Der Reiz der Ferne. Oder: Wonach schmeckt das Abenteuer?

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Velvyr´tae

Der Reiz der Ferne. Oder: Wonach schmeckt das Abenteuer?

Beitrag von Velvyr´tae »

Du langweilst, Lethra. Will gehen. Jetzt.

Es entstand eine Pause. Der Lethrixor begann ungeniert in den Kisten und Truhen des kleinen Raumes zu kramen, entnahm Phiolen, getrocknetes Fleisch, Wasserschläuche. Erst nach einigen Herzschlägen gelang es ihr, aus den spärlichen Informationen den noch knapperen Sinn zu filtern. Er sprach vom Auftrag des Meisters, der Expedition. Den ersten Teil seiner Worte ignorierte sie wohlweislich, obwohl er es zielsicher vermochte, damit Stachel in ihr leidgeprüftes Fleisch zu treiben. Mit Demütigungen und gezieltem Spott hatte sie umgehen gelernt, diese beiläufigen Abfälligkeiten waren jedoch aufreibend. Als wäre sie den Aufwand für ehrlichen Hohn nicht wert, fühlte sie sich in seiner Gegenwart stets unbedeutender als Staub unter seinen Füßen. Seltsamerweise weckte gerade diese Behandlung widerwillige Neugierde. Q’in war anders. Nicht nur anders, er war ungewöhnlich, stets an der Grenze zum Absonderlichen. Und immer wenn sie der Versuchung erlag, den lethargischen Krieger einschätzen zu wollen, warf er alle bisherigen Bilder übereinander. Verflucht sei er, und dreimal verflucht ihre eigene Neugierde.

Sie unterließ jeden Kommentar, begann schlicht mit den Vorbereitungen. Der Befehl zur Erkundung und Anfertigung von Karten war zwar ihr übergeben worden, der Instinkt einem Letharf seinen Willen zu lassen saß allerdings zu tief. Zudem würde sie so einen weiteren, unausgesprochenen Befehl befolgen. Q’in zog die Blicke seiner Brüder auf sich. Misstrauisch, amüsiert, verärgert. Er stach zwischen den kühlen, geradlinigen Lethrixoren hervor wie ein Paradiesvogel. Man würde sie nach seinen Leistungen fragen, ihn beobachten lassen. Besser war, sie hatte die Antworten bereits parat bevor die Frage gestellt wurde. Man durfte ihr nicht noch einmal die Fäden aus der Hand nehmen, wie es bei Lhan’Chyl geschehen war. Letztendlich war sie um deren Sturz froh gewesen, ein bitteres Gefühl der Erleichterung. Ein zweites Mal durfte dergleichen nicht geschehen.

Der Mond stand bereits hoch am sommerlichen Nachthimmel, erzeugte ein silbrig-kühles Spiel aus Licht und Schatten in den Gassen Rahals. Zwei abgerissene Gestalten bewegten sich auf ihnen, eine buckelig und schlurfend, die andere in ihrem überdimensionierten Umhang wie ein Kind in Erwachsenenkleidern wirkend. Man wich den Gardisten nicht aus, wussten diese doch meist zwischen Schein und Wirklichkeit zu unterscheiden. Sie selbst hätte zielgerichtet die Tore der Stadt angesteuert, doch den Letharf schien es zuvor in Richtung der Taverne zu ziehen. Sie ahnte bereits was kommen musste, hatte sie doch bereits mehrmals das zweifelhafte Privileg genossen seine fast menschliche Maßlosigkeit zu beobachten. Es folgte, was folgen musste. Die Vorräte an Wasserschläuchen wurden durch einen weiteren aufgefüllt. Roter Rebensaft, dessen Aroma Velvyr bereits auf größere Distanz zuwider war. Ignorieren. – mahnte sie sich selbst.

