noch mit einem kleinen Teil am Baum verbunden. Langsam näherte sich der Waldläufer dem Baum und maß mit prüfendem Blick die Wunde, die der Sturm gerissen hatte. Von seinem Rücken löste er dann sachte das Beil und legte seine Habseligkeiten in einem kleinen Abstand von der Eiche ab. Ein letztes Mal nahm er Maß und schlug dann mit festen und kräftigen Zügen das letzte Stück Holz durch, das den abgebrochenen Ast am Stamm hielt. Mit lautem Getöse krachte letztendlich der Ast herunter, sodass der Waldläufer zufrieden nickte.
Er schritt zurück zu seinen abgelegten Sachen und zog aus seiner Tasche mehrere Stücke Bienenwachs. Danach sammelte er einige trockene Äste auf und band sie zu einer Reisigfackel zusammen. Mit Hilfe von etwas trockenem Gras und zwei Feuersteinen entfachte Wolf eine kleine Flamme, woran er die Fackel anzündete. Vorsichtig schmolz er dann das Bienenwachs und ließ es auf den Aststumpf der Eiche tropfen, bis die Baumwunde verpfropft war. Danach löschte er die Fackel wieder und musterte mit Neugierde den abgeschlagenen Ast. Mit seinem Doch schnitt er das Holz leicht ein und nickte zufrieden mit einem Lächeln. Das Holz war noch nicht trocken und vor allem im Kern noch recht feucht. Mit geübten Handgriffen schlug er mit dem Beil die restlichen Zweige ab und schleifte dann den fast beindicken Ast zur Seite.
Wieder zurück bei seinen Sachen schaute er sich um und entdeckte in nicht allzu weiter Entfernung eine recht ansehnliche und wie es schien auf tiefe Pfütze, die der Sturm hinterlassen hat. Nach genauerer Begutachtung fand er, dass die etwa 8 Finger tiefe Pfütze ausreichte. Mit dem Schnitzmesser aus seinem Werkzeug löste er die Baumrinde vom Ast, und setzte sachte die ersten Schnitte am Holz an. Vielleicht konnte er ja aus diesem Ast einen Bogen fertigen der mit seinen Fähigkeiten mithalten konnte.
Sachte gab er dem Holz die Form des Rohlings, was sich durch die vielen Astgabelungen gar nicht so einfach gestaltete, und dem Rohling ein recht eigentümliches Aussehen verlieh. Nachdem dies bewerkstelligt war, schaute der Waldläufer gegen den Himmel und stellte fest, das sich der Nachteinbruch ankündigte. Sorgsam legte er den Rohling im letzten Licht des Tages in die Pfütze und bedeckte alles herausstehende mit reichlich feuchtem Schlamm. Das Holz sollte nun erst mal Feuchtigkeit ziehen damit der nächste Arbeitsschritt leichter ging.
Müde legte sich der Waldläufer unter die Eiche zu seinen Habseligkeiten und wickelte sich in seinen warmen Umhang bevor er langsam in den Halbschlaf viel.
Mit den ersten Sonnenstrahlen stand Wolf auf und stapfte voller Vorfreude zu der Pfütze. Heute würde sich zeigen ob aus dem Rohling was werden konnte oder aber nicht. Langsam löste er den Rohling aus seinem nassen Unterschlupf. Löste den anhaftenden Schlamm und wusch das Holz mit dem Regenwasser aus der Pfütze sauber. Aus der am Vortag abgelösten Rinde und den Zweigen schuf er ein feines Feuerchen das munter Prasselte. Mit geübten Bewegungen hielt er dann den Rohling immer wieder in die Flammen bis die Feuchtigkeit angetrieben von der Hitze aus den Holzfasern austrat. Dadurch wurde das Holz für kurze Zeit biegsam und formbar so das der Waldläufer mit bedacht dem Rohling seine Endgültige Form geben konnte. Den halben Morgen hielt er so das Feuer in Gang und Formte den ehemaligen Ast bis er fast ausgehärtet war und somit fertig für die nächsten Arbeitsschritte.
Mit dem Schnitzmesser gab er dem Holz nun seine letzte Form bis er einen längeren ungespannten Bogen in der Hand hielt. Dann begann er mit ausgelassenem Tierfett das Holz einzuölen damit es geschmeidig blieb. Zuletzt versiegelte er das ganze mit feinen Wachsschichten die er mit einem Lederlappen mehrere Stunden lang in das Holz einrieb.
Lächelnd begutachtete Wolf sein Werk, und wickelte es in eine Lage gewachstes Leder. Einen Tag mußte das Holz nun ruhen, doch morgen würde er den Bogen das erste mal Spannen können und eine Sehne einlegen.
Den Rest des Tages verbrachte er mit der Jagd. Als er dann Abends zufrieden und Satt am Feuer saß, kaute er auf einigen Tiersehnen herum die er nach und nach zu einer starken Bogensehne zusammen drehte. Nachdem auch jene eingefettet war legte er sich sein Lager und schlief den Schlaf der gerechten.
Den Dritten Tag ging er langsam an. Prüfte eingehend noch einmal die gefertigte Sehne, und nahm ein reichliches Frühstück zu sich. Dann wickelte er das Holz aus dem Leder und prüfte dessen Biegsamkeit vorsichtig. Langsam gab er dem Holz die gebogene Form die der Waffe den Namen Bogen gab. Sachte Stück für
Stück drückte er die Form zurecht, bevor er das Holz wieder in seine alte Form entließ. Mit dem Schnitzmesser fügte er oben und unten an dem Graden Bogenholz zwei kerben für die Sehne ein. Aus Rehknochen setzte er an jede Seite ein entsprechendes Stück ein damit die Sehne später nicht wegrutschte. Dann griff er zur gefertigten Sehne und begann den Bogen zu spannen. Unter Aufbietung all seiner Aufmerksamkeit spannte er die Sehne erst auf die eine dann auf die andere Seite ein. Sachte griff er dann nach einem Pfeil und legte diesen auf den Bogen. Ganz sanft zog er dann an der sehne und spannte den Bogen sachte und war überrascht wie leicht dies ging. Mit einem leisen Ziiiirrrrr sauste der Pfeil davon und schlug mit leisem Tooock dann genau dort ein wohin der Waldläufer gezielt hatte.
Mit einem Jauchzen jubelte er über das gute Werkstück in seiner Hand und war froh endlich eine Waffe zu haben die seinen Fähigkeiten entsprach. Er konnte es kaum erwarten damit auf die Jagd zu gehen.
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