Jeder besitzt seine eigene Melodie,
seine eigene Dunkelheit, sein eigenes Licht.
Und wer genau hinhört, erkennt das unsichtbare Band,
jenes welches alles zusammenhält –
die Kunst.
Ruhig lasse ich den Blick durch den noch leeren Raum wandern. Immer wieder, bleibt dieser auf den kunstvoll ausgearbeiteten Möbelstücken hängen, jedes für sich ein Meisterstück. Als ein tiefer Atemzug meine Lungen füllt, spüre ich, wie ich wieder in die Realität gezerrt werde. Erst jetzt nehme ich Linus wahr. Wie immer hatte er es geschafft, den Raum zu betreten, ohne dass ich ihn direkt wahrnehme. Es war, als würde man ihn nicht als störend wahrnehmen und daher, schlicht als etwas betrachten, was sich stetig in meinem Umfeld bewegen darf. Als hätte man seine Existenz schlicht akzeptiert und würde es als einen Teil des Ganzen gesehen. Meine Augen fokussieren Linus, unverweigerlich stiehlt sich ein Schmunzeln auf meine Lippen. Er war der Inbegriff des Lebens, jenes Lebens, welches anderen verwehrt blieb. Diese Leichtigkeit und Sprunghaftigkeit, dieses Können sich in das Leben stetig neu zu verlieben und die einkehrende Traurigkeit und Schwere hinfort zu wischen. Zumindest verlor er sich genau in dieser Leichtigkeit, in diesem Leben, in diesem Dasein….in der Hoffnung, daraus schlicht nicht erwachen zu müssen.
Ja, seit ich ihn auf seinem Weg begleiten durfte, steckte er an, die Lebensgeister...so man sie so nennen durfte...kehrten ein kleines Stück zurück und kratzen an der Oberfläche eines tiefen dunklen See's. Ein See, welcher mittlerweile nicht mehr nur in ruhiger Stille verweilte, sondern auf welchem langsam wieder sanfte Bewegungen einkehrten.
Mit eben jenen wiederkehrenden Bewegungen des Lebens…folgte jedoch auch ein sanfter Sog zurück in die Tiefe, ein Sog, der mich daran erinnerte, dass ich nicht alleine war und das eben unter jener seichten Oberfläche, etwas brodelte.
Genau dieser Sog lockte mich in die stillen Gedanken zurück und ließ den Blick für einige Momente hinter den Schleier wandern.
„Du beginnst es zu genießen, dieses Leben, dieses Dasein. Verlierst den Fokus.“
Die Stimme war leise. Nicht fremd. Nie fremd. Sie klang wie ein drohender, zischender Gedanke, der zu lange unbeachtet geblieben war.
Mein Kiefer spannte sich kaum merklich an.
„Genießen ist ein großes Wort.“
„Du lächelst.“
„Ich lächle auch, wenn ich töte.“
Ein Hauch von Dunkelheit huschte durch mein Innerstes, beinahe belustigt.
„Aber nicht so.“
Stille.
„Er ist nur ein Mensch“, entgegnete ich schließlich, ruhig und kontrolliert. „Menschen sind vergänglich.“
„Und du fürchtest genau das.“
Meine Finger schlossen sich fester um die Lehne des Stuhls.
„Furcht ist ein Luxus.“
„Nein“, hauchte die Stimme belustigt und sanft. „Furcht ist Erinnerung.“
Ein Bild flackerte auf, dunkler wabernder Nebel. Ein Griff, der nicht fest genug gewesen war.
Ich blinzelte nicht.
„Er bringt Unruhe“, stellte sie nüchtern fest.
„Er bringt Leben.“
„Leben führt zu Bindung.“
„Bindung führt zu Schmerz.“
„Exakt.“
Ein leises Lachen, kaum mehr als ein Wispern.