Der Weg nach Bajard war menschenleer, niemand begegnete dem ungleichen Paar. Die Stille wurde nur selten unterbrochen. Wo der Letharf schlichtweg kein Interesse an einer Konversation zu hegen schien, war die Lethra mit der Sondierung der Umgebung beschäftigt. Sie mochte diese nächtliche Stille. Es war ein süßer Vorgeschmack auf die letzten Tage, auf die Leblosigkeit alles Seins. Der intensive Geruch des treibenden Holzes, das zarte Grün der Nadeln, verrottet und verbrannt. Nichts weiter als eine Wüste aus Blut und Schmerz für all jene, die sich dem Einen verweigerten.
Es knackte unter ihren Füßen, und sie zog die Schultern unwillkürlich ein. Es war wieder passiert. Die Stille verleitete ihre Gedanken stets zu unvorsichtigem Treiben. Ein Seitenblick auf den Lethrixor, der sich recht unbesorgt seinen Weg durch das Unterholz bahnte. Es mochte dumm sein, doch sie vertraute seinen Instinkten. Seine gelangweilte Ignoranz der Umgebung hielt stets bis zu jenem Moment, in dem eine Bedrohung wahrgenommen wurde.

Oder du vertraust dich seiner Führung an, weil es das Wesen einer Lethra ist…schwach. – flüsterte die spöttische Stimme, tief in den Windungen ihres Selbst vergraben. Sie schenkte sich selbst ein ironisches Lächeln, brachte das Flüstern damit zum Schweigen.
Schemenhaft tauchte die Küste vor ihnen auf, lange zuvor vom leisen Murmeln der Brandung verraten. Nun übernahm sie die Führung, setzte sich mit mehreren Schritten vor den Lethrixor. Eine knappe Geste, dann stoppte sie. Hier war der Abgang verborgen, auch wenn sich dem nichtsahnenden Auge kein Anhaltspunkt dafür bot. Kundige Hände legten hinter Gebüsch und Unterholz die muffige Schwärze von Erdreich frei. Darunter befand sich die Falltüre, auf deren selbstkonstruierten Mechanismus sie sich für einen flüchtigen Moment Stolz erlaubte. Die beiden Letharen betraten die Höhle, die Tarnung zuvor wieder sicherstellend. Es war spät, zu spät um eine Überfahrt zu erhalten. Für einige Stunden würden sie hier Ruhe finden können, bevor der riskante Teil dieses Ausfluges beginnen würde. Das Kribbeln in ihrem Nacken war vertraut. Neugierde, gemischt mit Gier.
Q´in

Beitrag von Q´in »

Im Sitzen zu schlafen, das war Q’in ebenso bekannt, wie das ungemütliche Erwachen aus dem Schlummer. Diese Lethra ließ wirklich einige Regeln des auserwählten Volkes außer Acht, wenn sie sich nicht beobachtet fühlte. Das war amüsant. Velvra – oder so ähnlich – war amüsant. Und er war nass.

Der Aufbruch aus dem Versteck fand am späten Abend statt, die Sternenkonstellation war dem Letharfen sehr wohl bekannt. Es war nicht die erste Nacht unter freiem Himmel gewesen und sollte auch nicht die letzte werden. Trotzdem unterschied sich diese von der Zeit vor seinem Eintreffen im Unterschlupf: Seit langem war wieder jemand seines Volkes an seiner Seite. Das Gefühl ließ den Nacken kribbeln und die Gedanken treiben. Q’in war für seine Verhältnisse zufrieden. Er hatte es mit einer klugen Lethra zu tun, die weitaus nützlicher war als die zwei Letzten, die ihn einst auf seine Mission begleiteten. Trotz allem hielt sich seine Begeisterung jedoch in Grenzen der lang gelebten Ignoranz. Es galt ein Ziel zu erreichen: Bajard.

Das letzte Mal, als Q’in noch in jungen Jahren diesen Ort besuchte, bestand er aus nicht mehr als drei, vielleicht vier Bretterbuden und einem grob gezimmerten Steg, welcher in die Bucht reichte. Das konnte noch nicht als Dorf bezeichnet werden. Vielleicht als Ansammlung von Holz, als viergeteilter Bau, als Viehställe – aber bei der äschernen Verdammnis: Nicht als Dorf. Doch Velvra – oder so ähnlich – hatte Q’in genau das glauben machen wollen. Das Dorf sei sogar von Wachen geschützt, habe einen Bürgermeister. Mit jedem Wort steigerte sich seine Neugierde, die paradoxerweise parallel zur Gleichgültigkeit des Letharfen existieren konnte. Dann war der große Moment gekommen und einige Gebäude zeichneten sich hinter dem dichten Gestrüpp des nächtlichen Waldes ab. Hütten, welche in ihrer Art keineswegs mehr den Bauten glichen, die Q’in einst gesehen hatte. Velvra hatte Recht gehabt und dafür hasste er sie. Statt einer schlichten Fahrt bedeutete diese Siedlung nun zugleich die Suche nach der wahrscheinlich versoffenen Mannschaft eines Kahns, dessen ebenso versoffener Kapitän die Geduld des Letharfen wahrlich auf eine harte Probe stellen würde. Das größte Problem konnte nicht beiseite geschafft werden: Er durfte nicht töten. Das bedeutete Gefasel, bedeutete Interaktion. Es bedeutete unnötige Mühen.

