Lange hatte sie mit sich gerungen. Sollte sie es wirklich noch ein mal versuchen?
Der Vorfall mit diesem Fluch machte ihr heute noch Angst. Sie war ja einiges gewohnt gewesen. Beschimpfungen waren das mindeste, auch das man sie mit faulem Gemüse bewarf oder sie aus der Stadt jagte war ihr nicht fremd. Auch wenn es ihr jedes mal aufs neue weh tat, so hatte sie gelernt damit zu leben. Doch dieser Fluch, vor ein paar Monden, solch Angriffe waren ihr neu.
Doch ein erneuter Versuch ein normales Leben zu beginnen machte ich nicht minder Angst. Zu oft schon, hatte sie es Versucht, zu oft schon war es gescheitert.
Sie war der Verzweiflung nahe, sie wusste nicht wie sie es anstellen sollte. Als Dirne hatte sie sich einen harten Schutzschild angelegt nichts, keine Gefühle oder sonstiges drangen in ihr inneres vor. Nur wenn sie mal Zeit hatte nachzudenken, dann brach dieses Schild und machte der Angst und dem Ekel platz. Dann wurde sie zu einem kleinem Mädchen, das sich nach Menschlichkeit sehnte. Dann versuchte sie den Ekel zu verdrengen, der zerstörerisch in ihr hoch kroch wenn sie an den vergangenen Abend mit all seinen gierigen Freiern dachte. Freier die lüsternd um sie herum schleichten und versuchten ihren Preis zu drücken. Die von ihr verlangten was selbst eine Pfennighure nicht tun wollte, und ihr dann auch noch irgendwelche Krankheiten anschleppten. Sie wollte das alles nicht mehr, wollte nicht mehr verjagt oder beschimpft werden. Und vor allem wollte sie die Begierden dieser lüsternden Unholde nicht mehr befriedigen.
Sie sehnte sich danach ein normales Leben führen zu können. Beneidete die Frauen, die sie auf den Strassen sah, wenn sie scheinbar leichtfüssig ihren Weg gingen.
Doch hatte sie keine Ahnung wie sie es bewerkstelligen sollte. Sie ahnte nicht das sie die ersten Schritte in ein gesittetes Leben schon getan hatte. Sie hatte ein kleines Häuschen im Armenviertel Varunas angemietet und versuchte das Schneidern zu perfektionieren. Das Schneidern hatte ihr immer Spass gemacht und sie konnte, das war das wichtigste, alles um sich herum vergessen, wenn sie nähte.
Seid dem Fluch hatte sie sich in ihrem Kahlem Häuschen verschanzt. Nur ganz selten war sie aus den schützenden Mauern getreten Nur wenn es sich gar nicht vermeiden lies, hatte sie das Haus verlassen. Doch langsam konnte sie diesen leeren Raum nicht mehr sehen. Möbel mussten her, auch ein Spinnrad und einen Webstuhl benötigte sie. Sie machte sich ihr Häuschen so wohnlich wie möglich und das alte Zelt, in dem sie als Dirne gelebt hatte, verbrannte sie, genauso wie die gelben Kleider und das Dirnentuch. Sie verbrannte alles was mit der Dirne zu tun hatte und befreite sich auf diese Art auch von von den seelischen Grausamkeiten die dieses Leben mit sich gebracht hatte. Dies sollte der letzte Neuanfang sein und er sollte nicht scheitern. Sie bestellte auf den Höfen allerhand nützliche Dinge die eine Schneiderin benötigte. Ihre ersten Schritte als Bürgerliche waren noch etwas unsicher. An jeder Ecke fürchtete sie, man würde sie erkennen und sie verjagen. Doch schienen die Leute sie ohne das Dirnenmal nicht zu beachten. Ihr Herz machte überschlug sich schier, als sie merkte das sie niemand schief anschaute oder sie niemand ansprach. Vielleicht sollte sie wirklich einmal Hektor besuchen, vielleicht freute er sich ebenfalls darüber. Denn er war der erste Mensch gewesen der sich um Cyria sorgte und kümmerte, ohne dafür ihre Dienste in Anspruch nehmen zu wollen.
Inständig hoffte sie ihr Versuch auf ewig die Dirne vergessen zu können würde ihr glücken.