Wirbelnde Gedanken

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Kilyan Carnova

Wirbelnde Gedanken

Beitrag von Kilyan Carnova »

"Osten... Süden... Westen... Norden..." wieder wirbeln die Gedanken durch Kilyans Kopf, leise klingt Serendos Stimme in seinen Gedanken und ruft so den Unterricht wieder in ihm wach.
"Erde... Feuer... Wasser... Wind..." alles fand den Weg zu ihm, oder fand er zu ihnen?
Langsam wandert der Blick herunter und Kilyan schaut auf den Stab, der auf seinem Schoß einen Platz gefunden hat.
Dies, dieser Stab, noch mit lebendigen Blättern überzoge, ist das Vertrauen Mutters, der Dank, und die Aufgabe, die Bürde und die Gabe. Er vereint alles. Er spiegelt alles wieder und ist doch nur ein Symbol. Ein Zeichen. Er ist ihr direktes Geschenk, auf das er seinen Eid schwörte.
Mit einem ernsten Gesicht schaut Kilyan nun auf das Wasser des Sees, an dem er sitzt.
Der See liegt ruhig im Hain und die aufgehende Sonne spiegelt sich sachte auf der Wasseroberfläche.
Das Glitzern des Wasser fällt auf die grün- braunen Augen des jungen Druiden und wirft abstrakte Formen auf seinen Geist. Langsam verfällt er wieder seinen Gedanken und gibt sich ihnen hin.
Sein Verstand wandert wieder zurück, nur ein paar Tage, vielleicht eine Woche oder mehr, doch weit genug um an dem wichtigsten Tag seines Lebens anzukommen.
"Freude... Leid... Glück... Schmerz..." all diese Gefühle haben ihn auf seinem Weg begleitet und haben ihn gestärkt, haben ihn geprüft, ihm geholfen. Nichts, so scheint es, geschah ohne Grund, nichts aus Zufall, alles zielte nur auf das Eine ab, auf ihn selber, auf seinen Charakter und sein Wissen.
Erneut wirbeln alle Gedanken in seinem Kopf herum, vernebeln ihm die klare Sicht und scheinen ineinander zu verschwimmen. Er errinert sich an Schnee und Sand, an Wasser und Fels, alles hat er gesehen in diesen Tagen der Prüfung und auch alles hat er gefühlt und vor allem gehört. Die Melodien der Elemte, in ihrer reinsten Form klingen noch immer in seinem Kopf nach. Wärme, Kühle, Ruhe und Geborgenheit, diese Gefühle wechseln sich ab und bringen Kilyan immer weiter in sich selbst, immer weiter in seinen Geist und lassen ihn das Lied besser verstehen.
"Kristalle... Lava... Wasser... Federn" er sieht diese Dinge wieder genau vor seinem innerem Auge hört wieder die reinen Melodien die sie auströmten und fühlt sie erneut in seinen Händen, als hätte er das Element selber in der Hand, nein, als hätte er nur die Melodie in der Hand. Er spürt sie ganz genau, als wären sie greifbar.
Vor allem eines legte sich fest in seinen Griff...das Wasser... es hat ihn in all dieser Zeit begleitet, die Melodie strömte ihm ständig in den Ohren, war immer stärker ausgeprägt, lauter, deutlicher und aufgeschlossener. Das Wasser umhüllte ihn bei jeder Gelegenheit wie ein wärmender Mantel und brachte ihm Geborgenheit und tut es noch heute. Noch ein wenig weiter zurück in der Zeit, findet Kilyan die Errinerung an den Tag, den Tag, an dem das Wasser ihn, den jungen Bauernsohn, erwählt hatte. Er saß damals in dem Steinkreis der Druiden, in das Lied vertieft und Serendo war um den Kreis gegangen. Leise und ruhig beschrieb Kilyan seinem Lehrmeister, was er fühlte, mit welchen Bildern er die Gefühle in Verbindung brachte.
Wieder huschten diese Bilder durch seinen Geist:
Ein langsamer Fluss, der ihn vorrantrieb.
Ein ruhiger See, der ihm Ruhe schenkte.
Ein Wasserfall, der ihn energievoll in das Meer warf.
Und dann... Stille... vollkommende Stille, wie auf dem tiefsten Grund des Meeres, weit ab vom Lärm der Städte, fern von den Wäldern, Wiesen und Wegen. Das Lied pulsierte laut in den Tönen des Wassers, drang in ihn ein und schließlich sprach es zu ihm!
Eine tiefe blubbernde Stimme durchbrach die Stille des Meeres und erklang deutlich in seinen Ohre. Eine Sprache die Kilyan nicht kannte, die er nicht verstand und es doch irgendwie tat. Die Stimme, nein, das Wasser selber bot sich ihm an, erbat den Einlass in ihn hinein. Kilyan öffnete daraufhin sein komplettes Sein, in welches nun die Stimme eintauchte und verschwand.
Nach einer kurzen Weile der vollkommenden Stille, nicht einmal das Lied schien an sein Ohr zu dringen, schlug er langsam die Augen auf und die Geräusche des Waldes zusammen mit dem Lied kehrten zurück. Nur Serendo und er waren zu sehen und doch schien etwas bei ihm zu sein, aber man konnte es nicht sehen, es war nun sein Begleiter geworden.
Die Zeit schien im Fluge zu vergehen, Kilyan kann sich noch genau errinern, wie er durch den schützenden Wald getreten war; wie ihm der Zutritt in den Hain gewährt wurde; die Unterrichtstunden, die er erhalten hatte und schließlich kommen seine Gedanken wieder bei seiner Prüfung an. Alles frisch und neu und doch schon wieder in weiter Ferne. Kilyan durchzuckt wieder das Glück. Wieder erscheint in ihm das Gefühl, dass er immer hatte wenn er etwas geschafft hat, wenn er einen neuen Freund gewinnt oder ein Tier ihm kurz einen Blick zuwirft und sich nicht erschreckt. Er hat so viel erreicht und scheint noch so viel vor sich zu haben, denn der Unterricht ging Nahtlos weiter. Serendo unterrichtet ihn wie frührer, sprach mit ihm nicht anders oder behandelte ihn anders, nur durch eines bemerkte Kilyan wirklich, was mit ihm geschehen war: Neue Pflichten.
Schüler gehören nun zu seinen Aufgaben.
Kilyan kann es nicht wirklich fassen, er, der selber kaum den Rang des Schülers abgelegt hat, kaum seine eigene Ausbildung abgeschlossen hat, muss nun eine solch wichtige Position, wie sie ein Lehrer inne hat, bekleiden. Serendo hat ihm das Vertrauen geschenkt, sich um den neuen Schüler, der ähnlich wie Kilyan damals, den Weg zum Hain gefunden hat, kümmern und ihm alles Lehren, was er wissen muss, was er beachten muss und schließlich auch, ihm die Werte nahe bringen, die Kilyan für wichtig erachtet.
Dieser Gedanke fliegt immer und immer wieder durch seinen Kopf. Immer und immer wieder, immer wieder.
Leise klingt nun eine wohlbekannte Melodie in Kilyans Ohr, worauf er seinen Kopf zur seite dreht.*
"Eluives Segen, Dragunos." *hört Kilyan seine eigene Stimme ruhig sprechen. Sein Schüler erwiedert seinen Gruß, woraufhin Kilyan wieder in die Realität zurück kehrt, nur ein Name klingt in seinen eigenen Ohren kurz wieder, ehe er sich seinen Gedanken entzieht:
Kilyan Carnova, Druide des Wassers*
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