Die Besetzung Bajards

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Nuala
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Registriert: Freitag 5. Mai 2006, 19:39

Die Besetzung Bajards

Beitrag von Nuala »

Am späten Nachmittag waren sie gekommen, sie hatte bereits gehofft sie würden gar nicht mehr kommen. Es waren viele gewesen. Beinahe so viele wie Bajard Bürger hatte. Wie hätten sie sich dagegen wehren können? wie? und was wollten sie überhaupt hier? Diese Fragen stellte sie sich immer wieder während des ganzen Tages.
Die Menekaner waren also doch gekommen. Zum Schutze Bajards? Das glaubte beinahe niemand. Doch die Devise lautete wie immer: Stillhalten und abwarten! Was sonst konnte man tun? Also führte man die Eindringlinge durch die Stadt, zeigte ihnen alles und lies sie in dem glauben, nun das wichtigste über Bajard zu wissen.
Die Nachricht war eindeutig gewesen. Wir haben nun hier das sagen!
Sie spielten sich auf, als hätten sie schon immer über Bajard geherscht. Verständniss für andere schien Menekanern ein Fremdwort zu sein, doch das hatte sie bereits gewusst.
Dennoch ärgerte es sie jedesmal wieder miterleben zu müssen, was diese für selbstverständlich hielten, worüber sie nichteinmal ein widerwort zuliesen.
Bajard beschützen? Den einzigen Schutz den Bajard momentan benötigte war der vor den Menekanern.
Wie lange würden die Bürger sich das gefallen lassen?
Raakin Yazir

Beitrag von Raakin Yazir »

Am späten Abend legte sich der Großwesir Menek'urs Raakin Yazir selbstzufrieden in sein federweiches Bett. Er war sich sicher das, obwohl die Bürger Bajards sich nun in ihrer Freiheit beraubt fühlten, es der sicherste Weg gewesen war Stabilität in die vom Chaos regierte Region zu bringen. Der Emir in seiner grenzenlosen Vorraussicht und Weisheit sah diesen Feind schon lange bevor die Einheimischen auch nur eine Ahnung davon bekamen. Er beschützt sie also nicht nur vor den Gefahren die von außen, vielmehr auch vor denen die von innerhalb dieses vermeintlich sicheren Fischerdorfes auf die unbescholtenen und friedliebenden Bürger Bajards lauerten.

Natürlich wusste Raakin auch das Bajard sich winden würde unter dem Schutz welchen das neutrale Händlervolk ihnen zuteil werden liess, doch hoffte er darauf das die Vernunft schliesslich Einzug halten würde und die Bürger Bajards schliesslich erkennen würden, daß dies eigentlich die größte Gnade Eluives gewesen sein musste die Ihnen zuteil werden konnte.
Fuad Ifrey

Beitrag von Fuad Ifrey »

Ein großer Aushang wird in Bajard angebracht. Und auch berittene Boten senden folgende Botschaft auf Gerimor aus.

"Am morgenigen Tage, die Mitte der Woche, wird ein Fest zu ehren, der wohlenden Zusammenarbeit zwischen den Friedentruppen und Bewahrern Menek'urs und der Stadt Bajard ein Basar stattfinden.
Barden seien angeheißen Lieder der Freude, in dieser Zeit des Krieges, mitzubringen.
Händler aus aller Ecken seien Eingeladen, ihre Waren in Bajard feil zu bieten.
In Bajard solle es vergessen sein, wer mit wem Kriege führt.
Bajard solle ein Zeichen des Frieden und des aufstrebenden Handels sein.

Der beginn des Basars sei zur achten Abendstunde."
Zuletzt geändert von Fuad Ifrey am Dienstag 22. Mai 2007, 14:13, insgesamt 2-mal geändert.
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Nuala
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Registriert: Freitag 5. Mai 2006, 19:39

Beitrag von Nuala »

