Es gibt keine Zufälle

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Aaryon von Hohenfels
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Es gibt keine Zufälle

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

(Fertigung Magierstab)

Zunehmend fragte man ihn, ob er sich schon Gedanken über seinen Stab gemacht hatte, oder gar seine Fertigung begonnen.
MANN!
Was für ein nerviges Thema!
Was für einen angehenden Magus ein Thema freudiger Aufregung, vielleicht auch Sorge war, "es zu vermasseln", auf jeden Fall aber etwas, auf das man sich wohl freute wie Kinder auf den Tag der Geschenke, war für ihn etwas, das am ehesten... Wut auslöste. Frust.

"Wofür soll ich den Stab denn schnitzen?!
Damit er im Kleiderschrank in der Ecke steht wie mein jetziger? Oder als eine von zwei Krücken?!"
Schockiert-empörte Blicke waren ihm bei der Härte dieser Wahrheit begegnet. Aber bisher kein "Ja, stimmt... Dann lass es."
Ein Magier brauchte einen Stab. Wofür? Damit er einen Stab hatte. Warum? Um einen Teil seiner Macht darin zu verankern, einen Teil seiner Persönlichkeit. Das erste Artefakt, das ein Magus fertigte. Warum? Um einen Stab zu haben. Ein Standessymbol. Weil man eben einen Stab hatte.
Welch Irrsinn.
Selbst mit Nyome geriet er darüber fast in Streit:

Sie erklärte und zeigte ihm, dass der Stab eines Magus jede gewünschte Form annehmen könne,dass die allermeisten Magier ihn auf diese Art als sonstwas verwandelt stets unauffällig bei sich trugen, bis sie ihn brauchten.
Ja, schön. Aber begriff sie die Unlogik nicht, die das für ihn mit sich brachte? Wenn er sich abstützen wollte, brauchte er zwei Achselkrücken, wo sollte dann der Stab hin? Wozu brauchte er überhaupt einen Stab, wenn er dabei einen Teil seiner Macht "auslagerte" in einen Gegenstand, der gestohlen werden konnte?
Aha. Er erfuhr also immerhin, dass der Stab dann in der Lage war, über die Zeit hinweg mehr Kraft in den Magier zurück zu leiten, als dieser in die Fertigung investiert hatte, mhm... das war schon mal immerhin ein Punkt, gut - aber wie sollte er ihn verwenden?
"Versteht Ihr mich nicht?", fragte Nyome mit vermutlich noch aller Nachsicht, die sie angesichts seiner Bockigkeit erübrigen konnte, "Der Stab kann, wie ich Euch zeigte, jede erdenkliche Form annehmen, auch die..." Sie vollendete den Satz nicht, sondern blickte nur demonstrativ auf den fehlenden Teil seines Unterschenkels.

Er würde dadurch also so, wie er es bisher für sein Artefakt angedacht hatte, eine magische "Prothese" endlich tragen können? Ein magisch nachgebildeter Fuß mitsamt fehlendem Beinstück? Das klang verlockend! Konnte er sich die Fertigung des Extra-Artefaktes also ersparen?!
"Entfaltet der Stab denn die Macht dieser Regeneration, während ich ihn als Fuß trage?"
"Nein. Er muss dafür in der Form des Stabes sein", antwortete Nyome ruhig.
Er lehnte sich vor und faltete die Hände. "Ruhig bleiben! Nicht unhöflich werden!"
"Verstehe ich Euch also recht, Arcomaga: In den Höhlen, wo ich den Stab brauche, kann ich ihn nicht benutzen, weil ich dort meinen Fuß bräuchte, um den Stab zu nutzen.
Zu den Anlässen der Repräsentation, die Ihr erwähntet, stünde ich dann OHNE Fuß da, also wie ein Depp, weil ich mich mit zwei Händen an dem Stab festklammern muss, um nicht umzufallen!"
"Wie oft seht Ihr denn Magiere mit ihrem Stab in der Hand? Doch fast nie..."
"Ich soll den Stab also fertigen, um dann die Vorteile, die der Stab bringt, nicht zu nutzen?"

