Der Reiz der Ferne. Oder: Wonach schmeckt das Abenteuer?
Verfasst: Montag 18. Juni 2007, 20:33
Du langweilst, Lethra. Will gehen. Jetzt.
Es entstand eine Pause. Der Lethrixor begann ungeniert in den Kisten und Truhen des kleinen Raumes zu kramen, entnahm Phiolen, getrocknetes Fleisch, Wasserschläuche. Erst nach einigen Herzschlägen gelang es ihr, aus den spärlichen Informationen den noch knapperen Sinn zu filtern. Er sprach vom Auftrag des Meisters, der Expedition. Den ersten Teil seiner Worte ignorierte sie wohlweislich, obwohl er es zielsicher vermochte, damit Stachel in ihr leidgeprüftes Fleisch zu treiben. Mit Demütigungen und gezieltem Spott hatte sie umgehen gelernt, diese beiläufigen Abfälligkeiten waren jedoch aufreibend. Als wäre sie den Aufwand für ehrlichen Hohn nicht wert, fühlte sie sich in seiner Gegenwart stets unbedeutender als Staub unter seinen Füßen. Seltsamerweise weckte gerade diese Behandlung widerwillige Neugierde. Q’in war anders. Nicht nur anders, er war ungewöhnlich, stets an der Grenze zum Absonderlichen. Und immer wenn sie der Versuchung erlag, den lethargischen Krieger einschätzen zu wollen, warf er alle bisherigen Bilder übereinander. Verflucht sei er, und dreimal verflucht ihre eigene Neugierde.
Sie unterließ jeden Kommentar, begann schlicht mit den Vorbereitungen. Der Befehl zur Erkundung und Anfertigung von Karten war zwar ihr übergeben worden, der Instinkt einem Letharf seinen Willen zu lassen saß allerdings zu tief. Zudem würde sie so einen weiteren, unausgesprochenen Befehl befolgen. Q’in zog die Blicke seiner Brüder auf sich. Misstrauisch, amüsiert, verärgert. Er stach zwischen den kühlen, geradlinigen Lethrixoren hervor wie ein Paradiesvogel. Man würde sie nach seinen Leistungen fragen, ihn beobachten lassen. Besser war, sie hatte die Antworten bereits parat bevor die Frage gestellt wurde. Man durfte ihr nicht noch einmal die Fäden aus der Hand nehmen, wie es bei Lhan’Chyl geschehen war. Letztendlich war sie um deren Sturz froh gewesen, ein bitteres Gefühl der Erleichterung. Ein zweites Mal durfte dergleichen nicht geschehen.
Der Mond stand bereits hoch am sommerlichen Nachthimmel, erzeugte ein silbrig-kühles Spiel aus Licht und Schatten in den Gassen Rahals. Zwei abgerissene Gestalten bewegten sich auf ihnen, eine buckelig und schlurfend, die andere in ihrem überdimensionierten Umhang wie ein Kind in Erwachsenenkleidern wirkend. Man wich den Gardisten nicht aus, wussten diese doch meist zwischen Schein und Wirklichkeit zu unterscheiden. Sie selbst hätte zielgerichtet die Tore der Stadt angesteuert, doch den Letharf schien es zuvor in Richtung der Taverne zu ziehen. Sie ahnte bereits was kommen musste, hatte sie doch bereits mehrmals das zweifelhafte Privileg genossen seine fast menschliche Maßlosigkeit zu beobachten. Es folgte, was folgen musste. Die Vorräte an Wasserschläuchen wurden durch einen weiteren aufgefüllt. Roter Rebensaft, dessen Aroma Velvyr bereits auf größere Distanz zuwider war. Ignorieren. – mahnte sie sich selbst.
Der Weg nach Bajard war menschenleer, niemand begegnete dem ungleichen Paar. Die Stille wurde nur selten unterbrochen. Wo der Letharf schlichtweg kein Interesse an einer Konversation zu hegen schien, war die Lethra mit der Sondierung der Umgebung beschäftigt. Sie mochte diese nächtliche Stille. Es war ein süßer Vorgeschmack auf die letzten Tage, auf die Leblosigkeit alles Seins. Der intensive Geruch des treibenden Holzes, das zarte Grün der Nadeln, verrottet und verbrannt. Nichts weiter als eine Wüste aus Blut und Schmerz für all jene, die sich dem Einen verweigerten.
