Ein ganz besonderes Geschenk...
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Florence Stolzenfels
Ein ganz besonderes Geschenk...
Es war früher Abend, kurz vor der aufsteigenden Dämmerung. Sie blickte über den vorbereiteten Tisch für den Festschmaus zu ihrer Hochzeit. Ein seliges Lächeln legte sich auf ihre Lippen, die flache rechte Hand wanderte zu ihrem Bauch und ihr Blick schweifte träumerisch ab. Ja, es war endlich soweit. Sie würde den Mann ihrer Träume, den Mann den sie aus ganzem Herzen liebte, bald ihren Ehegatten nennen dürfen. Und sie hatte auch ein Geschenk für ihn. Nein, diesmal hatte sie nicht überlegen brauchen, dieses Mal hatte man ihr selbst ein Geschenk gemacht und sie wollte es ihrem Mann sagen, schon jetzt. Ja, sie wollte am Liebsten gleich ins Kastell reiten und ihm die freudige Nachricht verkünden! Jetzt - am besten schon gestern. Aber das ging nicht und das wusste sie auch. Stattdessen zog sie ihren dicken Wintermantel über und schob ihre Hände in die gefütterten Handschuhe. Ihr feuriger Mustang begrüßte sie schon mit einem Schnauben, als sie die Stalltür aufschob. Sie verlor nicht viel Zeit mit dem Satteln des edlen Tieres, ehe sie sich schon auf den Weg machte. Sie wollte es ihrem Geliebten nicht einfach so sagen, sie wollte es ihm symbolisch zeigen. Und sie hatte auch schon genaue Vorstellungen, was genau sie dafür brauchte. Flugs kam sie in Varuna in der Schneiderstube an und band ihr Tier am Pfosten neben dem Eingang fest, pochte an die Türe, in banger Hoffnung, es möge ihr jemand öffnen. Sie hatte Glück, jemand steckte den Kopf heraus und wurde auch sogleich von einer winterkalten Böe erfasst, so dass man sie schnell hereinbat um ihr Anliegen preiszugeben. Sie vergewisserte sich, dass die Dame, die vor ihr stand auch des Strickens mächtig sei und man konnte ihr die Erleichterung regelrecht ansehen, als dieses mit einem Nicken beantwortet wurde. Sobald sie sich nach Aufforderung gesetzt hatte, sprudelte ihr Wunsch nur noch so aus ihr heraus. Sie würde gern ein paar Kinderschuhe bestellen, mit weicher Sohle aus Ziegenleder, ummantelt von flauschiger Schafswolle, zu dicken Maschen gestrickt und von einem Lederriemchen zum Zubinden vervollständigt. Ja, das war ihr Wunsch. Sie hoffte inständig, Hudi würde diesen Wink verstehen und sie nicht verständnislos Anblicken, begleitet von den Worten, dass ihm die Schuhe doch viel zu klein wären. Bei dem Gedanken musste sie unwillkürlich Schmunzeln und wurde von einem fragenden Blick der Schneiderin bedacht. Sie winkte schnell ab und fragte stattdessen, ob sie sich gleich an die Arbeit machen könnte, so dass ein Bote zur nächsten Mittagsstunde diese an sie persönlich aushändigen würde. Nach einem weiteren Nicken der Schneiderin wechselte das Gold seinen Besitzer und sie machte sich wieder auf den Weg nach Hause.