Die Kunde von Aayden Eschebach [ Charstory]

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Aayden Eschebach
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Die Kunde von Aayden Eschebach [ Charstory]

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Wahrlich, geboren ward ich, Aayden Eschebach, in dem kleinen Dorf im Lande Eirensee, ein Nest inmitten grüner Hügel und dunkler Wälder. Mein Vater, Barolf Eschebach, war ein Jäger von Ruf, dessen Pfeil selten sein Ziel verfehlte. Nicht bloß die Kunst des Jagdhandwerks lehrte er mich, sondern auch das stille Wissen des Waldes. Er nahm mich mit in die Tiefen des Forstes, und als ich mich an Dornen riss, zeigte er mir das Wundkraut, dessen zerkaute Blätter den Schmerz linderten und die Wunde heilten. „Der Wald gibt, was er fordert, Sohnemann“, sprach er stets, „man muss nur wissen, wo man suchen muss.“

Er lehrte mich, Fisch zu fangen mit der Angel in einem kleinem Weiher, die Zeichen der Tiere im Schlamm zu lesen und die nützlichen Wildpflanzen von den giftigen zu unterscheiden. Selbst schnitzte er mir einen Bogen aus Zeder und zeigte mir, wie man Federn für die Pfeile richtet, damit sie gerade fliegen. Oft übten wir gemeinsam am Waldrand, bis meine Finger wund waren vom spannen der Bogensehne.

Meine Mutter, Elinora, war ein Engel von einer Frau mit sanften Händen und einem noch sanfteren Herzen. Sie diente auf dem Hof des Bauern Gerold, der seine Gattin vor Jahren an die Beulenpest verloren hatte. Oft brachte sie mir duftende Kräuter für meinen Vater oder ein Stück Brot vom Tisch des Bauernhofs. Sie lehrte mich Temora zu achten, die Göttin der Natur und des Lebens. Obwohl in unserem Dorf keine Kirche stand, vergaßen wir nie ihre Tugenden – Demut, Geduld und Ehrfurcht vor der Schöpfung. Jeden Abend beteten wir im stillen Kämmerlein, dass sie uns beistehe und beschütze.

Doch das Glück währt selten ewig. Eines Tages kehrte mein Vater nicht von der Jagd zurück. Tage vergingen in bangem Warten, bis ein Junker uns die Kunde brachte: Barolf war in einen Hinterhalt geraten, überfallen von räuberischen Gesindel auf dem Weg zurück ins Dorf. Sein Leib lag blutig im Gras, sein Bogen zerborsten neben ihm.

Ich war fünfzehn Lenze jung, als der Schmerz mich traf wie ein Hammerschlag. Meine Mutter weinte tagelang, doch sie fand Trost bei Gerold, dem Bauern. Es dauerte nicht lange, bis ihre Trauer in Zuneigung umschlug, und bald begann es zwischen ihnen wärmere Gefühle zu geben. Ich freute mich für meine Mutter, dass sie wieder Freude fand, doch tief in meinem Herzen nagte ein Gefühl des Verrats an meinem Vater. Wie konnte sie seine liebevolle Zuneigung so verraten?

Als ich sah, wie sich ihre Hände suchten und ihre Blicke verliebten, beschloss ich, mein Glück allein zu suchen. Ich packte einen kleinen Beutel mit Hab und Gut, küsste meine Mutter zum Abschied und zog fort, hinaus in die weite Welt.

Ich streifte durch das Land, verdiente meinen Lebensunterhalt mit kleineren Jagdaufträgen – Rattenplagen waren stets ein Übel für die Bauernhöfe. Oft schlief ich unter freiem Himmel, baute mir provisorische Lager im Wald und wärmte mich am Feuer. Mal hier, mal dort fand ich Arbeit und Obdach.

Schließlich erreichte ich eine kleine Hafenstadt, wo der Geruch nach Salz, Fisch und fremden Gewürzen in der Luft lag. In einer Taverne wurde fröhlich gefeiert, ein Barde zupfte an seiner Laute und sang von Helden und Abenteuern. Ein Seemann mit wettergegerbter Haut lud mich zu einem Krug Met ein, und ich ließ mich nicht lange bitten. Der Abend verging wie im Flug, und es blieb nicht bei einem einzigen Trunk.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, pochte mein Schädel wie eine Trommel. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, und der Boden schwankte unter meinen Füßen. Als ich mich mühsam aus dem Bett rappelte, merkte ich, dass etwas nicht stimmte, das ich nicht mehr an Land war. Ich bewegte mich aufs Deck des Schiffes, auf dem ich offenbar geschlafen hatte. Wir waren offenbar auf hoher See...

Der Kapitän, ein bärtiger Mann mit eisblauen Augen, grinste mich an. „Nun, Landratte“, sagte er mit rauer Stimme, „du hast in der letzten Nacht für zehn Jahre Dienst angeheuert!“

Ich verfluchte den Alkohol und die leichtsinnige Fröhlichkeit des gestrigen Abends, doch bevor ich über die Planke gejagt würde, war es besser meinen Vertrag zu erfüllen. Zehn Jahre Dienst auf der Blauen Albatros, einem einfachen Fischerkahn auf dem ein rauher Ton herrschte. Ich flickte Netze, schlachte Fische, schrubbte das Deck und half dem Smutje in der Kombüse. Monat um Monat verging so, hart und eintönig.

Doch als meine zehn Jahre endlich abgeleistet waren, steuerte die Blaue Albatros den Hafen von Barjard an. Zeit abzumustern. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen spürte, war ich überwältigt vom Duft der Wälder, die die Stadt umgaben. Ein Gefühl durchströmte mich, als hätte mich Temora selbst hierhergeführt. Hier, so schien es mir, würde ich mein Glück finden. Ich, Aayden Eschebach, ein Jäger und Waldbewohner, war bereit für das, was auch immer kommen mochte.
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