Ein Fest? fragte sie sich, als sie den Aushang las. Was sollte das denn bringen? Nun gut, zumindest werden sie dabei wohl feststellen, wie sehr sich die Barjader über die Ankunft der Menekaner freuten. Die Menekaner schienen weiterhin zuglauben, sie konnten das Dorf behalten, wenn sie weiterhin so vorgingen wie bisher.
Doch Sie wusste es besser. Der Widerstand gegen die Besatzer mehrte sich allmählich, überall in den Straßen und Häusern hörte man die unzufriedenen Bürger miteinander Tuscheln und über die Menekaner lässtern, sobald keine Wache in der nähe war. Bajard lebte durch seine Freiheit und die war ihm momentan genommen worden.
Das fühlte jeder Bürger und beinahe jeder schien das ändern zu wollen. Hier und da wurden bereits überlegungen angestellt, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe die Truppen los zu werden.
Ein Fest sollte diese Meinung ändern?
Eher den Widerstand nähren und lange würde er wohl nicht mehr so friedlich verlaufen wie bisher, auch wenn Beldan sich nach Kräften danach bemühte die Bürger zu beruhigen. Früher oder später würde die Lage eskalieren, es war nur eine Frage der Zeit, würde Menek'ur weiterhin über Bajard bestimmen wollen.
Lairja Scherenbrueck
Beiträge: 12
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Lairja Scherenbrueck »

Da hatte sie sich ja den besten Zeitpunkt zum Heimkommen ausgesucht. Sapperlott noch mal. Bajard besetzt von den Menekanern. Friedensbringer nannten sie sich. "Türe nicht öffnen, nichts verkaufen.....", wiederholte sie leise Rythens Worte, der gerade gegangen war. Aber den nötigen Respekt zeigen, sobald man auf einen von ihnen trifft, weil sonst der Herr Beldan zur Rechenschaft gezogen würde. Sich das noch mehrere Male vorsagend, liess sie sich auf einen der Stühle fallen.

Die menekanische Wache am Hafen Bajards hatte ihr schon einen ersten gehörigen Schrecken versetzt, als sie endlich das Schiff verlassen konnte. Das muss aber nichts bedeuten, versuchte sich die junge Frau zu beruhigen. Bestimmt sind sie nur hier, um Handel zu treiben. Aber der dunkelhäutige Mann stand da in seiner Uniform, als gehöre er einfach dort hin, so ganz selbstverständlich. Irgendwie war es ruhiger, kaum jemand auf der Strasse, weit und breit kein einziger Bajarder Wehrler. Etwas stimmte nicht, absolut nicht. Mit einer fahrigen Handbewegung wischte sie diese Gedanken beiseite. Erst mal nach Hause. Auf dem Weg dorthin, nahm sie eher nur beiläufig die verschiedenen Anschläge an manchen Häuserwänden wahr. Es wäre eh nutzlos gewesen, stehen zu bleiben, auch wenn diese schnörkeligen Schriftzeichen sehr hübsch aussahen. Lairja hätte sowieso kein Wort davon lesen können, geschweige denn schreiben, gleich ob in ihrer Sprache oder einer anderen. Vorsichtshalber beschleunigte sie ihre Schritte. Das mulmige Gefühl in der Magengegend nahm zu.

Das hektische Treiben, als Eleyni ihre Sachen am Hof packte, tat ein übriges dazu, um sie endgültig zu verunsichern. Da half auch die Erklärung nicht viel, das diese einen eigenen Hof für sich gefunden hätte. Der bedeutungsschwangere Satz: "Bleib hier, Leanne braucht dich jetzt", verstärkte Lairjas Verwirrung eher, als das es einen Nutzen hatte. Der Wunsch, auf dem Absatz kehrt zu machen und auf das nächst beste Schiff zu steigen, so lange es noch ging, war nicht mehr so leicht zu unterdrücken. Die Tür fiel hinter der aufgeregten Eleyni ins Schloss und da stand Lairja jetzt erst einmal, allein in einem einzigen Durcheinander und einer plötzlichen Stille, die ihr in diesem Moment mehr als unheimlich war. Vielleicht hätten sie damals Nias Bretter doch nicht von den Fenstern nehmen sollen, als er alles verbarrikadiert hatte.

