Das Ende ...

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Zorijya´Xinrae

Das Ende ...

Beitrag von Zorijya´Xinrae »

Langsamen Schrittes lief sie durch den Wald, dunkel war die Nacht, kalt und still. Sie genoß jenen Spaziergang in diesem Moment ... viele Gedanken schwirrten ihr durch den Kopf. War es denn richtig, wieder zurück zu gehen. Sie fand sich immer noch nicht zurecht, einzig und allein Shyija war der Grund für ihre Rückkehr, sogar sie wurde ihr fremd. Alles hat sich gewandelt, nichts wahr wie es einmal war, alles wurde anders. Vielleicht lag es auch nur an ihr selbst, ihr Leben erschien ihr sinnlos ... trostlos und leer, ihre Schwester würde es verstehen ... nie hatte sie sich unter den "Geschwistern" wohl gefühlt. Schwach war sie ... Vater hatte ihr all ihre Kräfte geraubt und ihr keine Chance mehr gelassen, sich selbst zu finden. Es musste ein Ende haben.

Starr sah sie auf den See vor sich, indem sich das Mondlicht spiegelte. Den Dolch in der Hand, der aufblitzte sobald sich Licht darin brach. Noch einmal schweiften ihre Gedanken zu ihrer Blutsschwester: "Sie würde den langen Zopf finden, den sie als Zeichen für sie auf ihre Schlafstätte legte, sie würde erkennen, dass es ihrer war und sie würde wissen, was es bedeutete!" Ein leiser Seufzer entglitt ihr ... ehe sie vollbrachte, was vollbracht sein musste ....

Ein langer leerer Blick fiel noch einmal auf den glänzenden See, ehe sie in sich zusammensackte und ihr Leben ein Ende fand.
Shyija´Xinrae

Beitrag von Shyija´Xinrae »

Es war ein lautes, unbeschreibbares Geräusch, welches sie aus ihren Träumen riss. Im nachhinein war es kaum möglich zu sagen, ob es in ihrem Traum vorkam oder ob der Unterschlupf von großen Getöse durchkämpft wurde. Müde schlug sie die Augen mit einem Seufzen auf, ihr Unterleib pochte, ihr Kind schien in ihrem Leib sehr unruhig. Obwohl es noch nicht sonderlich herangewachsen war spürte die junge Lethra wohl sehr intensiv, wie sich ihr Zögling entwickelte.
Mühevoll drehte sie sich zur Seite, streckte ihre Arme von sich und warf ihr Augenmerk auf die Decke über ihr. Schwarz. Wie alles, was sie sah. Nicht, dass sie diese Farbe nicht lieben würde. Wenn es nach ihr ginge könnte die ganze Welt schwarz sein. Sie tastete über den Boden und stockte. Was war das? Hatte sich wieder jemand einen Scherz erlaubt und ihr eine tote Ratte ins Bett gelegt? Sie sah auf. Doch was sie sah war keine Ratte, kein totes Tier. Es war ein langer schwarzer Zopf. Shyija sah den Zopf an, lange Zeit, bevor sie ihn ins Eck donnerte, sich eine Robe überzog und schwungvoll den Raum verließ. Sie schlug Türen, fauchte, zischte. Ihre Schwester, die Schwester aus ihrem Blut war von ihr gegangen. Nicht um sich selbst zu finden, sondern um ihren Weg zu beenden. Sie hatte versagt. Doch war sie wirklich darüber wütend, das ihre Schwester versagt, sich aufgegeben hatte? Aus dem Gemisch einer riesigen Gefühlswelt schritt sie durch den Unterschlupf. Ihre langen, pechschwarzen Haare sahen so aus als würden sie im Wind wehen, doch war es windesstill im Nest. Ihr war egal, welcher Lethar ihr entgegenkam, sie hatte nur noch ein Ziel - ihre Schwester finden. Und niemand, aber auch gar niemand würde sie daran hindern.

Tage, wenn nicht wochenlang irrte sie durch die Wälder. Hunger und Durst plagten sie so sehr, dass sie wilde Tiere riss, das Fleisch über einem Feuer gebraten hatte und das Wasser aus den Flüssen und Seen trank. Sichtlich abgemagert, doch trotzdem standhaft irrte sie weiter durch die Wälder, ihr Kind im Bauch schien sie zu leiten, ihr die nötige Kraft zu geben um voranzukommen. Sie würde nicht auch noch versagen.

Wochen hatte es gedauert bis sie den leblosen Körper an dem pechschwarzen Gewässer gefunden hatte. Da lag sie, ohne Haar, ohne Kleidung, nur in ihrem eigenen, längst angetrocknetem Blut. Es war das erste Mal ein sehr schwerer Schritt für Shyija, in die Augen ihrer leblosen Schwester zu blicken. Ein Schrei, ein lauter Schrei, dicht gefolgt von einem weiteren Schrei durchdrang die dunkle und kühle Nacht. Sie nahm den leblosen Körper ihrer Schwester auf die Arme und trug ihn durch die Nacht. Sie würde sie nicht hier zurücklassen.

Und wenn jemand nach Zoriya fragte, fand Shyija keine Antwort darauf. Der Schmerz, dass der größte Teil ihrerselbst fehlte tat mehr weh als all die Bestrafungen, die sie je auf sich genommen hatte. Schmerz, der sie heranwachsen ließ, der sie kalt werden ließ. Schmerzen, die sie niemandem verriet, über die sie nicht zu sprechen vermochte. Und würde man die junge Lethra im Kerzenschein sehen, giftgrün leuchtende Augen, die unter der Kapuze herausschienen könnte man meinen, sie hätte ein wenig von ihrem Verstand verloren. Doch was mit ihr geschehen war, was ihr so zugesetzt hatte, würde nie über ihre Lippen treten.
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