„Und dennoch suchst du immer wieder die Nähe der Menschen.“
Mein Blick blieb auf Linus gerichtet. Auf dieser unverschämten Leichtigkeit, die sie gleichzeitig auf völlig merkwürdige Weise reizte und gleichsam reizbar machte.
„Ich studiere ihn.“
„Du hoffst.“
„Ich analysiere.“
„Du hoffst, dass er bleibt.“
Meine Atmung stockte für den Bruchteil eines Herzschlags.
„Hoffnung ist ein Fehler.“
„Und doch stehst du hier.“
Ein kurzer Moment, in dem sich die Oberfläche ihres inneren Sees kräuselte. Tiefer. Dunkler.
„Er wird gehen“, sagte sie ruhig. „Alle gehen.“
„Und wenn nicht?“
Ein gefährlicher Gedanke.
Ein gefährlicher Wunsch.
„Dann“, kommt es leise murmelnd über meine Lippen, „wir werden sehen.“
Die Stimme schwieg. Zufrieden? Wartend? Ich wusste es nicht.
Mein Blick löste sich vom Schleier der Gedanken und kehrte in den Raum zurück. Zu Linus. Zu diesem lebendigen Störgeräusch in ihrer sorgfältig geordneten Welt.
Das Lächeln auf ihren Lippen war nun kontrollierter. Schmaler.
Doch es war noch da.
Und tief unter der Wasseroberfläche zog etwas weiter seine Kreise.
Kurz darauf öffnet sich die Türe, genau dieses Geräusch zerrt mich noch mehr in die Realität. Da stand Julius im Raum mit einer Entscheidung, welche eine doch noch unerwartete, aber wahrlich erfrischende Entwicklung mit sich brachte. Ab dem heutigen Tage, wird die Geschichte des Haus der Künste nicht nur von Linus und Alecia, sondern auch Julius geprägt sein. Jeder wird seinen Teil zur Vollkommenheit dieses Werkes beitragen. Das Lächeln wird nun wieder sanfter, als hätte sie all die Gedanken zuvor schlicht verbannt.
seine eigene Dunkelheit, sein eigenes Licht.
Und wer genau hinhört, erkennt das unsichtbare Band,
jenes welches alles zusammenhält –
die Kunst.
Ruhig lasse ich den Blick durch den noch leeren Raum wandern. Immer wieder, bleibt dieser auf den kunstvoll ausgearbeiteten Möbelstücken hängen, jedes für sich ein Meisterstück. Als ein tiefer Atemzug meine Lungen füllt, spüre ich, wie ich wieder in die Realität gezerrt werde. Erst jetzt nehme ich Linus wahr. Wie immer hatte er es geschafft, den Raum zu betreten, ohne dass ich ihn direkt wahrnehme. Es war, als würde man ihn nicht als störend wahrnehmen und daher, schlicht als etwas betrachten, was sich stetig in meinem Umfeld bewegen darf. Als hätte man seine Existenz schlicht akzeptiert und würde es als einen Teil des Ganzen gesehen. Meine Augen fokussieren Linus, unverweigerlich stiehlt sich ein Schmunzeln auf meine Lippen. Er war der Inbegriff des Lebens, jenes Lebens, welches anderen verwehrt blieb. Diese Leichtigkeit und Sprunghaftigkeit, dieses Können sich in das Leben stetig neu zu verlieben und die einkehrende Traurigkeit und Schwere hinfort zu wischen. Zumindest verlor er sich genau in dieser Leichtigkeit, in diesem Leben, in diesem Dasein….in der Hoffnung, daraus schlicht nicht erwachen zu müssen.
Ja, seit ich ihn auf seinem Weg begleiten durfte, steckte er an, die Lebensgeister...so man sie so nennen durfte...kehrten ein kleines Stück zurück und kratzen an der Oberfläche eines tiefen dunklen See's. Ein See, welcher mittlerweile nicht mehr nur in ruhiger Stille verweilte, sondern auf welchem langsam wieder sanfte Bewegungen einkehrten.
