Ark saß mit dem Schriftstück in der Hand, welches er vom Hauptmann der Garde bekam, auf seinem Sessel. Immer wieder las er durch, was Ahsai darauf geschrieben hatte.
„Ich beauftrage dich folgende Person von Alatars Welt verschwinden zu lassen und mir als Beweis ihren Kopf zu liefern:
-Name: Minja Owven
-Alter: ca. 21 Jahre
-Größe: ca. 160cm
-Statur: schlank
-Haarfarbe: rötlich
-Besonderheiten: Narbe an linker Wange
-Beruf: Schmiedin
Führe diesen Auftrag mit Bedacht aus, er soll nicht zu uns rückverfolgbar sein!
Möge Alatar Dich für diesen Auftrag segnen.“
Lange überlegte Ark sich, wie er diesen Auftrag zu Alatars Wohlwollen durchführen konnte. Er musste Sie an einen abgeschiedenen, sehr einsamen, Ort locken, wo er nicht beobachtet werden konnte und Ihre Leiche zur Unkenntlichkeit verdammen konnte. Aber zuallererst wollte er herausfinden, wie sich ihr Tag so gestaltete.
Ark legte alles ab, was ihn mit Rahal und der Bruderschaft in Verbindung bringen konnte und zog sich unauffällige und einfache Kleidung an bevor er sich auf den Fußweg nach Bajard machte. Er stellte den Kragen auf und dies nicht nur wegen der Kälte draußen.
In Bajard angekommen, fragte er sich zur Schmiedin durch, vorgebend er wolle eine einfache Ausstattung für einen jungen Krieger. Man sagte ihm, dass Sie sicherlich wieder zur Mine nach Lameriast gefahren sei. Daraufhin begab Ark sich in die Taverne von Bajard um sich etwas Wasser und Essen zu kaufen, bevor ihn sein Weg auf den Steg gegenüber des Fähranlegers führte. Er setzte sich an den Rand des Steges und ließ die Beine über dem Wasser baumeln, während er auf seine Zielperson wartete. Dabei aß und trank er ab und zu.
Es dauerte sicherlich einige Stunden bis das Schiff aus Lameriast am Anleger anlegte, Ark war eigentlich nicht für seine ausgesprochene Geduld bekannt, eine Sache die ihm bisher den Aufstieg zum Ritter verwehrt hatte, wo er doch schon unzählige Mondumläufe im Dienste Rahals stand. Die ersten Personen stiegen aus dem Transportraum der Fähre auf, die Einen wackeliger auf den Beinen als die Anderen. Dann musste Ark leicht schmunzeln, denn es stieg nur eine recht kleine Frau aus dem Bauch des Schiffes auf, welche völlig verdreckt von der Arbeit in der Mine war. „Zu einfach,“ dachte er sich.
Er schaute Ihr hinterher, solange er Sie vom Steg aus erblicken konnte, dann stand er auf, den Rest des Brotes den Fischen schenkend. Sie begab sich zur Bank, sicherlich um ihre Ausbeute einzulagern. Als Sie hinaustrat in die beginnende Dämmerung erkannte er die recht genaue Beschreibung, die der Hauptmann ihm gegeben hatte.
Sie schritt langsam und bedächtig aus dem Fischerdorf hinaus, Ark hinter ihr, soweit entfernt, wie es die einsetzende Dunkelheit zuließ. Ark verfluchte sich innerlich selbst, dass er diese wunderbaren Tränke vergessen hatte, die das Sehen in der Nacht ermöglichen. An der Kreuzung bog Sie links Richtung der Ruinen von Tirell ab. Er runzelte etwas die Stirn: „Was will die denn da?“ Doch dann ging Sie langsam in den Wald den Rahal als zu sich zugehörig proklamierte. Sie ging eine ganze Weile tief in den Wald hinein. Dann setzte Sie sich an einen umgefallenen Baumstamm und schien sich zu entspannen. Er beobachtete Sie dabei eine ganze Weile. Es dauerte lange bis Sie aufstand und den Heimweg gen Bajard antrat. Ark nahm sich vor Sie die nächsten Tage weiter vom Fähranleger ausgehend zu beschatten, allerdings von unterschiedlichen Orten aus in wechselnder Kleidung, so dämlich war er schließlich nicht.
Sie ging jeden Abend die selbe Strecke in den Wald und immer an die selbe Stelle, so dass Ark sich vornahm die nächsten drei Tage hier mit einem gewissen Vorrat an Nachtsichttränken auf sie zu warten. Und sein Vorhaben war erfolgreich, denn auch die nächsten Tage ging Sie immer wieder hierher und Ark konnte sich an die Details Ihres Todes heranmachen.
Er überlegte sich geeignete Methoden, bei denen der Kopf nicht in Mitleidenschaft gezogen werden würde. Dies schloss schon einmal seine Kriegsaxt aus, mit der er sich so wohl fühlte. Er nahm eine dunkelbraunen Sack in den er ein Breitschwert, eine Henkersaxt und ein Fleischermesser legte. Diese Sachen brachte er noch vor Morgengrauen in die Nähe des Sumpfes, versteckte sie dort unter einem Busch, dass sie nur äußerst schwerlich von zufällig umherstreunende Personen entdeckt werden konnte. Dann begab er sich zurück nach Rahal und legte sich hin. Er musste ausgeruht an seine Aufgabe treten.
