Und mit einmal war alles anders.
Über Nacht war Vertrauen nicht mehr nur ein Wort, sondern hatte einen Inhalt bekommen. Verantwortung war gewachsen und Scham weiter von ihr weggerückt, wie vieleicht auch ihre Freunde.
Aber ein Reich war im Zweifelsfall nicht mit netten Worten zu führen.
Sie hatte sich durchgesetzt und zwar auf Gedeih und Verderben. Dabei war alles recht einfach auf einen Nenner zu bringen.
Adrian hatte sie geehelicht und sie beide hatten sich ihr Vertrauen ausgesprochen.
Wenn er ihr vertraute dann musste er sie als gleichberechtigt anerkennen, wenn auch seine Position aus einem Formalismus heraus die höhere war.
Er war schlicht der Graf.
Aber es hatte nicht angehen können, dass die Ritterschaft ihr auf der Nase herumtanzte in Adrians Abwesenheit. Und die letzten Tage waren, was das anging, ein Desaster gewesen. Ohne die klare Regelung wessen Wort der Vorrang zu geben ist, waren bestimmte Dinge einfach nicht aus der Welt zu schaffen, und die Reichsführung nicht in der Lage zu tun, was sie sollte, ... zu führen.
Waren es zwar nur wenige Überschreitungen dieser bisdahin imaginären Linie gewesen, so hatten es jene doch in sich gehabt, und soviel Nerven wollte Eileen nicht ein zweites mal lassen müssen.
Ihr Kind sollte nicht in einem Tollhaus aufwachsen.
Sie hatte Adrian erpresst.
"Zählt mein Wort nicht wie deines, dann vertraust du mir nicht ! Was also soll ich dann hier als nur deinen Erben zur Welt zu bringen ?" Was hatte sie sich schlecht dabei gefühlt.
Dabei geschah das nicht aus Machthunger heraus, als viel mehr aus dem Willen klare Verhältnisse zu schaffen um des Volkes und aller Beteiligten Willen.
Treue dem Volk und Reich zu schwören war das eine. Verantwortung an sich zu reissen um eine Aufgabe erfüllen zu können etwas anderes.
Sie hatte Adrian die Weisungsbefugnis über die Ritterschaft abgerungen.
In keiner Weise wollte sie sich in militärische oder gesetzgebende Angelegenheiten des Reiches einmischen, dererlei konnten andere viel besser als sie.
Aber als Frau des Grafen musste die Stimme der Vernunft in ihr einfach Gewicht haben und ihr ein letztendliches Veto unterliegen, sollte es ihrer Meinung nach nötig sein.
Wer Verantwortung trägt braucht auch die Mittel sie in letzter Instanz durchzusetzen.
Nun war es soweit und es hatte ihre Freunde weiter von ihr weggerückt wenn sie die Blicke deuten mochte als Darna und Rafael den Raum verliessen.
Ja es würde nicht einfach werden und Adel verpflichtet, vieleicht auch in dieser Weise. Zur Schau tragen von Etikette , wofür sie selbst kein Musterbeispiel war, war eben nicht alles.
Sie würde auf der neuen Basis aufbauen und nun ihrerseits um Vertrauen kämpfen müssen.
Eileen hatte sich hart und unnachgiebig gezeigt, hatte es nie erwähnt aber ahnen lassen, wie ernst sie es meinte, gegebenenfalls auch den Hof zu verlassen, sollte man nicht auf sie eingehen.
Mochte man sie Drache, Dickkopf, Zicke oder sonstetwas in der Art schimpfen, es durfte keine Rolle spielen und sie sich nicht selbst die Nächste sein um der Bequemlichkeit Willen.