Einige Zeit hat Sarahlain nun schon auf der Insel Fuachtero verbracht, doch waren die vergangenen Tage zu ereignissreich um sich wirklich Gedanken über das Erlebte zu machen.
So kam sie auch die ganze Zeit über nicht dazu den Beutel mit der wenigen Habe, welche sie vom Schiff retten konnte, auszupacken.
So kam sie auch an diesem Abend ins Langhaus, die Schultern steif von der Kälte und dem schweren Tagewerk und wollte sich eigentlich auf den Fellen langmachen um für den nächsten Tag Kräfte zu sammeln.
Doch dann fiel ihr Blick auf den Seesack welcher nun schon solange üngeöffnet in der Ecke lag. Sie setzte sich auf die weichen Eisbärfelle und zog diesen zu sich heran um die dicken Lederschnüre zu öffnen.
Dies war bei weitem nicht so leicht wie es schien denn die salzige Luft und die Feuchtigkeit hatten die Schnüre fest zusammengezurrt und so blieb ihr nicht viel anderes übrig als diese durchzuschneiden um den Inhalt freizugeben.
Endlich erreichte sie ihre Habseligkeiten und kramte neben einem Kamm aus Knochen und einer Haarspange noch etwas ganz besonderes aus.
Wehmütig betrachtete sie das Instrument, welches aus einem in Stoff gefassten Lederbeutel und mehreren Holzpfeifen bestand. Lange Jahre ist es her dass es Töne von sich gab, lange Jahre war es her dass sie diese Kunstwerk zum erklingen brachte.
Ein Lächeln huschte über ihre rauhen Lippen als ihre Gedanken in die Vergangenheit abschweiften. So nahm sie die Sackpfeife unter den Arm und setzte sich draussen ans Lagerfeuer.
Wieder schweiften ihre Gedanken in die Vergangenheit als sie das ein flötenähnliches Gebilde ansetze und den Sack mit Luft füllte, ihre Gedanken schweiften ab zu jenen welche auf Scathlan zurückgelassen wurden und zu jenen welche dort noch immer auf Rettung warteten.
Immer mehr Luft pumpten ihre Lungen in den Ledersack und als sie den Luftbeutel zwischen Arm und Brustkorb zusammendrückte, spiehen die Pfeifen ihre traurigen Töne hinaus ins Dunkel der Nacht.
So flossen all ihre Gefühle, ihr Heimweh, ihr Verlangen nach ihren Geschwistern, ihren Eltern in ihr Spiel und erfüllten die Nacht mit ihrem wehmütigen Klang.
Dann schweiften ihre Gedanken zurück zum jetzt, zu Kalruthar, Oengus, Elryk und den anderen, zu dem was sie erreicht haben und dem was sie noch erreichen werden, zu den harten Tagen in denen sie die Vorbereitungen für den Bau ihres Dorfes verbracht haben, den Abenden an denen sie am Lagerfeuer sassen.
So wie ihre Gedanken änderte sich auch ihr Spiel und ohne dass sie es bemerkte, änderte sich die Tonlage und die Pfeifen erklangen nun fröhlicher, selbstbewusster, stolzer.
Dann schweiften ihre Gedanken weiter zu Argail, zu Jall-Argayth, den alten welche alles daran setzen ihr wissen an die Jungen des Clans weiterzugeben und schliesslich zu Berek, dem Hünen welcher sie in dieser schweren Zeit zu leiten vermochte.
Und sie war stolz, stolz auf das was sie erreicht hatten, stolz auf das was sie waren, stolz auf ihren Clan, und voller Kraft ertönte die Sackpfeife unter ihren Atemzügen und erklang weit über die Ebenen Fuachteros und verkündete den ganzen Stolz und die ganze Macht des Clanes MacAgrona!