Völlig verstört und erschlagen von den ganzen Neuigkeiten, die da beinahe im Sekundentakt auf sie eingeprasselt waren, versuchte Lairja irgendwo einen Ansatz zur Normalität zu finden. Erst einmal die Taschen ausräumen und dann vielleicht einen Kuchen backen, eine Suppe kochen? Ja das war vernünftig....das war wie immer.... da konnte sie nicht durcheinander kommen. Da kannte sie sich aus.
Und die Katze bestechen, das sie ihr nicht mehr demonstrativ den Rücken zukehrte und dabei vorwurfsvoll maunzte. Ja erst einmal so tun, als wäre alles in bester Ordnung und dann langsam beginnen zu sortieren. Leanne und Herrn Beldan fragen. Oberster und wichtigster Punkt auf ihrer in Gedanken geführten Liste. Aber nicht sofort, das musste bis morgen warten. Erst der Kuchen....
Sylvian Karex

Beitrag von Sylvian Karex »

Die vielen Augen Bajards waren am späten Abend Zeugen einer besonders gelungenen Vorstellung. Fuad Ifrey, jener Wüstensohn der sich den Bürgern als Stadthalter präsentierte, ging die Straße entlang. Ihm im Gefolge eine der Wachen der menekanischen Besatzer. Ihren verzierten Säbel gezückt, führte sie vor sich einen, in Bajard wohlbekannten, braungemantelten Mann. Sylvian Karex, Verkäufer des 'Klingenhandels', schritt, vom Säbel geführt, des Weges.

In Zeiten wie den diesen, würde ein solcher Vorfall schnell die Runde im Fischerdorf machen. Verschiedene Gerüchtefetzen über eine Anklage, ob der verbreiteten Hetzschriften; einer Verhandlung am nächsten Tage zum Feste hin oder auch der Abreise der drei Personen auf einem der menekanischen Schiffe sind überall aufzuschnappen.
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Arias Lasanar
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Registriert: Dienstag 3. Juni 2014, 06:35

Beitrag von Arias Lasanar »

Es waren keine glorreichen Tage, die er erleben musste, und es waren keine schönen Aussichten, die sein Handeln erwarteten. Die Luft wurde eng für das Volk der Bajardi, die Schlinge, die Menek'Ur ihnen umlegte, zog sich nach und nach, mit jedem Tag, jeder Stunde, weiter zu und drohte nicht nur den Widerstand, wohl gleich das gesamte Volk zu ersticken.

Er hatte bereits vernommen, wie man seinen Freund und Schlachtgefährten Sylvian gefangen nahm, aye, es war so durchsichtig, wie man es sich kaum wünschen könnte, hätte er sich zu anderer Zeit an einem anderen Ort mit anderen Ressourcen darüber erfreut, einen so gradlinigen Feind gegenüpber zu stehen, so hinterließ die aktuelle Situation einen Grundton der kalten Wut in seinem Denken, sein handeln war nunmehr darauf bedacht, zu überleben und den Weg notfals weiterzugehen, den er eingeschlagen hatte.

Es war das unrecht das ihnen widerfuhr. Ein Aufschrei hätte durch alle freien Völker Gerimors gehen müssen, an dem Tag an dem Menek'Ur seine verfluchten und verdammten Friedenstruppen nach Bajard entsendet hatte, doch er blieb aus.

Es wurden Kriege geführt über nichts und wieder nichts, über Gefangennahmen und Beleidigungen, doch dort, wo das von ihnen zu bekämpfende Unrecht sich selbst in einer neuen Weise proklamierte, dort sahen sie zu und spotteten noch über die stolzen Bajardis, die sich dem Diktat der Wüste nicht zu beugen gedachten.

Hundesöhne, allesamt, das war der eindeutige Tenor, den er verspürte, doch er würde sein Leben zu einem Gewicht machen, wenn nötig, er würde wieder in Bajard die Leute anführen, die ihr vertrauen in seine Hände legten. Mochte Beldan sein Gegenpol sein, mochte er ein alter, ängstlich gewordener Mann sein, er war noch immer einer der ihren und nicht ein eingeschleppter Hundesohn der Wüste, wie sie an jeder Strassenecke standen und sich auf ihre Lauthalsige Weise in der ihm so madigen Sprache unterhielten, die für ihn wie das Gegacker von Hennen klang.

Er hatte sich nun Stunde um Stunde gedanken darüber gemacht, welche Taten folgen sollten, und er war sich bewusst, das die Hilfe von ausserhalb, entgegen eines Angriffes durch jedwede andere Machtkonstellation, ausbleiben würde, und so ritt er in einem sachten Schritt durch die Strassen Bajards, auf dem Weg zum requirierten Hause des Bürgermeisters.