Am folgenden Abend zog er schwarze Stoffkleidung an, weich besohlte Schuhe, eine Maske und Kopftuch. Nur seine Augen waren sichtbar; etwas sonderbar sah es wohl aus. An seinen Gürtel hing ein Dolch. Er schwang sich auf sein Pferd und ritt gen des Gasthauses von Tirell, wo er seinen Gaul anband. Daraufhin eilte er los in den Wald, sich wieder in die Beobachtungsstellung legen und auf den richtigen Moment warten.
Die Zeit verging.
Es begann zu dämmern.
Er lag gefühlte unendliche Stunden bereit.
Es wurde dunkler.
Dann kam Sie.
Sie sah aus wie immer. Einfache Kleidung, völlig verdreck und erschöpft. Aber es lohnte sich nicht für Sie Mitleid zu empfinden. Mitleid kann sich ein Krieger nicht leisten, wenn er etwas gottgefälliges zu erledigen hat. So wartete Ark bis Sie wieder in Ihre Gedanken versunken war. Seine Zeit kam, Ihre Zeit begann zu enden.
Langsam und leise stand er auf, jedes Äste knacken könnte ihn verraten. Er schlich hinter Sie, den Dolch schon in der Hand. Seine Hand griff von hinten auf Ihren Mund, er konnte den schrecken in Ihren Augen nicht sehen, er zog Sie etwas hoch und trieb die Klinge von hinten zwischen Ihre Rippen hindurch, durchbohrte Ihr Herz. Ihr Todeskampf dauerte nur wenige Sekunden. Ark drehte den Dolch etwas um die Wunde zu vergrößern. Ihre Gegenwehr erstarb, Sie sackte zusammen und er ließ Sie auf den weichen Waldboden fallen. In der Ferne hörte er einen Raben krächzen, Kra’thor war also auch schon hier. „Er ist manchmal erschreckend schnell,“ ging es Ark durch den Kopf.
Er steckte den Dolch in wieder zurück in die Scheide an seinem Gürtel und nahm Sie dann auf, legte Ihren schlaffen Leichnam über seine Schultern. So schritt er schnellen Schrittes, aber sich permanent umschauend auf den Sumpf zu, wo die Riesenechsen und Kröten Ihr nächtliches Mahl erwarteten. Er ging zu dem Busch, wo sein Sack mit Waffen schon auf ihn wartete. Er legte Sie auf den Rücken, breitete Ihre Extremitäten aus. Dann ergriff er die Henkersaxt und trennte Ihren Schädel, Arme und Beine von ihrem Torso. Er schlug Arme und Beine noch einmal in der Mitte entzwei, bevor er Ihren Bauch mit dem Fleischermesser öffnete und Sie ausweidete. Ihre Gedärme legte er erst neben den Torso, seine Hände voller Blut. Dann machte er sich daran auch Ihren Torso mit der Axt in handliche Stücke zu zerlegen. Als er mit der blutigen Arbeit zu Ende war, nickte er zufrieden, versteckte Kopf und Waffen im Gebüsch und räumte Ihren zerfetzten und blutigen Körper in den Sack.
So beladen ging er den restlichen Weg bis er die Riesenechsen sehen konnte. Er öffnete den Sack und warf ihnen ihr Mahl zu. Sie verschlangen es, bzw. Sie, mit unbändiger Gier, der Gier nach warmen Fleisch. Zu guter Letzt schmiss er Ihre Innereien in den Sumpf, was ein Ende für eine Frau, die in Ungnade gefallen war.
Er ging los, sammelte Kopf, Ihre Kleidung und seine Waffen ein und stapfte durch den Wald gen Rahal, so blutverschmiert wollte er nicht riskieren, dass ihn jemand beim Gasthaus von Tirell erblickte. In seinem Haus angekommen, nahm er eine alte Schatztruhe, in die er ihren Kopf legte. Dann begann er damit seine Waffen und Kleidung zu reinigen, er wischte jeden Tropfen Blut von den Waffen, sogar seine Kleidung konnte er größtenteils retten, lediglich seine Hose musste er zu Ihrer Kleidung in den Sack stopfen. Nachdem seine Ausrüstung gepflegt war, begann er damit die Geschehnisse der Nacht von seinem Körper zu entfernen. Er wusch sich lange und gründlich. Als vorletzte Tat an diesem Abend begab er sich mit dem Sack zum Schmiedefeuer vor Rahal, wo er den Sack mitsamt des gesamten Inhaltes den Flammen preisgab, auf das niemand je davon erfahren würde. Schlussendlich machte er sich auf zum Gasthaus von Tirell, sein Pferd sollte dort nicht zu lange stehen.
Der Hauptmann würde sein Geschenk im Laufe des Tages bekommen…