So langsam wusste sie auch nicht mehr. Ob sie die Problematik begriff, oder so wirklich wahr haben wollte, wusste er nicht so recht einzuschätzen und argwöhnte leise: nein.
"Ich werde also ein gesondertes Artefakt brauchen, um meinen Fuß zu ersetzen, Arcomaga.
Und dann werde ich den Stab mit Freuden tragen und Ihr werdet mich kaum noch ohne sehen, mein Wort darauf!"

Zwei Artefakte. Parallel. Das eine, das seinen Fuß, wenigstens in "taubem" Zustand, ersetzen sollte, eine Neuerschaffung, soweit er es bisher hatte recherchieren können. Mal ganz abgesehen davon, dass es ungemein schwierig schien, an Wissen diesbezüglich heran zu kommen.
Gut, dass er sonst nichts zu tun hatte...
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
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Aaryon von Hohenfels
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Re: Es gibt keine Zufälle

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Er blickte frustriert über all die Proben an Holzsorten, die Serina ihm in ihrer Werkstatt gereicht hatte. Mahagoni, Eiche, Zeder, Birke... Nein, nein, nein, bei jedem waren es andere Gründe, aber um es kurz zusammenzufassen:
Nein.
"Welches Holz sagt dir denn am ehesten überhaupt zu?", fragte Serina vorsichtig.
"Ich hab bei jedem das Gefühl: 'Falsch!', aber KEINE Ahnung, was ich eigentlich suche!", kam als Antwort von ihm Geschimpfe, missgelaunt von seiner eigenen Ratlosigkeit.
"Auch wenn ich von Magie nichts versteh", meinte Serina nachdenklich, "zweimal war es jetzt, dass jemand ein besonders mit ihm verbundenes Werkstück von mir wünschte und beide Male haben sie selbst das Holz dafür da draußen gesucht, gefunden und mitgebracht.
Vielleicht liegt darin dein Problem."

Holz suchen? Sie saßen in Kronwalden - zwischen hier und Adoran lag kilometerweise Wald. "Bitte suchen Sie Holz!" Äh... "Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen" kannte er ja, aber dieser Gedanke drohte ihm gerade reichlich absurd zu werden.
"Beruhig dich. Sie hat ja vermutlich sogar recht." Er atmete durch und lehnte den Rücken an die Wand. Sein Denken willentlich zu entspannen, war in normalen bis kuriosen oder sogar stressigen Situationen kein Problem mehr für ihn - "in lebensbedrohlichen" übte er noch.
Wo soll ich hier Holz finden, das zu mir eine tiefere Verbindung hat? So fürchterlich viel verbindet mich mit Gerimor doch noch gar nicht, außer dass hier mei..ne.. El.. tern...
Moment.

Sein Blick wurde zwar noch grüblerischer, aber fixierter, als er zu einer Idee kam.
"Ich glaube, ich weiß, wo ich suche...", meinte er leise.
"Und das wäre wo?", fragte Serina besorgt. Sie mochte es wohl nicht, wenn Aaryon so schaute, denn da konnte alles bei raus kommen, auch, dass er stante pedes auf alatarisches Gebiet marschierte.
"Klingt albern", antwortete Aaryon zunächst nur ausweichend, "Nein, albern nicht - kitschig! Aber... es fühlt sich richtig an." Ja, da griff er auch schon zu den Krücken, als wolle er sofort los!
"Entweder, du sagst es mir, oder ich lauf dir hinterher", warnte ihn Serina.
"Das Haus", erfolgte eine vollumfängliche Antwort.
"Welches Haus?"
"Das Haus vor Varuna." Das war doch völlig logisch! "Da kommen wir her. Da waren wir. Und was da noch steht... hat selbst das Feuer Kryndlagors überlebt!", erklärte er wie triumphierend, "Da ist Holz." Er warf sich seinen Mantel über, als wäre das jetzt unglaublich dringend - für ihn war es das auch. Endlich hatte er eine IDEE für diesen drecks Stab! Eine, die ihm gefiel. Sehr sogar.
"Magiere, ich weiß...", brachte er so etwas wie eine Entschuldigung gen Serina für seinen plötzlichen Aufbruch heraus. "Ich geh wohl besser mit, hm?"
"Musst du nicht."
"Am Ende bringst du mir irgendwelchen Reisig mit und sagst: bau mir damit einen mächtigen Stab."
"Quatsch!" "Reisig? Wie für einen Besen? Bin ich eine Hexe, oder was?"

