Oft hatte Azhar dieser Tage noch abends am Strand gesessen und seinen Blick den unermüdlich wogenden Wellen zugewandt, wie sie emsig gegen die Steilufer der Felsvorsprünge prallten. Wieder und wieder ließ er seine Gedanken schweifen, hangelte sich behände an dem Seil „Erinnerung“ zurück, das er Tag ein Tag aus unermüdlich knüpfte, zurück zu jenen Punkten, die er beinahe sich selbst zwingend in Form eines wirren Wustes filigraner Fäden in das Tau hinein wob.
Was hatte ihm damals so seine Gedanken entrückt, dass er Fadi bei seiner Aufnahme in die Academia Leviathan sagte, er wolle sich dem Element Erde verschreiben. Er wusste es nicht mehr, gerade so als habe er wissendlich dieses immanente Detail mit einer grobschrätigen Schere aus dem Seil herausgeschnitten, um seiner nie wieder habhaft zu werden. Schämte er sich für diese Entscheidung? War er doch von Anfang in dem Wissen gewesen, das Feuer für sich wählen zu müssen. Und dann hatte er es heuchlerisch doch nicht getan. Warum?
Wirre Gedankensplitter seiner frühen Kindheit mischten sich mit der unwirklichen Gegenwart und bildeten verworrene Trugbilder. Je laenger er versuchte, heraus zu finden, was gesehen war, desto irrealer wurde alles, desto mehr näherten sich Realtitaet und Fiktion an, desto fliessender und ineinandergreifender wurden ihre Übergaenge.
Ein verlassenes Sandsteinhaus ... ein wehender Vorhang vom Sand zerschlissen...
Rieselnder Sand, der sich in die Fugen frass...
Gellende Rufe in entfernten Gefilden....
Gedanken? Wissen?
Sonnenstrahlen, die schaurige Schatten in dunkeln Raeumen formten...
Truebe Glasscheiben, die die Wirklichkeit zu verzerren vermochten...
Ein Sturm...
Sandböen,... Schreie.
Gedanken? Wissen.
So sehr er auch versuchte, sich zu erinnern, es schien vergebens. Er musste gute Gründe gehabt haben, doch es war auch irrelevant. Das Hier und Jetzt zählte. Irren war menschlich und vor allem menekanisch, also war es an der Zeit, den Fehler zu korrigieren. Das Feuer war ihm immer ein Verbündeter gewesen, und wie er es hin und wieder von Fadi hörte, schien sein teilweise überstürztes, getriebenes Wesen auch eher zum Feuer zu passen, denn zu der der Ruhe verschriebenen, im Gleichgewicht befindlichen Erde.
Nein das Feuer war es, das hatte er schon vor langer Zeit erkannt, noch bevor Menek’Ur unter der Gewalt von Sand und Sturm verschüttet worden war. Er hatte genug – nein viel zu viel Zeit gebraucht, um sich seines Fehlers gewahr zu werden und nun galt es, sich eben diesen einzugestehen.
Ruhig hob er die Hand, griff tief in den noch Sonnenwarmen Sand, obwohl die Sonne gerade hinter dem Horizont verschwunden war, und lies ihn durch seine Finger rieseln. Dann schlug er mit einer wüsten Handbewegung durch den getürmten Sandhügel und rappelte sich auf.
Die Entscheidung war gefallen. Er musste sich selbst erkennen.