Freydis Mandre hatte den Bug ihres Langschiffes selbst geschnitzt, einen Bären mit offenem Maul, damit er Feinde und böse Geister gleichermaßen abschrecke. Nun aber lag das Meer still und grau, und nur das Knarren der Ruder begleitete die Heimkehr ihrer Mannschaft nach langer Fahrt.
Der Raubzug war erfolgreich gewesen. Die Schilde hingen müde an der Reling, die Krieger waren erschöpft, aber zufrieden. Freydis stand am Steuer, den Blick fest auf den Horizont gerichtet. Sie spürte, dass das Meer heute anders war. Zu ruhig.
Ohne Vorwarnung bäumte sich das Wasser neben dem Schiff auf. Ein gewaltiger Wal durchbrach die Oberfläche, größer als jedes Tier, das sie je gesehen hatten. Mit einem donnernden Schlag rammte er den Rumpf. Holz splitterte, Männer stürzten, Ruder brachen.
Freydis schrie Befehle, während das Schiff erneut getroffen wurde. Wasser strömte herein. Trotz der Panik blieb sie stehen, zog ihren Prügel und hieb auf das Tier ein, als könne Stahl das Meer selbst bezwingen. Der Wal tauchte ab, kam zurück und riss das Langschiff endgültig auf.
Als die Wellen das Deck verschlangen, half Freydis ihren Leuten ins Wasser. Sie selbst blieb bis zuletzt am Steuer, den Drachenbug fest umklammert. Das Meer nahm sie mit sich, und die See schloss sich über ihr. Nach einem kurzen Kampf mit den Wellen ertrank sie.
Später erzählten die Überlebenden, dass die Ahnen Freydis Mandre nicht ertränkt hätten. Sie sagten, ihre Ahnen selbst hätten sie geholt, weil eine Heilerin, die dem Meer trotzte, nicht sterben durfte wie eine Gewöhnliche.
Tage später fand man ihre Leiche am Ufer von Nharam.