Serina sah mehr als skeptisch auf die leere Ruine vor den Mauern Varunas, und er musste an seinem Gedankenblitz energisch festhalten, um nicht ebenfalls so zu gucken. Holz... Er schaute auf die armseligen Überreste des Stalls. HOLZ. Nicht Holz-kohle...
"Wie lang steht das jetzt leer?", fasste Serina ihre berechtigten Zweifel in Worte, "Ich meine, es mag Feuer halbwegs überstanden haben, aber die Jahre dem Jahreslauf ausgeliefert, das wird dem Holz kaum gut getan haben."
"Zwanzig Jahre etwa...", antwortete er etwas geistig abwesend und versuchte sich an einem müden Scherz: "Muss Holz nicht gut abgelagert sein?"
"Abgelagert... Das hier ist aber nicht abgelagert", meldete sich die Fachfrau zu Wort, "Das hat Jahre von Regen und Schnee hinter sich, gefolgt von Hitze." Sie brach ein Stückchen eines verkohlten Tisches ab und schüttelte den Kopf, "Selbst ich würde mir nach all der Zeit kein Urteil erlauben, aus welchem Holz das hier mal gebaut wurde."
"Keine Ahnung", musste auch Aaryon einräumen, ohne es laut auszusprechen, "Mutter hat irgend etwas von einer Kastanie und einem Pfirsichbaum erzählt, aber doch nicht, aus was das Haus gebaut wurde."
Er sah in den zerstörten, runden Seitenraum, wo sie eine Sitzecke hatten, wie er wusste. Bei diesem kargen, verkohlten Chaos drohte auch er, seine eigene Idee nun dumm zu finden. Draußen hing nass der Hut eines ihm unbekannten toten Gärtners, der hier hartnäckig sich haltenden Lavendel gehütet hatte.
Was dieses Haus alles durch hat..., dachte er in einer Mischung aus Mitleid und Staunen, "Gesegnet, seine Glanzzeit, dann das Feuer, Strauchdiebe, Untote, mit Wundermacht gereinigt, und jetzt ist es hier so leer... und steht trotzdem noch."
Er humpelte die Treppe vorsichtig hoch, hob oben den Blick - und erstarrte.

Als würde er ihm entgegen lachen, stand da ein fast rußfreier Balken.
Aaryons Mund klappte auf. Hinter ihm kam Serina die Treppe hoch.
"Schau mal...", humpelte er staunend auf den Balken zu, strich über das fast steinern glatt wirkende Holz und lachte, beinahe ungläubig klingend:
"Mitten im Haus!"

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"Das ist es!"

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Serina Marcel
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Re: Es gibt keine Zufälle

Beitrag von Serina Marcel »

Sie hatte ihre Zweifel gehabt. Sie waren ja nicht zum ersten mal hier und sowohl Haupt- als auch Nebengebäude mochten einmal beeindruckend gewesen sein. Aber es waren doch nur noch verkohlte Ruinen und seit Jahren Wind- und Wetter ausgeliefert. Natürlich war ihr auch nicht wohler, er könnte bei Schnee und Eis in irgendwelchen Wäldern nach Holz suchen, dem er sich zugetan fühlte. Aber das hier?

Er selbst hatte dann zuerst eben jenen offensichtlich völlig unberührt wirkenden Balken entdeckt. Trotzig stand jener da und sie wehrte sich gegen den Gedanken, dass trotziges Holz wohl auf ihn gewartet hatte. Eine ganz besondere Form der Verbundenheit hm? Manchmal war er mit seiner Sturheit ja auch kaum anders zu bezeichnen als trotzig.

Eine erste Prüfung des Holzes liess jedenfalls auf eine Eignung für die gewünschten Zwecke hoffen. Aber ihn hier heraus zu bekommen, ohne sich selbst zu begraben, mochte ein Risiko wirken. Seine nun offensichtliche Eile musste erst einmal ausgebremst werden. Der Balken vermochte sicher die Überreste des Hauses noch zu stützen. Eine andere Abstützung musste also vorher angebracht werden.

