Hin und wieder bricht das mit dem man überhaupt nicht rechnet über einen herein, und man ist völlig entwaffnet, dem hilflos ausgeliefert.
Genau so ging es in diesem Augenblick Baheera. Sie konnte den Blick von dem Schmied nicht abwenden, der in ehrlicher Trauer den Wunsch äußerte.
Zuerst war sie gewillt, dem Glauben zu schenken, war es doch für sie beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, dass er um einer der Perlen der Wüste trauerte. Ja, sogar gestand, dass Freundschaft zwischen ihm und ihr bestanden hatte. Aber in seinen Augen erkannte sie die Wahrheit und ohne zu zögern willigte sie ein, jenes um das er sie bat zu tun.
Sie versprach es sogar.
Nun stand sie da vor dem Altar Eluives auf dem heiligen Berg in ihrem schönsten Kleid zu Ehren Eluives.
Konzentriert arrangierten ihre Hände weiße, duftende Blüten auf dem Altar. Blüten, die sie für diesen Anlass mühevoll in der Wüste gesucht hatte. Dann kniete die kleine Person nieder und in aller Stille und Demut sprachen ihre Gedanken zu Eluive, gedachten einer verstorbenen Frau, die sie nie gesehen hatte.
Dann zündete sie einer der Kerzen von Thancred, die er ihr fürsorglich in die Hände gedrückt hatte, an.
Zwei hatte sie noch, die würde sie dann wie versprochen in den Hallen der Ahnen entzünden. Noch einmal verweilte der Blick der großen mandelförmigen Augen auf dem Altar, dann erhob sie sich, um den langen und gefährlichen Weg durch die Wüste anzutreten. Sie trug keine Waffe bei sich, nichts nur ein wenig von Eluives Tränen und die zwei Kerzen von ihm.
Nach dem beschwerlichen Weg durch die Wüste hatte sie ihr Ziel erreicht.
Kaum würdigte sie dem Sand, den der Wüstenwind in die Hallen geweht hatte, Beachtung und kniete nieder.
Vor sich platzierte sie die beiden Kerzen und entzündete jene. Vorsichtig streut sie ein wenig von Eluives Tränen darüber, was die zischenden Flammen begierig sogleich verschlangen.
Mit gesenktem Haupt formte ihr Geist Gedanken, der Toten zu Ehren und des Mannes, der sie nicht vergessen hatte und wohl, dessen war sie sich sicher nie vergessen würde.
Was für eine Frau war sie?
Einzigartig sicher, wenn sie die Freundschaft eines Festländers gestattet hatte.
Baheera bedauerte nun an diesem Ort zutiefst nichts über sie zu wissen, noch je etwas über sie in Erfahrung bringen zu können.
Mit keinem würde sie darüber sprechen.
Tote haben ein Anrecht auf ihre Geheimnisse und der Lebende auch.
Lächelnd blickte sie noch einmal auf die brennenden Kerzen, deren zuckendes Licht mächtige Schatten auf die Wände der Hallen warf. Dann erhob sie sich und machte sich nachdenklich auf den Heimweg zur Stadt.