In den Jahrzehnten unter Tieren hatte er sich ihre Sprache aneignen können. Er beherrschte sie fast besser als die eigene, denn sie war einfach, entbehrte zahlreicher Facetten, die die Muttersprache ohne Rücksicht auf die so schwerfällige Zunge von Q‘in verlangte. Und so begann ein unfassbar schwieriges Unterfangen, welches alle Überwindung brauchte. Im Geiste mussten Mauern niedergerissen werden, nur, um so zu werden, wie alle es waren: Gesprächig. Jedes Wort war unnötig und es war schade um den Atem, doch zugleich war eben jedes dieser Worte nötig und den Atem wert. Es begann eine Suche nach einer Mannschaft, die am späten Abend noch in See stechen wollte – mit zwei gut zahlenden, vermummten Gestalten an Bord und zielstrebig gen Lameriast segelnd.

Q’in wollte sich gar nicht vorstellen, wie sie wahrgenommen wurden. Velvra, in einem Mantel, der auch ihm gepasst hätte, wie sie zusammengekauert hinter ihm herstapfte und nur auf Kommando eine freche Antwort einer Göre hervorbrachte. Und er, der Herr, der Letharf, der Lethrixor: Mit nach vorne gesackten Schultern und einem reich bepackten Rucksack unter dem Umhang, sodass die gesamte Gestalt nicht nur gebeugt, sondern auch bucklig war. Es war anstrengend, so zu gehen. Doch etwas gerader und die unabsichtliche Tarnung wäre dahin gewesen. So bewegte sich das ungleiche Paar durch das Dorf, begleitet von einem stetigen, krächzenden Husten des Vordermannes. Es war ein schlechtes Schauspiel, doch schien es auszureichen: Kaum eine Stunde verging, ehe sich zwei Letharen auf dem Weg gen Lameriast befanden.

Die Fahrt kostete Zeit und dauerte fast einen ganzen Tag, welcher ihnen durch den fehlenden Wind wie eine halbe Ewigkeit erschien. Doch auch dieser Abschnitt der Reise fand fast pünktlich zum Sonnenuntergang sein Ende. Sie gingen von Bord, verließen den Steg und den Hafen, um in eine völlig zersplitterte Siedlung zu kommen. Keine Mauern, keine Wachen und bereits zu dieser Uhrzeit keine Menschenseele weit und breit. Doch nicht das Dorf am Kai war Ziel der Erkundung. Selbst ein Narr hätte schnell erkannt, wie hoffnungslos der Versuch gewesen wäre, die Hütten gegen mehr als Wind und Wetter zu verteidigen. Das wirkliche Ziel lag landeinwärts. Eisenwart. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, war Ruhe nötig. Zudem mochte Q’in die Hektik nicht, welche fast wie eine magische Aura von der jungen Lethra ausging. Schlafend hielt sie still, schlafend dachte sie nicht ohne Ende und verschwendete ihre Energie auf Paranoia und das Hin- und Herdrehen des Kopfes. Schlafend war sie da und störte trotzdem nicht.

Das Lager inmitten des dunklen Waldes war schnell errichtet. Sie griff auf die gute Schule der Letharen zurück, er auf die Schule des Überlebens, welche fast jede Lektion des Unterschlupfes berichtigt hatte. Trotzdem war bald ein kurzes Mahl eingenommen, der belohnende Schluck Wein getrunken und wenig später das Lager wieder in Finsternis getaucht. Die Lethra, Velvra, lag unter einem schmutzigen, dunklen Stofftuch, welches ihre Konturen mit denen des Bodens verwischen ließ, während der Letharf die erste Wache übernahm. Und so vergingen die ersten Stunden, in denen der Lethrixor bäuchlings in den Farnen lag und mit geschlossenen Äuglein in die Nacht horchte. Stille konnte so wunderbar sein.

