Nungut, die Vorbereitungen waren abgeschlossen - mehr oder weniger. Feoras konnte es zwar absolut nicht leiden, wenn man ihn bei sensiblen Arbeiten hetzt, auf der anderen Seite ist es mehr als nachvollziehbar, dass Adrian und Rafael das Tor repariert wissen wollen.
Nunja, aber auch ein zur Eile getriebenes Genie bleibt ein Genie, unbeantwortet bleibt dabei nur die Frage, ob der Erzmagier eines ist. Doch zumindest auf dem Gebiet der Elementarmagie, durch die das Tor seinerzeit errichtet wurde, ist Feoras alles andere als unbedarft und seine Nähe zu der Luft, die symbolisch auch für Reise und Bewegung steht, ist dem oft liebevoll als "Luftikus" Bezeichneten alles andere als abträglich für dieses Vorhaben.
Recht schnell waren also alle Dinge zusammengepackt, die er brauchte. Wirklich viel oder besonders mag es auf den ersten Blick nicht sein... ein staubiges Buch, ein Haufen Dreck, ein verzierter Holzstecken und ein Kristallsplitter. Wahrscheinlich hätte er beim Trödler um die Ecke ein müdes Lächeln und einen halben Sack Kartoffeln im Tausch erhalten, doch ist es genau dies, was den Unterschied zwischen dem Trödler und Feoras ausmacht - denn für einen Magier sind Überbleibsel eines korrumpierten Erdelementars, ein Buch mit Schriften des Arkoritherordens, der Splitter eines Luftkristalls, in dem ein Dämon eingeschlossen war und ein Magierstab eben doch mehr als ein paar Kartoffeln. Naja, es sei denn, es handelt sich um magische Kartoffeln, aber diese Überlegung geht für den Moment wohl am eigentlichen Problem vorbei.
Mit eben diesen Dingen bepackt kam der in seine Hofmagierrobe gehüllt Mann letztlich im Schloßgarten an, der in Nähe zum Konvent liegt, aus dessen hervorragend gesichertem Artefaktkeller er einige der Dinge mitgenommen hat. Er bat die umstehenden Wachen darum, etwas Abstand zu nehmen und ihm Ruhe zu gönnen, was auch so passieren sollte.
Schon des öfteren hatte Feoras sich mit dem Tor befasst, welches einst von Calor errichtet wurde. Ein Haufen Erde und Steine, nicht sonderlich dekorativ und obendrein auch noch verschlossen und nicht nutzbar... fürwahr, das muss sich ändern. Er legte die mitgeführten Ingredenzien auf den Boden, nahm den Stab zur Hand und begann sogleich, sich auf das Lied der Eluive einzustimmen. Währenddessen furchte die untere Spitze des Stabes Symbole in den Schloßgarten - die 4 Symbole der Elemente, sodass schließlich zwei Wellenlinien, ein Dreieck, ein Kreis und eine Spirale sich zu Füßen Feoras' abbildeten. Mit einem sehr beiläufigen Handwink sorgte er dafür, dass der Kristallsplitter und der Erdklumpen sich auf das entsprechende Symbol bewegten, das Buch lag unbeachtet weiterhin irgendwo an der Seite.
Er hatte gar nicht vor, es zu lesen. Das meiste, was dort drin steht, ist ohnehin so verfasst, dass sich der eigentliche Sinn nur einem Arkorither erschließen wird. Aber es dient ihm, genau wie die andere Dinge, als optimaler Fokus. Und genau diesen nutzte er, als er sich immer weiter auf die Melodie des Liedes einließ und sich auf den Gesang der Schöpfergöttin konzentrierte. Es war ihm leicht möglich, die enorme Präsenz des magischen Tores zu erfassen, doch die Feinarbeit war hier gefragt. Ein Erdportal ist es, welches zur Reise dient und durch Arkorither beschädigt wurde. Also nutzte er genau diese wesentlichen Merkmale der drei Foki um das Bild des Tores, wie es sich in der Welt zeigte, die nur dem zugänglich ist, der mit dem Siegel der Eluive belegt ist, Stück für Stück aufzudröseln und mit der reinen Macht der Elemente die Schändung des Konstrukts zu zerstören.
Recht lange dauerte diese Prozedur, stetig glimmte der Stab in den Händen des Magiers auf, immer wieder glitzerten kleine Runen und Schnitzereien. Doch irgendwann sollte es soweit sein: Feoras hob den Stab an, rammte ihn in den Boden, genau in die Mitte der sich paarweise gegenüberliegenden Elementarzeichen und riss die bisher geschlossenen Augen auf. Die Steine, welche den "Eingang" versperrten, wurden zertrümmert, weggeschleudert, zerfielen zu Staub und waren nichtmehr gesehen. Ein Knistern lag in der Luft und starke Schwingungen durchzogen das Lied, die einjeder Magier, der sich zu diesem Zeitpunkt in Varuna aufhielt, problemlos wahrnehmen, wenn auch nicht identifizieren könnte.
Erschöpft sackte er dann auf die Knie und betrachtete das Tor mit seinen zweifarbigen Augen eine längere Zeit, doch trügte der erste Eindruck nicht - sein Vorhaben war von Erfolg gekrönt.
"Jetzt muss ich nur noch Yarin erklären, wie man es benutzt..." murmelte er zu sich selbst und rappelte sich auf, den äußerst verunsichert dreinblickenden Schloßwachen zufrieden zunickend und den Weg zum Konvent antretend, schließlich musste alles wieder an Ort und Stelle gebracht werden, er würde wohl kaum seine Artefakte hier im Garten liegen lassen...
... oder sollte sich doch ein wenig Staub vom Klumpen gelöst haben?