Würde der Stein des Fußbodens das Mehrgewicht, dass ihr vorschwebte auf Dauer halten? Sie selbst wählte ihre Schritte ja schon mit Vorsicht. Drei bis vier neue Holzstämme die diesen rundum ersetzten, konnten zu viel sein.

Es nutzte nichts, die Festigkeit von Stein konnte sie bestenfalls vermuten. Besser man fragte einen Schmied, wer würde sich wohl besser damit auskennen? Bedauernd liessen sie wohl beide das entdeckte zurück. Aber was machten schon ein paar Tage mehr noch aus, wo dieser Balken schon so viele Jahre überstanden hatte?
Ich bin kein saurer Apfel und beissen lass ich mich auch nicht!
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Aaryon von Hohenfels
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Re: Es gibt keine Zufälle

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

So sehr es sich erst gezogen hatte, plötzlich schien es zu laufen, wie man so schön sagte.
"Mikh! Schau mal!", rief Arne ihm zu und winkte ihn zu sich in das obere Geschoss des früheren Angestellten-Gebäudes, in dessen Wand ein riesiges Loch klaffte - und dadurch perfekten Ausblick auf die Front und das Dach des Hauptgebäudes gewährte.
Der königliche Hofschmied zeigte ihm ein paar Linien, und nach kurzen Erklärungen nickte der Magier: "Das bedeutet, der Balken kann nicht tragend sein, sondern es ist nur eine nach innen verlängerte Wand, um den Raum dort abzugrenzen", vollzog er die Erklärung nach. "Sehr gut."
Serinas Selbstvorwurf, dass ihr das selber hätte auffallen müssen, ließ er nicht gelten. "Ach, du bist Baumeisterin?"
Der Balken war nicht so frei zugänglich, wie sie erst gedacht hatten, aber den steinernen... zu was auch immer das früher gut gewesen war. Eine Zisterne für Gießwasser? Eine Waschecke? Aber wozu, und das direkt gegenüber der Treppe? Egal. Man konnte die paar Steine entfernen, wenn nötig.

"Wir sollten prüfen, dass keine Magie hier wirkt. Ich will beim Abbauen keine bösen Überraschungen erleben", meinte Arne. Berechtigter Einwand. Aaryon wollte sich schon konzentrieren, auf die Bausubstanz, den Balken...
zwischen Schutt...
in einem baufälligen Gebäude...
Was sollte da schon schief gehen?

Serina beobachtete, wie ihrem liebsten Jungmagier die Farbe aus dem Gesicht floß wie einem Weinfass mit Loch der Füllstand. "Du sollst nur schauen", betonte Arne, "und vielleicht mit deinen Sinnen fühlen." Ja, klar. Stein mit Mörtel verwechseln. Sand, der unter seinen Füßen wegbrach...
"Wir sind bei dir."
"Wir bringen dich heil hier raus."
Er lächelte schief und versuchte, sich zusammen zu reißen, kämpfte die Panik nieder: "Dieses Mal habe ich Architekten dabei...", sprach er sich selbst und den anderen Zuversicht zu, die er in diesem Moment selber kaum fühlte. Stattdessen hätte er sich zusammenrollen und heulen können.
Aber gut, nur gucken. Nur gucken, nicht anfassen! Er entspannte seine Sinne und stimmte sie auf die Wahrnehmung des Liedes ein, sah sich nicht direkt zuerst den Balken an. Nein, er holte sich erst Vergleiche:

Da stand Arne. Mhm. Auf Boden. Dahinter Wände... Himmel, sah das übel aus. Er hatte inzwischen nun schon einiges gesehen und wusste, wie naturbelassener Stein auszusehen hatte:
Dies hier war keiner.
Dann wanderte sein Blick zur Treppe, genau gegenüber des Balkens, zu dem er nun mit dem Rücken stand. Und schluckte. Da waren die Wände des Hauses, die aussahen wie eine Vase, die man mit einem Hammer zerstrümmert, mit Lava-Feuer - nein, schlimmer: Drachenfeuer - übergossen und dann die Bruchstückchen wieder zusammen geklebt hatte. Jeder Depp konnte die Schäden sehen und dass sie zwar wieder die richtige Form hatte und hielt, aber dass das nicht mehr die ursprüngliche Variante war.
Dahinter...
"Ist... das... übel...", murmelte er halblaut, fast tonlos, dumpf, die Augen schreckgeweitet. Er betrachtete das Ausmaß und konnte es kaum (be)greifen. "Das geht fast bis zum hiesigen Ende des Stadtgrabens wie.. dunkler Nebel", versuchte er den anderen beiden mit unzulänglichen Worten zu erklären, was er sah. "Und dann.. ... wie mit dem Messer abgeschnitten."
Hier hat jemand 'Halt!' gesagt. Das Haus ist geschützt, zog er seine eigenen Schlüsse.
"Also siehst du nichts?", fragte Arne leise, um seine Konzentration nicht zu stören.
Ich bin doch noch gar nicht fertig, blinzelte Aaryon. "Oh. Verzeihung. Moment, ich..." Er drehte sich langsam nun doch Richtung Balken. Du benimmst dich auch schon wie so ein komischer Magier! Da war der Balken. Glasklar, wie ein...