Es knackte unter ihren Füßen, und sie zog die Schultern unwillkürlich ein. Es war wieder passiert. Die Stille verleitete ihre Gedanken stets zu unvorsichtigem Treiben. Ein Seitenblick auf den Lethrixor, der sich recht unbesorgt seinen Weg durch das Unterholz bahnte. Es mochte dumm sein, doch sie vertraute seinen Instinkten. Seine gelangweilte Ignoranz der Umgebung hielt stets bis zu jenem Moment, in dem eine Bedrohung wahrgenommen wurde.
Oder du vertraust dich seiner Führung an, weil es das Wesen einer Lethra ist…schwach. – flüsterte die spöttische Stimme, tief in den Windungen ihres Selbst vergraben. Sie schenkte sich selbst ein ironisches Lächeln, brachte das Flüstern damit zum Schweigen.
Schemenhaft tauchte die Küste vor ihnen auf, lange zuvor vom leisen Murmeln der Brandung verraten. Nun übernahm sie die Führung, setzte sich mit mehreren Schritten vor den Lethrixor. Eine knappe Geste, dann stoppte sie. Hier war der Abgang verborgen, auch wenn sich dem nichtsahnenden Auge kein Anhaltspunkt dafür bot. Kundige Hände legten hinter Gebüsch und Unterholz die muffige Schwärze von Erdreich frei. Darunter befand sich die Falltüre, auf deren selbstkonstruierten Mechanismus sie sich für einen flüchtigen Moment Stolz erlaubte. Die beiden Letharen betraten die Höhle, die Tarnung zuvor wieder sicherstellend. Es war spät, zu spät um eine Überfahrt zu erhalten. Für einige Stunden würden sie hier Ruhe finden können, bevor der riskante Teil dieses Ausfluges beginnen würde. Das Kribbeln in ihrem Nacken war vertraut. Neugierde, gemischt mit Gier.
Es entstand eine Pause. Der Lethrixor begann ungeniert in den Kisten und Truhen des kleinen Raumes zu kramen, entnahm Phiolen, getrocknetes Fleisch, Wasserschläuche. Erst nach einigen Herzschlägen gelang es ihr, aus den spärlichen Informationen den noch knapperen Sinn zu filtern. Er sprach vom Auftrag des Meisters, der Expedition. Den ersten Teil seiner Worte ignorierte sie wohlweislich, obwohl er es zielsicher vermochte, damit Stachel in ihr leidgeprüftes Fleisch zu treiben. Mit Demütigungen und gezieltem Spott hatte sie umgehen gelernt, diese beiläufigen Abfälligkeiten waren jedoch aufreibend. Als wäre sie den Aufwand für ehrlichen Hohn nicht wert, fühlte sie sich in seiner Gegenwart stets unbedeutender als Staub unter seinen Füßen. Seltsamerweise weckte gerade diese Behandlung widerwillige Neugierde. Q’in war anders. Nicht nur anders, er war ungewöhnlich, stets an der Grenze zum Absonderlichen. Und immer wenn sie der Versuchung erlag, den lethargischen Krieger einschätzen zu wollen, warf er alle bisherigen Bilder übereinander. Verflucht sei er, und dreimal verflucht ihre eigene Neugierde.
Sie unterließ jeden Kommentar, begann schlicht mit den Vorbereitungen. Der Befehl zur Erkundung und Anfertigung von Karten war zwar ihr übergeben worden, der Instinkt einem Letharf seinen Willen zu lassen saß allerdings zu tief. Zudem würde sie so einen weiteren, unausgesprochenen Befehl befolgen. Q’in zog die Blicke seiner Brüder auf sich. Misstrauisch, amüsiert, verärgert. Er stach zwischen den kühlen, geradlinigen Lethrixoren hervor wie ein Paradiesvogel. Man würde sie nach seinen Leistungen fragen, ihn beobachten lassen. Besser war, sie hatte die Antworten bereits parat bevor die Frage gestellt wurde. Man durfte ihr nicht noch einmal die Fäden aus der Hand nehmen, wie es bei Lhan’Chyl geschehen war. Letztendlich war sie um deren Sturz froh gewesen, ein bitteres Gefühl der Erleichterung. Ein zweites Mal durfte dergleichen nicht geschehen.