Die Zeit schien gnädig zu sein, denn sie ließ Q’in viel Raum, um zu denken, um sich zu erinnern und um den Geschmack des Weines noch einmal zu sezieren. Dann wurde es Zeit für den Wachwechsel, den der Letharf auf sehr seltsame Weise verstand. Er wechselte lediglich die Wachposition, da der kühle, feuchte Boden langsam die Glieder schwer machte, obgleich die Luft angenehm warm war. Mit der Rüstung undenkbar, war es für Q’in ohne all das schützende Beiwerk ein Leichtes, die große Eiche zu erklettern, mit nicht mehr als einem Dolch bewaffnet. Von hier oben gesehen - so begann der nächste Schwall an Gedanken – ist die Welt noch immer zu schnell. Aber wenigstens ist sie das nun nicht mehr.

Bis zum Sonnenaufgang war noch viel zu überdenken. Saß der Zopf wirklich perfekt?
Velvyr´tae

Beitrag von Velvyr´tae »

Ihre Wiederkehr aus dem Schlaf ging selten gemächlich vonstatten. Sie schlug die Augen auf, hellwach. Was hatte sie geweckt?
Nicht der harte Erdboden unter ihrem Umhang. Er war nicht unbequemer als die Lagerstatt, auf der sie den größten Teil ihres Lebens ihre Ruhestunden verbracht hatte. Auch nicht die stechende Verspannung in ihrem Nacken, entstanden durch die unnatürliche Haltung, von Kopf bis Fuß bedeckt durch Stoff in vielfältigen Grün und Brauntönen. Nein. Es war das verschlafene Zwitschern der ersten Vögel die den Morgen grüssten. Warum hatte der Lethrixor sie nicht zur zweiten Wache geweckt?

Ein zerzauster Kopf erschien unter dem Stoff, tiefgrüne Augen taxierten die Umgebung. Keine Spur von Q’in, lediglich einige Rüstungsteile lugten aufgestapelt in der Kuhle zwischen den Farnen hervor. Ein schmerzhaftes Ziehen an ihrem Rücken ließ sie für mehrere Herzschläge erstarren. War es die Nacht auf feuchtem, kühlem Erdreich oder die ungewollte Erinnerung an eine andere Situation die dieser so ähnlich war…die Haut um die gleichmäßig angeordneten Narben zwischen Schulterblättern und abwärts spannte, sandte konzentrationsstörendes Stechen durch ihre Nervenbahnen. Doch zugleich nannte sie sich mit unbehaglichem Spott eine Närrin. Ihr Schlaf war stets nur oberflächlich, ihre Sinne selbst im tiefsten Schlummer noch gespannt. Wäre etwas geschehen, sie hätte es wahrgenommen. Manche Fehler machte man nur ein einziges Mal. Sie hatte für ihren gebüßt, in vielfältiger Weise.

Mit scheinbar größter Gleichmut kroch sie aus dem tarnenden Gebilde, begann die Spuren der Nacht zu verwischen. Ihr Blick fiel wieder auf die gestapelten Rüstungsteile. Nur eines an diesem Haufen war mit Sorgfalt obenauf gelegt worden: Der Weinschlauch. Die Verkörperung der Andersartigkeit des Lethrixor. Sie neigte sich hinab, schloss die Finger um das weiche, abgegriffene Leder. Seine Maßlosigkeit im Umgang mit diesem widerwärtigen Gesöff ließ ihren Zorn stets hochkochen. Er tat es vor Menschen, vor Nutzvieh, das den Respekt vor den heimlichen Herren Rahals bewahren musste. Kratzte damit an der sorgsam aufgebauten Fassade. Sollte Q’in hier irgendwo in der Nähe sein, würde er nun reagieren. Sollte er fort sein, bot sich ihr eine einmalige Gelegenheit.

Hrrrrm! – Wie erwartet erklang hinter ihr ein heiseres, missmutiges Räuspern. Sie ergriff den Weinschlauch, wandte sich in derselben Bewegung in Richtung des Geräusches. Die Spitze eines Dolches begrüßte sie, gefolgt von dem charakteristischen Lufthauch eines in eleganter Wurfbahn vorüber ziehenden Geschosses. Mit einem dumpfen Laut traf der Dolch den Erdboden, versenkte sich darin. Die Kampfhandlungen waren eröffnet.
Sie unterdrückte jeden anerzogenen Impuls. Nicht zurückweichen, nicht nachgeben. Wollte sie durch seine zur Schau getragene Langeweile, die stumpfe Resignation dringen, war sie auf dem richtigen Weg. Ihre verfluchte Neugierde kam zu Hilfe. Wie weit würde sie gehen müssen, um ihn an das zu erinnern, was er war? Warum ging sie überhaupt ein solches Risiko ein?