Requiriert. Unglaublich.
Nun, das Schicksal würde zeigen, ob Horteras bereit währe, ihnen die weitere Freiheit zu schenken oder ob der Stolze Stamm des Volkes für immer in Ketten liegen sollte, eine überlegung die ihm etwas einflösste, das nahe der Angst lag, der puren Angst um seine heimatliche Existenz.

Er hatte viele Schlachtfelder bereist, und viele Männer sind durch seine Hand gestorben, doch der Kampf der sich nun offenbahrte war der Kampf um seine Heimat, die Erde, aus der seine Ahnen erwuchsen und starben, das Land auf dem er aufwuchs, das ihn nährte.

Das Rauschen des nahen Meeres war nun stark zu vernehmen, wie er am Hause des Bürgermeisters halt machte, im Augenwinkel noch vernehmend, wie die Figur der Josephine Croix sich aufmachte, Land zwischen ihn und sich zu bringen. Besser so, war sein Gedanke, er würde sich zu einem anderen Zeitpunkt die Muße nehmen, mit ihnen abzurechnen. Zuerst die Heimat, bläute er sich ein.

Er traf einen Schatten des Mannes an, der einmal Beldan Scherenbrueck war und nach einer Unterbrechung durch eine Priesterin der Eluive, wie sie sich selbst schimpfte, war es auch soweit, das er, der Pol des Krieges, sich mit ihm dem Pol des Friedens für einige Zeit an eine Tafel setzten um darüber zu debattieren, welchen Weg man nun einschlagen werde.

Arias unterbreitete ihm Vorgehensweisen, die er auf seinen langen Jahren in den fernen Kriegsschauplätzen der Welt gelernt hatte, nicht wenige davon wahren gefährlich und mochten auf sie wie ein Donnerhall zurückfallen, doch was blieb ihnen in dieser Situation übrig, dachte er sich wieder und wieder, und fuhr fort.

Eine Grundeinigung gab es: Die Besatzer würden nicht mit den Freundlichsten Worten gesprochen von Engelszungen das verlassen, was sie einmal in beschlag genommen hatten. Dies schloss eine friedliche Lösung weitgehend aus, doch nun war es an der Zeit, alle zu befragen.

Was würde er tun, wenn dieser Volksentscheid besagen würde, das sie sich beugen, das sie nicht kämpfen werden? Er sah das Ende des letzten freien Volkes auf Gerimor bedroht, doch er würde nicht gegen den Willen seiner Landsleute handeln, nicht im offenen noch im geheimen.

Er hatte zuviele Wichtigtuer in den letzten Tagen empfangen müssen, Handwerker und Bauern, Mänenr aus fremden Gestaden, die nicht nur ihre Hilfe anboten, die Hilfe von Männern ohne Namen, nein, vielmehr schienen sie erpicht darauf, ihre grossartigen Schlachtpläne auszumalen. Menschen, deren Leben darin bestand Diener zu sein, so sie dann je im Kriege kämpften, oder sich auf ihr Handwerk verstanden, traten an ihn heran und mit leichter Zunge und der überzeugung der Genialität ihres eigenen Vorhabens raubten sie ihre kostbare Zeit, denn sie hatten besseres zu tuen, als den Worten von Wichtigtuern zu lauschen.

Nachdem der letzte dieser Sorte abgefertigt war, schlossen Beldan und Arias einen letzten Konsens, man würde die Bürger befragen.

Dies war eine Prüfung des Schicksals und wenn sie diese bestehen sollten, so war es Wille der Götter.
"You smell of death and destiny. Heroics and heartbreak." - "It's onion."
Armaiti Omar

Beitrag von Armaiti Omar »

