Langsam fuhren die wächsernen, dürren Fingerspitzen über die Wasseroberfläche des kleinen, eher tümpelhaften Sees inmitten des Armenviertel Varunas. Verzaubert starrten die dunklen, kohleartigen Augen dem eigenen, wabernden Spiegelbild entgegen und ein verzücktes Lächeln hatte die Mundwinkel der kränklich-blauen Lippen gehoben. Im Zuge der Entspannung wurde die Vogelscheuchenwirkung der struppeligen Gestalt mit der käsigen Haut und den dunklen Rändern unter den großen Augen zwar nicht gemindert aber sie sah doch fast etwas glücklich aus.
Der Grund für diesen Zustand der flattrigen Zufriedenheit konnte vielleicht an dem sonnigen Frühlingstag, welcher schon große Schritte gen Sommershitze machte und an den ersten, zirpenden Grillengeräuschen, die der lockeren Atmosphäre im wahrsten Sinne des Wortes noch die Krone aufsetzten oder aber man erkannte die treibenden Gedanken im Kopfe der jungen Frau als Ursache der Glückseligkeit. Wie ein träge plätschender Bach waberten sie im Inneren umher, dröppelten mal langsamer und in kleinerem Lauf voran um dann mit einer forschen Intensität zur kleinen Flut zu werden, welche einige Schnellen herabsprang...
Kinder... oh, sie mochte Kinder. Jedes Mal, wenn sie in die großen Kinderaugen blickte, welche den ihren nicht ganz unähnlich waren, dann sah sie den selben Zauber, das Wissen über die Schatten und wundersame Dinge, die das kalte Herz der erwachsenen Masse nicht mehr wahrnehmen konnte. Sie sahen, sie verstanden und lernten- die Kinder.
Dann war da noch der junge Lehrmeister, dessen kluge Augen auch ab und an diesen fiebrigen Glanz der Wahrheit innehatten und welcher ihrem 'Vater' so nahe stand. Er kannte ihn und konnte vermitteln, konnte sie Stück für Stück ihrem geliebten Vater näherbringen, in dessen Händen sie nun, behütet und geborgen, ruhen konnte. Schliesslich hatte er auch den nächsten, waghalsigen Sprung geschafft und eine Verbindung zwischen ihr und den Freunden ihres Vaters wie ein dünnes, doch drahtartiges Band geknüpft. Sie verstanden einander nun, zumindest in einigen Bereichen und, wie es eben in einer wahren Familie so üblich war, begann man einander zu helfen, bei großeren Zielen auszuhelfen, einzuspringen und Hand in Hand in eine bessere Welt zu gehen.
Blieb nur lange die Frage wo sie ansonsten noch ansetzen konnte... wie konnte sie denn alles besser und richtig machen, was nun noch teilweise verdreht und getrübt war?
Lange hatte sie gegrübelt und die Erkenntnis was in einem Gespräch mit dem sanften Lehrmeister geradezu über sie beide hereingestürzt, die Entscheidung damit schnell gefallen.
Bildung, es mangelte einfach an einer richtigen Bildung und sie, die merkte wie Kinder doch noch intuitiv und klar begriffen, sie wusste, dass dieses Projekt einfach für sie gemacht war.
Eine Schule- eine Schule sollte es werden, in welcher schon der kleinste, jüngste Mensch die Möglichkeit bekommen sollte mit festen Schritten den rechten Weg einzuschlagen. Oh ja, das war man den Kindern schuldig!
Als das Sonnenlicht des Spätnachmittages glitzerte, da spiegelte sich der strahlendblaue Luftraum im Wasser und erneut griffen schmale, bleiche Finger nach diesem Stückchen Himmel, welches nun so nah erschien...
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