Er blinzelte und neigte sich neugierig vor, trat einen Schritt näher, ohne die wirkliche Welt zu sehen, und wäre da ein Loch im Boden gewesen, wäre er wieder rein getreten, nur weil er den Balken fasziniert berühren wollte.
Fest! Wie neu!
Aber das IST nicht neu! Das ist nicht mal... wirklich 'Holz' mehr! Was IST das??
Irgendwo hab ich das schon mal gesehen, wo war das, und warum?

"Witzig", murmelte er ohne Belustigung, beobachtbar total fasziniert von dem, was er sah.
"Dann kann es nicht schlimm sein", vermutete Arne.
"Alles hier scheint bis in die Tiefe seiner Struktur geschädigt zu sein", versuchte Aaryon, zu erklären, der Tonfall klang abgelenkt wie immer, wenn er sich währenddessen eigentlich auf das Lied konzentrierte und streng genommen dabei Probleme hatte, auch nur normal zu sprechen. Er hob seine linke Krücke und betrachtete das Holz zum Vergleich, dann wieder den Balken.
"Der Balken muss auch behelligt gewesen sein. 'Normales Holz' ist das nicht mehr - aber es ist... stabilisiert. Wie nachbauend nochmal geordnet. Ich kann das schwer beschreiben."
Ha! Jetzt weiß ich, wo ich das gesehen habe!
"Doch! Wie mein Ankerstein von Nyome."
Damit können die jetzt total viel anfangen.
"Ähm. Das würde jetzt zu weit führen." Er blinzelte und ließ die Konzentration sinken, bis alles wieder 'stumpf' erschien, wie die physisch erlebbare Welt eben.

"Gut, eine Frage: Ist der Balken fest oder morsch?", brach Arne es auf die Handwerker-Wesentlichkeiten herunter.
"Fest", antwortete Aaryon zufrieden und lächelte gar: "Sowas von fest!"
"Gut Mikh. Das wollte ich hören." Arne nickte und wandte sich seinem Werkzeug zu.

"Klingt vielleicht grad blöd, die Frage, aber", wandte Serina unsicher ein, während Arne inne hielt und zu ihr sah, "braucht das Haus den Balken auf andere Weise?"
Aaryon blies die Wangen auf. "Also von der Stabilität her betrachtet nicht unbedingt", meinte der Schmied. "Nein, aber ich ahne, was sie meint...", entgegnete der Jungmagier.
"Ich denk da eher an etwas was er beantworten muss."
Er nickte. Und erklärte: "Das Haus wurde klerikal gereinigt. Wenn diese... 'Reinigung' eine Verankerung ausgerechnet hier, in diesem Balken hat.."
"Achso das meinst du Serina", nickte nun auch Arne.
"Auch wenn ich nicht verstünde, warum", ergänzte Aaryon. Warum sollte diese Verankerung dann ausgerechnet in sowas banalem wie diesem Balken liegen?
Hm. Trotzdem.
Er seufzte. "Aber das müsste ein Kleriker prüfen, nicht ich."
"Dann leg ich zumindestens keine Hand an dieses Holz bis das geklärt ist", zog Serina eine rote Linie, und Aaryon konnte ihr nur zustimmen, auch wenn es wieder eine Verzögerung bedeutete.
"Am besten Hochwürden Kalveron, die scheint damals das Ritual gemacht zu haben.
Und nein: die Frage war überhaupt nicht dumm, Serina!"
Warum redest du dich immer so klein, mein Schatz?!
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Aaryon von Hohenfels
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Re: Es gibt keine Zufälle

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Er konnte es sich nicht leisten, untätig zu bleiben, während er auf eine Reaktion von Hochwürden Kalveron wartete. Denn egal, ob er den Balken würde verwenden können oder nicht, er würde einen Stab aus Holz brauchen und dieser würde verziert werden müssen, Punkt.

