Im Schloß
Es war von Vorteil, fast einen Tag auf gepackte Taschen zu starren, ehe man sich voreilig entschloß, alles an seinen gewohnten Platz zu bringen. So standen sie noch griffbereit, als die Order der Ritterin sie durch einen der Gardisten erreichte: „Fräulein Shaya und Ihr habt Euch umgehend im Kloster einzufinden und für die Genesung seiner Hoheit Sorge zu tragen. Befehl von ihrer Hochgeboren von Elbenau!“
Sie drehte sich auf dem Absatz herum, stapfte die hohen Treppen Richtung Gesindestube hoch und murmelte wütend vor sich hin.
„Sehr wohl Euer Hochgeboren! Wie Ihr wünscht Euer Hochgeboren! Des Grafen Hintern pudern? Wird uns eine Freude sein Euer Hochgeboren!“
So und so ähnlich setzten sich die Schimpftiraden noch eine Weile fort, während sie daran ging die Vorratskammer zu plündern, dem Koch Anweisungen zu erteilen, was er alles vorzubereiten hatte und das möglichst gestern!
Drohte Gefahr? Würde der Aufenthalt im Kloster länger dauern? In welchem Zustand würde sie den Grafen wohl antreffen? Und was wäre bei allen Drachenschwänzen, wenn sie zu wenig...? Zu wenig! Sie hatten sicher zu wenig eingepackt!
Shaya konnte sie um Hilfe nicht bitten, sie war unterwegs in den Wäldern, um Rehe, Hasen und Fasane zu jagen. Morgen erst wollte sie zurück kommen.
Abermals fluchte sie vor sich hin und machte sich daran weitere Taschen zu packen.
Diese verflucht störrischen Rüstungen ließen sich einfach nicht so schön zusammen falten, wie es sich für normale Gewandung gehörte! Dann eben anders herum. So begann sie die Rüstungshälften jeweils zu schließen, als würden sie am Körper sitzen und stopfte Hosen, Hemden, Stiefel und was sonst noch paßte in die Hohlräume hinein. Aus einem Visier eines Helmes lugten Rüschen hervor... wohl eines der feineren Abendgewandung zugehörig.
Um das Bett ihrer Hochgeboren von Elbenau lagen nun alle erdenklichen Rüstungen, ausgestopft mit allem was Savea für nötig befand, gleichsam stellte sie fest, dass sie diese niemals allein zum Kloster schaffen könnte.
Dem nächstbesten Gardisten trug sie auf, die Rüstungen ans Kloster liefern zu lassen und schnappte sich die gepackten Taschen.
Sie hatte Varuna noch nicht verlassen, als ihr Gang schleppender wurde und die Wangen rot vor Anstrengung. Sie hielt inne, für einen Augenblick des Verschnaufens. Ein Wink Temoras mußte Herrn Rotghar auf ihren Weg geführt haben, bot er sich doch an, ihr behilflich zu sein.
Das Angebot schlug sie nicht ab.
Dass sie weiterhin recht langsam zu Fuß war, lag nicht am Rest der Taschen, die sie trug, sondern vielmehr an den kleinen Beuteln, die sie sich mit feinem Seil unter der Kleidung an den Körper gebunden hatte. Mit Bandagen hatte sie jene zusätzlich fixiert, damit bei Bewegung nicht der Inhalt sich verriet. Sie hatte zuvor nicht geahnt, wie schwer Münzen wiegen können. War es das, was man mit reicher Beute meinte? Sie wäre nun eine solche gewesen.
Im Kloster
Seine Hoheit sah wahrlich nicht ansehnlich aus, das Übrige taten die Anwesenden in seinem Gemach, die ihn unter keinen Umständen allein lassen wollten, sei es seiner Genesung nun zuträglich oder nicht. Voller Mißtrauen begegneten sie ihr, als könnte sie sich auf ihn stürzen, um ihm den Rest zu geben. Hätte sie dies gewollt, wäre das bereits beim Eintreten geschehen.
So blieb ihr nur, die Augen zu verdrehen und insgeheim zu bitten, Temora würde denen Verstand schenken, die ihn benötigten. Erst als sie anbot, die Herren dürften gern dabei zusehen, wie sie ihre Hoheit waschen würde, verließen sie mit Gebrumm das Klostergemach.
Als nun Ruhe einkehrte, machte sie sich bereit mit seiner Hoheit einen Kampf auszufechten, ob Hühnersuppe kräftigend sei, oder seinen Magen postwendend wieder verlassen würde, jedoch war er nur allzu bereit, sie zu löffeln, nachdem ihm der dampfende Geruch in die Nase gestiegen war. Das ließ sich besser an, als sie erwartet hatte!
Spät am Abend dann bestand seine Hoheit darauf mit seiner Erlaucht de Arganta zu sprechen, der schlechter Laune durch den Klostergarten stiefelte, den Grund dafür aber nicht preis geben wollte, was sie ihm, aus Rücksicht seiner Hoheit gegenüber zu Gute hielt.
So machte sie sich daran, alle Taschen auszupacken und in einer bereit gestellten Truhe zu verstauen. Auch die gefüllten Rüstungen waren inzwischen eingetroffen.
Feuer vor Varuna, Hühnersuppe und Drachen
Noch während sie seiner Hoheit Hühnersuppe servierte, platzten ‚Besucher‘ mit neuerlichen Schreckensmeldungen herein.
„Feuer vor Varuna Euer Hoheit, aber nichts was Euch sorgen müßte! Wir haben die sich nicht ausbreitenden Brände unter Kontrolle!“
War denn niemand in der Lage zu erkennen, dass Aufregungen seiner Hoheit Genesung eher abträglich waren? Es nicht viel nützen würde, würde er versuchen sich aus dem Bett zu bewegen, wie Männer es gern taten, gerade dann, wenn sie zur Tatenlosigkeit verdammt waren?
„Alles zu seiner Zeit.“ bediente sie sich eines alten Sprichwortes.
„Wir haben Krieg, da ist Zeit ein Luxus.“ entgegnete ihr Frau Llastobhar.
„Die Suppe Euer Hoheit...“
Als der Truchsess Anstalten machte aufzustehen, sprach sie resolut.
„Verzeiht mir meine vorlauten Worte Hoheit, wegen derer ich vielleicht mal am Pranger landen werde..“ „Entweder das, oder Schlimmeres.“ warf er ein, ehe sie fort fuhr. „...aber ehe Ihr nicht persönlich in der Lage seid, mich an jenen zu schaffen, werdet Ihr das Bett nicht verlassen.“ Trotz seines Einwurfes, ließ er sich zurück in die Kissen sinken.
„Hoheit, wir wissen nun woher die Brände rühren... es ist ein wieder erweckter Drache, der offenbar unter dem Schatten des Brudermörders fliegt.“ So oder ähnlich waren die nächsten Meldungen, die seine Hoheit dazu veranlaßt hatten, sich ruckartig aus dem Bett begeben zu wollen. Die Wunde an seiner Seite und ihre Hände, die darum bemüht waren ihn im Bett zu halten, indem sie seine Schultern herunter drückte, vereitelten seinen Versuch.
Knapp gab er Anweisungen und bat dann um ein wenig Schlaf, um Kraft zu sammeln, für weitere Anweisungen, die vielleicht nötig würden. Bei wichtigen Meldungen empfahl er Savea, ihn zu wecken.
So blieb sie an der Tür stehen, seinen Schlaf ‚bewachend‘ und von Fall zu Fall entscheiden zu wollen, was Wichtig sein würde und was nicht.
Belehrungen bei Hühnersuppe und wichtige Meldungen
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Savea Falkenlohe
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