Kawi war laut und voller Leute. Zu viele Leute, die zu viel redeten. Schneid verstand oft nicht, warum sie das taten. Manchmal lachten sie, manchmal stritten sie, und für Schneid klang beides fast gleich. Er kratzte sich am Kopf.
„Nicht nett ist böse“, hatte Mama gesagt. Das war ein guter Satz, ein einfacher Satz. Schneid mochte einfache Sachen. Große Sachen auch. Kleine Sachen waren schwieriger.
Er sah auf seine Hände. Große Hände, gut zum Tragen, gut zum Schlagen. Nicht gut zum Schreiben. Schreiben war krumm und klein und machte den Kopf weh. Schneid dachte nach.
Kawi war schön. Viele Farben, viele Häuser, viele Gerüche. Manche gut, manche … nicht nett. Nicht nett war böse. Das war klar. Aber in Kawi war es anders, und das machte Schneids Kopf weh.
Er hatte Dinge gesehen, die nicht zusammenpassten. Gute Leute aus dem Osten trafen gute Leute aus dem Westen. Sie standen sich gegenüber, lange und still, und alles war ruhig. Also … war alles gut? Schneid blinzelte. Dann sah er andere: böse Leute aus dem Osten trafen böse Leute aus dem Westen. Sie sahen sich hart an, böse sogar, aber sie griffen nicht an. Also … war das auch gut?
Schneid kratzte sich diesmal fester am Kopf. „Wenn gut auf gut trifft … gut“, murmelte er. „Wenn böse auf böse trifft … auch gut?“ Das war falsch. Es fühlte sich falsch an. Aber es passierte so.
Er erinnerte sich an die Gesichter. Niemand lächelte. Kein nettes Wort. Nur Blicke – harte Blicke, wie Steine, die sich anschauen. Warum lächelten sie nicht? Wenn alles gut war, musste man doch lächeln. Mama hatte immer gelächelt, wenn es gut war, und Schneid mochte das. Aber hier war kein Lächeln, nur dieses stille Nicht-Nett.
Er trat einen kleinen Stein weg. Der Stein verstand ihn besser als die Leute. „Vielleicht … wissen die nicht, dass sie nett sein können“, sagte Schneid langsam. Das klang traurig. Und verwirrend. Sehr verwirrend.
Wenn Gute nicht nett sind, sind sie dann noch gut? Und wenn Böse nichts Böses tun, sind sie dann noch böse? Schneid mochte diese Gedanken nicht. Zu viele Knoten, zu wenig klar. Er schüttelte den Kopf, als könnte er die Gedanken einfach loswerden.
„Schneid will wissen, was böse ist“, sagte er fest. Das Regiment wusste das bestimmt. Die sagten: „Das ist böse“, und dann war das so. Keine Blicke, keine Verwirrung, keine stillen Sachen, die sich falsch anfühlen. Nur klar. Das war gut. Sehr gut.
Er nickte zufrieden. „Schneid geht zum Regiment“, wiederholte er, und diesmal fühlte es sich noch richtiger an. Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht, und das fühlte sich leichter an.
Auf dem Schiff nach Gerimor drehte er sich noch einmal um und sah zurück nach Kawi. Es war immer noch schön, aber auch immer noch verwirrend. „Kawi ist … anders“, sagte er. Dann schulterte er seinen Sack. Der war schwer. Das mochte Schneid. Und ohne weiter nachzudenken – weil er genug gedacht hatte für heute – ging er unter Deck. Die Fahrt war noch lang. Aber Schneid war groß. Und das Böse … war nicht nett. Das wusste er ganz genau.