Mit eben jenen wiederkehrenden Bewegungen des Lebens…folgte jedoch auch ein sanfter Sog zurück in die Tiefe, ein Sog, der mich daran erinnerte, dass ich nicht alleine war und das eben unter jener seichten Oberfläche, etwas brodelte.
Genau dieser Sog lockte mich in die stillen Gedanken zurück und ließ den Blick für einige Momente hinter den Schleier wandern.
„Du beginnst es zu genießen, dieses Leben, dieses Dasein. Verlierst den Fokus.“
Die Stimme war leise. Nicht fremd. Nie fremd. Sie klang wie ein drohender, zischender Gedanke, der zu lange unbeachtet geblieben war.
Mein Kiefer spannte sich kaum merklich an.
„Genießen ist ein großes Wort.“
„Du lächelst.“
„Ich lächle auch, wenn ich töte.“
Ein Hauch von Dunkelheit huschte durch mein Innerstes, beinahe belustigt.
„Aber nicht so.“
Stille.
„Er ist nur ein Mensch“, entgegnete ich schließlich, ruhig und kontrolliert. „Menschen sind vergänglich.“
„Und du fürchtest genau das.“
Meine Finger schlossen sich fester um die Lehne des Stuhls.
„Furcht ist ein Luxus.“
„Nein“, hauchte die Stimme belustigt und sanft. „Furcht ist Erinnerung.“
Ein Bild flackerte auf, dunkler wabernder Nebel. Ein Griff, der nicht fest genug gewesen war.
Ich blinzelte nicht.
„Er bringt Unruhe“, stellte sie nüchtern fest.
„Er bringt Leben.“
„Leben führt zu Bindung.“
„Bindung führt zu Schmerz.“
„Exakt.“
Ein leises Lachen, kaum mehr als ein Wispern.
„Und dennoch suchst du immer wieder die Nähe der Menschen.“
Mein Blick blieb auf Linus gerichtet. Auf dieser unverschämten Leichtigkeit, die sie gleichzeitig auf völlig merkwürdige Weise reizte und gleichsam reizbar machte.
„Ich studiere ihn.“
„Du hoffst.“
„Ich analysiere.“
„Du hoffst, dass er bleibt.“
Meine Atmung stockte für den Bruchteil eines Herzschlags.
„Hoffnung ist ein Fehler.“
„Und doch stehst du hier.“
Ein kurzer Moment, in dem sich die Oberfläche ihres inneren Sees kräuselte. Tiefer. Dunkler.
„Er wird gehen“, sagte sie ruhig. „Alle gehen.“
„Und wenn nicht?“
Ein gefährlicher Gedanke.
Ein gefährlicher Wunsch.
„Dann“, kommt es leise murmelnd über meine Lippen, „wir werden sehen.“
Die Stimme schwieg. Zufrieden? Wartend? Ich wusste es nicht.
Mein Blick löste sich vom Schleier der Gedanken und kehrte in den Raum zurück. Zu Linus. Zu diesem lebendigen Störgeräusch in ihrer sorgfältig geordneten Welt.
Das Lächeln auf ihren Lippen war nun kontrollierter. Schmaler.
Doch es war noch da.
Und tief unter der Wasseroberfläche zog etwas weiter seine Kreise.
Kurz darauf öffnet sich die Türe, genau dieses Geräusch zerrt mich noch mehr in die Realität. Da stand Julius im Raum mit einer Entscheidung, welche eine doch noch unerwartete, aber wahrlich erfrischende Entwicklung mit sich brachte. Ab dem heutigen Tage, wird die Geschichte des Haus der Künste nicht nur von Linus und Alecia, sondern auch Julius geprägt sein. Jeder wird seinen Teil zur Vollkommenheit dieses Werkes beitragen. Das Lächeln wird nun wieder sanfter, als hätte sie all die Gedanken zuvor schlicht verbannt.