Also setzte er sich vor leeres Zeichenpapier und grübelte: Was wollte er?
"Dieser Stab wird unverwechselbar deiner sein. Er wird Teil deiner Person sein. Er wird Rückschlüsse darauf zulassen, wer und was du bist."
Diese oder ähnliche Aussagen waren getätigt worden. Seine Mundwinkel vertieften sich. Keine Heimlichkeiten. Gut! Es gab Momente, in denen legte er auf Verschwiegenheit, gar auf Geheimhaltung Wert, es gab viele Momente, in denen bewegte er sich weit jenseits der Absicht, erkannt werden zu wollen.
Aber nicht, wenn er diesen Stab trug. Nicht, wenn er als Magier vom Konvent des Fuchses auftrat.

Was also würde sein Stab zeigen?
Die Symbole der Tugenden. Nicht diesen 'Buchsbaum'-Firlefanz, kein Schwert als Zeichen für Gerechtigkeit. Das Schwert steht für Tapferkeit! Fertig!
Übereinander? Er furchte die Stirn. Dann sah man sie nicht alle, womöglich gar keines, nur weil man an der falschen Position stand. Hmmm. Also sich um den Stab wickelnd, wie ein schräg verlaufendes Band.
Und arkane Symbole, natürlich. Ist ja nun mal ein Magierstab, kein Priesterstab.
Anordnung? Jetzt boten sich zwei Bänder an, wie eine Doppelhelix.
Die Elemente sind aber nur vier Symbole, die Tugenden sieben... Er blinzelte, korrigierte sich, schüttelte geradezu tadelnd den Kopf über sich. Fünf. 'Geist' dazu.

Er zeichnete. Witzig. Selbst die Reihenfolge der Tugenden kann als etwas über dich aussagend gedeutet werden. 'Demut' ganz unten, mhmmm. Verwarf. Wenn der Kelch auch nach oben kommt, wirkt das so 'wuchtig', zu viele dicke Symbole... mh, tauschen wir mit der Waage. Ja, besser. Ließ es auf sich wirken. Was im Klartext bedeutete, dass er öfters minutenlang auf dieses Papier starrte. Irgend etwas daran gefiel ihm noch nicht.
Wie füllen wir das aus? Nur die Symbole ins Holz schnitzen? Näh. Mit Edelsteinen... ja, ist klar, wirkt auch gar nicht dekadent! Hm, außerdem könnte es bei so vielen Edelsteinen, die das brauchen würde, Interferenzen geben, nicht gut. Wir können die Tugenden mit Silber ausgießen... oh ja!
Und die Elemente? Gold? Nein. Pyrian.. für Feuer. Klar. Coelium? Luft. Und Wasser? Hm. Erde...

Er grübelte über der Materialliste, die Matriarchin Mondstein nach Ende des Unterrichts ausgehändigt hatte. Er war höchst dankbar dafür, aber sie erfüllte nicht alle Ansprüche nach Dingen und Aspekten, die er irgendwie suchte, außerdem wirkte sie unvollständig, teils banal. Es gibt doch viel mehr Holzarten als bloß diese sieben... Buche, Ahorn, Kastanie und was-weiß-ich-noch! Haben die alle keine 'Wirkung'?! Konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Und auch wenn diese Liste der Edelsteine ein enormer Fortschritt war, war es hier das Gleiche:
Bei der Frage, welcher Edelstein oder welche Komposition ihn, Aaryon von Hohenfels, repräsentieren sollte, starrte er die Liste an und hatte das Gefühl, dass sie unvollständig war.

Ich muss das Keldion schicken. Es wird ihm garantiert für seinen Teil der Recherche helfen, auch wenn dies hier extrem auf Magie bezogen ist, aber letztlich geht es ja darum.
Aber am Neunzehnten sollte bereits der praktische Unterricht der Stabkunde sein.
Ich weiß nicht mal, ob ich das HOLZ bis dahin habe, verflixt!