Der Mond stand bereits hoch am sommerlichen Nachthimmel, erzeugte ein silbrig-kühles Spiel aus Licht und Schatten in den Gassen Rahals. Zwei abgerissene Gestalten bewegten sich auf ihnen, eine buckelig und schlurfend, die andere in ihrem überdimensionierten Umhang wie ein Kind in Erwachsenenkleidern wirkend. Man wich den Gardisten nicht aus, wussten diese doch meist zwischen Schein und Wirklichkeit zu unterscheiden. Sie selbst hätte zielgerichtet die Tore der Stadt angesteuert, doch den Letharf schien es zuvor in Richtung der Taverne zu ziehen. Sie ahnte bereits was kommen musste, hatte sie doch bereits mehrmals das zweifelhafte Privileg genossen seine fast menschliche Maßlosigkeit zu beobachten. Es folgte, was folgen musste. Die Vorräte an Wasserschläuchen wurden durch einen weiteren aufgefüllt. Roter Rebensaft, dessen Aroma Velvyr bereits auf größere Distanz zuwider war. Ignorieren. – mahnte sie sich selbst.
Der Weg nach Bajard war menschenleer, niemand begegnete dem ungleichen Paar. Die Stille wurde nur selten unterbrochen. Wo der Letharf schlichtweg kein Interesse an einer Konversation zu hegen schien, war die Lethra mit der Sondierung der Umgebung beschäftigt. Sie mochte diese nächtliche Stille. Es war ein süßer Vorgeschmack auf die letzten Tage, auf die Leblosigkeit alles Seins. Der intensive Geruch des treibenden Holzes, das zarte Grün der Nadeln, verrottet und verbrannt. Nichts weiter als eine Wüste aus Blut und Schmerz für all jene, die sich dem Einen verweigerten.
Es knackte unter ihren Füßen, und sie zog die Schultern unwillkürlich ein. Es war wieder passiert. Die Stille verleitete ihre Gedanken stets zu unvorsichtigem Treiben. Ein Seitenblick auf den Lethrixor, der sich recht unbesorgt seinen Weg durch das Unterholz bahnte. Es mochte dumm sein, doch sie vertraute seinen Instinkten. Seine gelangweilte Ignoranz der Umgebung hielt stets bis zu jenem Moment, in dem eine Bedrohung wahrgenommen wurde.
Oder du vertraust dich seiner Führung an, weil es das Wesen einer Lethra ist…schwach. – flüsterte die spöttische Stimme, tief in den Windungen ihres Selbst vergraben. Sie schenkte sich selbst ein ironisches Lächeln, brachte das Flüstern damit zum Schweigen.
Schemenhaft tauchte die Küste vor ihnen auf, lange zuvor vom leisen Murmeln der Brandung verraten. Nun übernahm sie die Führung, setzte sich mit mehreren Schritten vor den Lethrixor. Eine knappe Geste, dann stoppte sie. Hier war der Abgang verborgen, auch wenn sich dem nichtsahnenden Auge kein Anhaltspunkt dafür bot. Kundige Hände legten hinter Gebüsch und Unterholz die muffige Schwärze von Erdreich frei. Darunter befand sich die Falltüre, auf deren selbstkonstruierten Mechanismus sie sich für einen flüchtigen Moment Stolz erlaubte. Die beiden Letharen betraten die Höhle, die Tarnung zuvor wieder sicherstellend. Es war spät, zu spät um eine Überfahrt zu erhalten. Für einige Stunden würden sie hier Ruhe finden können, bevor der riskante Teil dieses Ausfluges beginnen würde. Das Kribbeln in ihrem Nacken war vertraut. Neugierde, gemischt mit Gier.