Tu es nicht. Das ist nicht gut Velvra. – Sie antwortete mit einem beeindruckenden Maß an Ruhe. Velvyr. Und _das_ hier ist ebenfalls nicht gut. Der Weinschlauch wurde geschüttelt, ihm als Zeichen ihres Widerwillens entgegen gehalten. Zugleich stieg wieder Unsicherheit in ihr auf. Ging sie zu weit? Ihr kleiner „Test“ seiner Reaktionsschnelle in der Höhle vor Bajard hatte bereits zu einer völlig Durchnässung seiner Kleidung geführt und die Laune des Lethrixors nicht gehoben. Er mochte dieses Spiel amüsant finden, doch wenn sie einen Schritt zuviel tat, konnte es sie alles kosten. Andererseits – ließ sie sich nicht gerade darum auf den ungleichen Kampf ein? Um ihn an seine Rolle zu erinnern, die er spielen musste. Und um ihre unselige Neigung zu befriedigen, jede Herausforderung zu einem solchen Tanz anzunehmen. Sie war nie besonders gut darin gewesen, sich selbst etwas vorzumachen. Und sie würde jetzt nicht damit beginnen. Es war eine Mischung aus beidem, die Notwendigkeit den Lethrixor auf einen Weg zu führen der seine Kräfte dem Einen uneingeschränkt zur Verfügung stellte, und ihrem eigenen Spieltrieb.

Der Waldboden hat den Wein nicht verdient.Natürlich hat er. Vielleicht ersäuft das Grünzeug daran.

Der verbale Schlagabtausch war wenig elegant, doch ihr Partner und Gegenspieler in diesem Tanz wollte sich nicht aus der Defensive locken lassen. Sie provozierte. In jeder anderen Situation hätte sie dafür bezahlt, den fehlenden Gehorsam durch Schmerz und Demütigung gesühnt. Aber ihm war es diese Anstrengung nicht wert, und so wand sich die verhängnisvolle Spirale weiter. Sie ließ das rote Nass auf den Waldboden plätschern, den sprichwörtlichen Tropfen zuviel. Q’in ging zum Angriff über, ihre rechte Hand in eisernen Klammergriff nehmend. Doch sie ließ nicht locker, ohne ihm dabei Widerstand entgegen zu setzen. Er befahl nicht, er bat. Es war zuviel.
Doch nun ging ein Wortschwall über sie nieder.

Man bekämpft Leben nicht mit Leben, Feuer nicht mit Feuer, dummes Gör. Man begegnet Leben mit Tod. Wie stets schien sein, nun allerdings mit dem Feuer der aufkeimenden Wut vorgebrachter, Kommentar im ersten Augenblick kaum mit der Situation vereinbar. Doch sie verstand trotzdem. Loslassen würde sie aber nicht.
Spielzeug blendet, Velvyr. Seine Hand zog ihr die Maske vom Gesicht. Ihr erster Instinkt war Widerstand. Es war ihr Schutz, ihre persönliche Mauer aus dünnem Leder…doch sie rief sich zur Ordnung. Die Maske fiel, danach ihr Umhang. Zuletzt zog er einen ihrer Dolche aus dem Gürtel. Es hätte die offensichtliche Drohung nicht mehr gebraucht. Er kam aus einer anderen Welt. Einer Welt, in der nur das Überleben zählte. Doch nun war er zurück. Und er musste verstehen, dass es verschiedene Arten an Spielzeug gab. Solches, das nützlich war, sich dem eigenen Willen unterwarf. Und solches, das den Willen beeinträchtigte.

Sie überließ ihm sein Spielzeug, begann stumm ihr eigenes aufzusammeln. Genug der Provokation. Seine rubinroten Augen funkelten, lebendig geworden durch Wut. Seine Faust ließ die angestaute Energie an der Rinde eines im Weg stehenden Baum explodieren. Warum nicht an ihr? Diese Frage drehend und wendend, folgte sie ihm durch das Unterholz, dem Ziel ihrer Expedition entgegen.
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