In langen Faden tropfte der Geifer auf den Boden. Der Drachen gab Elias Zeit genug seine monströse Gestalt in allen Zügen in sich aufzunehmen. Unmerklich bewegte sich der Kopf des Drachens nach oben. Seine Fänge waren so lang wie die Dolche der Strauchdiebe auf den Handelsstrassen. Nur dass der Drache derer mindestens hundert im Maul hatte. Langsam öffnete er die riesigen Schwingen und brüllte laut den Weg hoch zu Elias. Äußerlich ließ sich der Ritter der Königin nichts anmerken. Echte Ritter zeigen keine Angst..auch nicht im Anblick des Todes! Und schon gar nicht der erwählte Ritter der Königin. Und seine Lehnsherrin hatte den Tod des Drachens gefordert. Unzählige Dörfer hatte der alte Haudegen in Schutt und Asche gelegt. Unzählige Jungfrauen entführt und gefressen. Aber das würde heute Nacht enden. Langsam klappte Elias das Visier seines Helmes runter. Mit einem leisen klacken rastete es ein. Durch die Sichtschlitze wirkte der Drache immer noch monströs und gewaltig. Hier im Schutz des Helmes erlaubte der Ritter der Königin sich ein unsicheres lächeln. Würde es das letzte Lächeln des Ritters werden? Würde er auch die schöne Niobee aus den Fängen des Drachens retten und mit ihr umjubelt in die Stadt zurück reiten? Natürlich nach einem langen Kuss für den Helden? Die trüben Gedanken abwerfend hämmerte der Ritter die Sporen in die flanken seiner treuen Stute.
"Für die Ehre der Königin und des ganzen Reiches!"
Fest fixierte Elias den Drachen mit dem Blick als Butterblume losgaloppierte. Der Drache brüllte immer noch seine Männlichkeit in die Nacht hinaus. Langsam senkte sich die Lanze des Ritters in Position. Wild flatterte das Halstuch der Königin knapp unterhalb der eisernen Spitze. Jetzt gab es kein zurück mehr...
Mühsam konnte er sich auf den Füssen halten. Der Kampf war doch Kräfteraubender als Elias zuerst gedacht hatte. Aber er spürte ihren Blick auf sich. Sie stand vor der aufgehenden Sonne und wartete auf ihn. Bei den Göttern was war sie für eine hübsche Frau. Nur die Königin versprühte mehr Lieblichkeit und Reinheit als Niobee. Er lächelte glücklich als Elias auf sie zuging. Und Niobee erwiderte das Lächeln ihres Retters und Helden. Er streckte die blutigen Hände nach ihr aus und sie legte ihre zierlichen in die seinen. Elias atmete glücklich aus als sich ihre wunderbaren Lippen öffneten und sie sprach:
"Elias...Elias wo bist du verdammt? Bei den Göttern diesmal ziehe ich dir die Ohren lange bis sie zum Boden hängen!"
Verstört betrachtete Elias Niobee. Die zierliche Frau legte eine Hand auf den Mund und lief knallrot an. Wieder öffnete sie den Mund
"Du Tagträumer...du Nichtsnutz...du Sandkorn in Eluive Auge...wo bist du verdammt?"
Niobee schaute verängstigt und wollte Elias umarmen, da zerplatzte das Bild und Schwärze folgte den Farben
Wie vom Blitz getroffen zuckte der schlaksige Körper des Bauernjungens aus dem warmen Stroh. Mit einmal war er hellwach und konnte die Schritte seines Vaters deutlich unter sich im Stall hören.
"Oh Elias du gottverdammter Trottel. Nur kurz wolltest du dich ins Stroh legen und ausruhen und jetzt ist es schon dunkel draußen. Eluive da hab ich mich ja wieder in Probleme gebracht."
Hecktisch stand der rothaarige Junge auf. Zu hektisch um dem Querbalken des Strohlagers noch auszuweichen. Mit einem lauten knall donnerte seine Stirn vor das alte Holz. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hob Elias eine Hand um sie auf die pochende Stelle zu legen. Benommen langte er nach dem Ende der Leiter und setzte seine Fuss auf die erste Sprosse. Zumindest glaubte er das...Doch trat er ins Leere, was er schmerzlich bereute, als die Scherkraft seinen Körper nahm und fallen ließ. Ein Lahngezogenen Schrei später landete Elias auf dem aufgeweichten Stallboden just genau vor die Füsse seines Vaters. Als ihn die Schwärze nach dem Sturz umhüllte war er das erste Mal im Leben dankbar für die Bewusstlosigkeit. Sie bewahrte ihn vor dem Donnerwetter des Mannes, dessen Schuhe er noch eben ansah
Seine Eltern stritten immer noch miteinander. Zwar leiser als eben mit ihm, doch immer noch hörbar. Alles konnte er freilich nicht verstehen. Freilich nicht jedes Wort...aber einige, die in sein Herz schnitten. Nichtsnutz...Tagedieb...Unfähig...Nur Maul am Tisch...Träumer...
Auch wenn die beiden seine Eltern waren, waren sie doch nicht seine Erzeuger. Vor Jahren wurde Elias von ihnen im Wald gefunden. Umhüllt mit einem feinen Baumwolltuch hatte er schreiend am Wegesrand gelegen . Niemand schien ihn zu vermissen, so sehr sich die Bauersleute auch bemühten. So beschlossen sie ihn zu behalten und als ihr Kind aufzuziehen. Was zumindest sein Vater oft bereut hatte. Heute Nacht würde Elias ihm den Gefallen erfüllen...
Lautlos schlich Elias aus dem Zimmer und ging in die Küche. Dort packte er leise ein Stück Brot und Käse in seinen Wandersbeutel und drehte sich zurück zur Tür. Zu seinem Bestürzen stand seine Mutter in der Tür und beobachtete ihn stumm. An ihrem Gesicht konnte Elias erraten, dass sie wusste was er vorhatte. Sie ging zu einem Schrank und öffnete ihn. Lautlos holte seine Mutter ein warmes Cap und einen Beutel Gold aus dem Schrank. Sie überreichte alles an Elias und umarmte ihren Sohn herzlich. Er konnte genau spüren, dass sie leise weinte und zitterte. Wehtun wollte Elias ihr nicht, aber es musste sein. Er musste in die Welt hinaus und versuchen Ritter zu werden. Das war sei sehnlichster Wunsch! Sie streichelte ihm nochmals zärtlich über die Wange und führte Elias dann zur Haustür. Kein Wort wechselte zwischen ihnen als er hinaustrat und sie die Tür lautlos schloss. Allein stand er nun dort in der Nacht. Genug zu essen für ein paar Tage...etwas Gold im Beutel..seine Kleidung und das Amulett um den Hals, was damals in seinem Tuch versteckt war als die Bauern ihn fanden. Nach einem letzten Blick auf das Haus drehte er sich um und ging in die Nacht. Und hier beginnt die Geschichte von Elias Fregolan...Bauersjunge..der Auszog in die Welt um Ritter zu werden und seinem Herzenswunsch folgend..