Als Albea die Unbekannte an ihrem Tisch einlud, bestand Lythianas einzige Begrüßung aus einem angedeuteten Kopfnicken. Sie hatte momentan für genau zwei Dinge Interesse: Das bestellte Essen, das eigentlich schon längst hätte da sein müssen, und ihre Begleitung. Dennoch fiel ihr auf, dass jene Dame das Büchlein, in dem sie zuvor schon gelesen hatte, so stark festhielt als handelte es sich um einen Schatz – oder als würde ihr Leben davon abhängen. Doch erst, als das Essen – natürlich erst nach einer kurzen „Unterhaltung“ mit dem Wirt – auf dem Tisch stand und der ärgste Hunger gestillt war, schenkte Lythiana der Fremden mehr Aufmerksamkeit.
Ahmalie war ihr Name ... und wie sich herausstellte, hatte die junge Magierin mit ihrer Vermutung nicht unrecht gehabt. Von jenem Buch hing Ahmalies Leben ab – zumindest ihr altes Leben. Wie sie berichtete, hatte sie ihr Gedächtnis verloren und alles, was sie nun über ihr altes Leben wusste, war in jenem Buch niedergeschrieben – Notizen anderer über ihr früheres Ich. Mitglied der Allianz des Lichts, ehemalige Verlobte eines Paladins, Freundin Rafael de Argantas – da war ihnen ja ein schöner Fisch ins Netz gegangen. Sie wären Närrinnen, wenn sie jenen Fisch ins Meer zurückwarfen, ohne auch nur versucht zu haben, ihn auszunehmen.
Albea schien das ganz ähnlich zu sehen... war sie es doch, die die Andeutung in den Raum warf, dass es etwas gäbe, das Lythiana tun könnte, um Ahmalies Gedächtnis zurückkehren zu lassen. Jene war zunächst wenig angetan davon, schien vielmehr plötzlich überaus nervös – war ihr bewusst geworden, dass sie bereits zu viel erzählt hatte? Erst, nachdem Lythiana sich den Ängsten Ahmalies „angenommen“ hatte, schien die Aussage Albeas völlig zu der jungen Frau durchzudringen. Sie schien durchaus bereit dazu, sich in die Hände der beiden Frauen zu begeben... doch wie sehr sie das tatsächlich wollte, würde man bei einem späteren Treffen feststellen. Der Köder war ausgelegt...