Einige Zeit war bereits vergangen, seit Aethain nach Ered Luin
zurückgekehrt war, und bald schon gewöhnte er sich wieder an das ruhige
Leben in der Lichterstadt. Noch immer nutzte er manche Stunde des
Tages für das Studium verschiedener Schriften, aber er merkte auch,
dass sie ihm nicht mehr die gleiche innere Genugtuung verschafften wie
früher. So zog es ihn öfter hinaus auf ferne Reisen oder ruhige
Spaziergänge im Nebelwald. Und wenn er nächtens in seinem Zimmer saß
oder unruhig im Bett lag, dachte er über viele Dinge nach, die ihn und
seine Umwelt, gar die Welt als solche, beschäftigten. Er dachte zuviel
nach, über dieses und jenes, solches und anderes und einen Abend dann
entschied er, dass er sich wieder etwas ablenken müsste. Er hatte schon
seit geraumer Zeit seinen Geist nur mit dem Lied Eluives beschäftigt,
hatte in der reinen, unverfälschten Melodie seine Magie gewirkt und war
darin nun so meisterlich, wie kaum ein anderer. Penninor mauzte leise.
Sie schien das alles nicht sonderlich zu interessieren, nein, ihr genügte es
hatte sie nur jeden Morgen und jeden Abend ihre Mahlzeit. Zuweilen gab
Aethain ihr einige leckere Stücke aus seiner Küche und wenn er nicht
zugegen war, so ging sie nach draußen, um in der Vorstadt von Ered Luin
selbst auf die Jagd zu gehen. Er sah sie eine Weile an und irgendwie
schien sie seinen Blick zu bemerken, drehte sich um, sah auch ihn an,
tappste neugierig näher und blieb vor ihm sitzen. Aethain hob sie hoch
und streichelte sie eine Weile. Dann blieb sein Blick an einer der
Stoffrollen hängen, die schon seit Ewigkeiten in einer Ecke des Zimmers
stand. Seine Stirn legte sich in kleine Falten und er sah wieder die Katze
an, die leise zu schnurren begonnen hatte. Mit einem Wink seines Fingers
war die Rolle bei ihm. Er muste kaum darüber nachdenken, so reflexartig
hatte er den Zauber gewirkt. Jetzt saß er da, mit Penninor auf seinem
Schoß, der Rolle neben dem Schreibtisch. Er machte Platz auf der
Holzplatte, legte alles Unnötige beiseite und breitete dann den Stoff aus.
Er wollte mit seinen eigenen beiden Händen etwas erschaffen und mit
einem Lächeln kam ihn ein Gedanke. Er begann zuerst probeweise einige
Stücken Stoff herauszuschneiden und legte sie aneinander, dann sah er
zuerst sie und dann Penninor an. Die Katze mauzte wieder, offenbar
unwissend, was er vorhatte. Er hätte es ihr im Geiste zeigen können, aber
er war sich nicht sicher, ob sie den Sinn des Ganzen verstanden hätte.
Wie auch? Es hatte keinen unmittelbaren Sinn, der Sinn seiner Arbeit war
feinerer Natur und seine Freude daran nahm stetig zu. Er schnitt weitere
Stücken Stoff aus, legte sie zusammen und nur, um seine Arbeit zu
prüfen, ließ er sie für einen kleinen Moment in ihrer geplanten Anordnung
über den Tisch schweben. Sicher, man konnte noch mehr verbessern,
aber man konnte erkennen, wohin er wollte. Sein kleines Kunstwerk
ähnelte der Gestalt einer Katze, eine Stoffkatze.
Die folgenden Tage arbeitete er jeden Abend ein wenig an dem kleinen
Tier, sammelte weiche Daunenfedern, um ihr einen vollen und weichen
Leib zu geben, versteifte Schwanz und Beine, suchte nach Möglichkeiten
jede Feinheit des Körpers auf eine andere Weise der Wirklichkeit
nachzuempfinden, wie das Fell aus Strähnen der feinsten Schafswolle, und
bediente sich nur in den aller seltensten Fällen seiner Magie, dann wenn er
mit noch soviel Geschick einfach nicht mehr voran kam, wie zum Beispiel
bei den Augen, die er aus zwei in Opal gefassten Saphiren erschuf. Und
zuletzt als er nach langer künstlerischer Arbeit zu einem Ende kam, war
er wiederum sehr zufrieden mit sich. Nur einige Kleinigkeiten erlaubte er
sich noch mithilfe seiner Magie zu korrigieren, wie eine etwas zu lose
gefasste Naht. Dann aber band er noch eine kleine Schleife um ihren Hals
und legte sie vorerst in einem der Regale ab. Schon bald, hoffte er, würde
er ihr ein neues Zuhause anbieten. Gewiss ein schönes Geschenk.