Seichte Nebelfelder suchten sich den Weg zwischen den Häusern entlang, umschmeichelten die Wissen und Felder, um in wenigen Stunden einen sonnigen Tag zu versprechen.
Armaiti hatte in jener Nacht keine Ruhe gefunden und streite über die Wiesen vor Bajard.
Es war so ruhig, so friedlich gar.
Doch Unfrieden hatte die junge Priesterin nicht schlafen lassen, zu lange hatte sie in ihren Kissen gelegen, sich gewendet und unter leisen Seufzer dreht, bis sie schließlich aufgestanden war.
Die Gassen lagen friedlich schlafend vor ihr, bis auf…
Armaiti hielt inne, ihre Sinne waren ob der fremden Umgebung geschärft.
Langsam wand sie sich herum und einen Moment trügte die Dunkelheit ihren Blick, ehe sie die zwei Augen sah, die sie nun ihrerseits anstarrten.
Armaiti mochte unerfahren sein, ob der Gefahren, die lauern konnten, doch erfahren genug, um die Reinheit jener Augen gleichwohl zu erkennen.
Vorsichtig trat die kleine Erscheinung aus der Dunkelheit auf sie zu, von Neugierde getrieben, die ihre Angst zu verdrängen vermöchte.
Armaitis Augen glitten sanft über das magere Mädchen, die so ungewöhnlich blonde Haare hatte. Natürlich faszinierte Armaiti die helle Haut, die blauen Augen und das blonde Haar jener Menschen hier.
Und doch schmerzte sie der Anblick jenes jungen Mädchens.
Sie trug nur ein dünnes Leibchen, welches die raue und entzündete Haut deutlich zum Vorschein brachte.
Armaiti hing in die Hocke und wohl mochten die vielen silbernen Kettchen, die ihre Stoffe verzierten, die Aufmerksamkeit des Kindes erwecken.
Mit sachter Geste legte Armaiti ihr das Haar zurück und betrachtet den entzündeten Körper.
Sie begann mit sanfter, flüsternder Stimme, leise eine Geschichte zu erzählen.
Eine Geschichte, die sie sich nicht ausdenken, deren Worte sie nicht reimen musste.
Die Geschichte, ihre Geschichte der Schöpferin Eluive. Und immer mehr vermochten ihre Worte das Mädchen mit auf die Reise nehmen, sanft eintauchend in den Quellsee des Berges, zu jenem sie zu jedem Gebete kehrte, dessen kühles Nass ihren Leib umgibt, die unendliche Stille sie einhüllt.
Doch heute war sie nicht alleine, heute nahm sie das Mädchen mit sich, Hand in Hand sanft in die heilenden Wellen eintauchend, wo die Stille alsbald von einer schier unbeschreiblich schönen Stimme abgelöst wurde.
Kurz blickte Armaiti zu dem Kind, doch sie lächelte; aiwa, ihre Seele war rein, nur so hatte Armaiti sich getraut, sie in jenes Reich mitzunehmen.
Lächelnd betrachtete Armaiti, wie die heiligen Quellen die Haut des Kindes heilend umschmeichelten und in einem dunklen Schwall, der Entzündungsherd aus ihrem kleinen Leib gespült und mit den Fluten verschluckt wurde.
Langsam, mit großen Bedacht, führte sie das Mädchen wieder zurück und als die ersten Sonnenstrahlen der echten Welt aufkamen, wickelte Armaiti das Kind in ihren edlen Umhang, klopfte an der Tür und übergab der müden Mutter das schlafende Kind in die Arme.
Mit ruhigem Lächeln stellte sie wortlos eine kleine Tasche mit sonnengereiften Früchten hin und kehrte nun doch endlich müde und sich nach Schlaf sehend heim.
Der seichte Wind wehte um ihr Gesicht, als sie auf dem Deck des Schiffes ihre Heimreise antrat und ihre Gedanken schweiften zurück.
Warum bauten sich derlei Mauern gegen sie auf.. Warum sperrte man sich gegen die Hilfe ihres Volkes? Sie waren friedlich gekommen und würde friedlich heimkehren, wenn die Großmächte endlich wieder zur Ruhe gekommen wären.
Natürlich war jenes Vorhaben nicht nur aus reiner Nächstenliebe entstanden.
Bajard war seit jeher wichtig für Menk’ur, ein beliebter Handelsplatz, den sie nicht verlieren wünschten. Und gewiss würden einige Regelungen ihres Volkes dort von Nöten sein, da man nun mal nach bekannten Mustern agieren sucht.
Doch.. was war das wirklich? Warum war dort jene Abneigung gegen jede hilfereiche Hand?
So, wie jenes Kind, so schutzlos, war doch auch jenes kleine beschauliche Dorf.
Es verfügte kaum über genügend Schutz durch sich selbst.
Wollten sie lieber zwischen den Mühlen der Großmächte geraten?
Sollte der dunkle Alatar sein Gift dort verspritzen?
Würde Varuna Halt machen, wenn Bajard nützlich im Kampf gegen das Dunkle wurde?
Was wäre da ein Dorf? Nur mehr ein Kriegsschauplatz, dessen Bewohner zu Marionetten würden.
Sie mochte noch nicht viele Kriege gesehen haben, aber sie war in Varuna, einen Tag nachdem der Drache es heimsuchte.
Und die dunkle Macht erschien Armaiti ebenfalls eines Drachen gleich, dessen gieriger Schlund und dessen feuriger Odem alles verschlingen würde.
Aiwa, sie verstand, dass die fremde Kultur Menek’urs den einfachen Menschen Bajards Sorge bereitete.
Doch hoffte sie sehr, dass die Stimme einer Priesterin der Eluive, die des Kriegshandwerks so fern war, wie das Kind dem Manne, friedlich auf die Bürger einwirken könnte.
Ihre Gedanken hatten sie gefangen und erst, als die Wachen ihr höflich das Tor zum Palast öffneten, wurde ihr gewahr, dass sie wieder zu Hause war.
Die Schuhe abstreifend verloren sich alsbald die kleinen klirrenden Glöckchen, die die Flure des Palastes erfüllten.
Nun würde sie vielleicht den ersehnten Schlaf finden.
Velvyr´tae

Beitrag von Velvyr´tae »

Ein leises Scharren. Leder über Holz, ein gedämpfter Laut. Die Finger der Lethra schließen sich um einen Ast, ziehen sie weiter in das Geäst. Ein wachsamer Blick nach unten. Die Dämmerung weicht langsam der Nacht, nur die Lichter Bajards beleuchteten die Szenerie wie ferner Fackelschein. Die Fußsohlen, geschützt von weichen Lederstiefeln suchen Halt, rutschen ohne Vorwarnung. Ein Knirschen, wie von zwei Zahnreihen die überrascht aufeinander scharren, dann findet sie wieder sicheren Halt.

Konzentration, dummes Ding.

Zorn keimt auf, auf sich selbst, auf die borkige Textur des Baumes unter ihr. Sie kann sein Leben spüren, die Ruhe, die Ergebenheit. Und sie hasst es, giert nach einem Akt der Zerstörung um ihre Anspannung zu lindern. Doch sie muss sich gedulden. Sie hatte in den letzten Wochen zu oft versagt. Das Schwert - in den Händen der Ketzer. Der Drache - verschwunden ohne Hinweis auf seinen Aufenthalt.

Ein Paar Augen von der Farbe klarsten Bernsteins bohrt seinen Blick in ihre, Zorn flackert darin wie ein eingeschlossenes Insekt, unheilverkündend.

Ein Schauer läuft über die Schultern der Lethra, dann presst sie ihre Finger in die Rinde des Baumes. Genug der Erinnerung. Sie nimmt auf dem Ast eine gebeugte Haltung ein, sich der Krümmung des Holzes anpassend. Das dunkle Grün und Braun ihrer Kleidung lässt sie für flüchtige Beobachter mit den Schatten verschmelzen, der Atem verlangsamt sich immer weiter. Sie hat gelernt, in dieser Haltung Stunden ohne Regung zu verbringen, alles Streben und Sein auf einen winzigen Punkt reduziert. Lediglich ihre Augen, zwei smaragdgrüne Punkte inmitten nachtblauer Haut bewegen sich, beobachten wachsam die Umgebung Bajards.

Beobachte das Dorf. Truppenbewegungen in der Umgebung, ihre Stärke, ihre Frequenz.

Die verborgene Höhle nahe der Küste hat dazu ihren Dienst geleistet. Ein unangenehmes Lächeln schwingt die dünnen Lippen der Jägerin zu einem Bogen. Ob die Verbrannten ahnten, welch Unheil sich in ihrer Nähe befand? Es würde ein amüsantes Spiel werden, dirigiert aus den Schatten. Und sie gefiel sich in der Rolle einer Spielfigur, stets bereit an den Fäden des Marionettenspielers zu zupfen, ihn zu lenken.
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