Er musste Abstriche machen: Nein, ich muss den Fuß des Stabes nicht aus Mithrill machen, Chirmit reicht auch.
Serina hörte sich an, wie er sich die Form der steinernen Kappe für das Bodenende des Stabes vorstellte: "Und als Fußende am Boden hatte ich überlegt, von Wilbert Eichenhain mir aus Chirmit eine Kappe fertigen zu lassen, mit mh, 'Profil', dass der Stab gut Halt findet, und wie in einer Siegel-Petschaft mein Wappen unten als Relief, so dass das zum Beispiel bei Matsch als Abdruck im Boden bleibt." Er grinste frech. Repräsentativer geht's nicht mehr, hihi!
"Du willst der Welt dein Siegel aufdrücken?", fragte sie, und sein Grinsen bekam kurz einen verlegenen Charakter: SO hochtrabend hab ich das nun eigentlich nicht gedacht! Aber ein eindeutiges 'Ich war hier'? - warum nicht?
Serina schien die Idee nicht so toll zu finden: "Freut sicher einige... man findet dich dann leichter, hm? Einfach den Abdrücken nach."
"Man findet mich eh", konterte er trocken. Der Abdruck: linker Fuß, Löcher links und rechts ist nun auch nicht soooo allgemein vertreten! "Und wenn schon, dann mit Stil!", setzte er hinzu. Es entspann sich eine Debatte, die sich mal wieder um seine Sicherheit drehte. "Ach Liebste...", seufzte er und gab ihr beschwichtigend einen Kuss aufs Haar, "Ich weiß deine Sorge um mich zu schätzen."
Ich mach das trotzdem so.
Hoffentlich lacht Herr Eichenhain mich nicht für die Skizze aus...


Skizze

(später, im Hort des Wissens)
"...der Hauptstern der Pranke leuchtet rötlich, fast wie ein Granat, doch wo der Stein im Positiven für Lebensfreude, Leidenschaft und Mut steht, sendet der Stern des Panthers Gläubigen die Botschaft..."
Granat?
Er hatte eigentlich nur in dem Buch gestöbert, um sein Bedauern etwas zu kompensieren, die Sternenbeobachtung in Menek'Ur verpasst zu haben. Jetzt klappte er das Buch mit leuchtenden Augen zu.
Granat!

Sein Papier füllte sich mehr und mehr.
Einiges würde er gegenprüfen lassen müssen, ob seine Recherchen und Vermutungen stimmten, aber so langsam... nickte er zufrieden.
Besonders seine Idee, das Auge als magisches Symbol des Geistes mit dem Ankh der Geistigkeit zu verbinden, gefiel ihm. Dieses würde das Zentrum bilden, dicht über dem Bereich, der mit Arkandrachenleder umwickelt zum Festhalten des Stabes diente.

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Cecilia Zola
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Beitrag von Cecilia Zola »

Da fand sie beim Aufräumen in der Villa die Notizen und Hinweise, die sich der Hochedle zu einem zukünftigen Stab gemacht hat. Nachdenklich betrachtete sie die Ideen und Anmerkungen. Es war nicht ihre Art fremde Schriften zu lesen, doch diese schrien sie mit neuem Wissen regelrecht an. Und sie sah die Möglichkeit endlich etwas über diese verflixten verworrenen und heimlich tuenden Liedwirker herauszufinden, besonders was ihre Heilkräfte angeht. Auf so eine Möglichkeit wartete sie schon seit der Belagerung in Berchgard. Jedes Hilfegesuch an mächtige Liedwirker im Reich blieb unbeantwortet. Gut, diese hatten auch alle hohe Posten und wichtige Ämter, die sicher viel mehr Zeit beanspruchten, wo eine kleine Wissensanfrage eben untergehen kann.
Doch die Schriften des Hochedlen gaben ihr keine erhofften Antworten, sie warfen nur neue Fragen auf. Fragen, die bei ihr etwas in Erinnerung riefen: Darüber las sie einmal etwas im Hort!
Lächelnd reifte ein Plan bei der kleinen Leibheilerin heran.

Und so schlich sie am kommenden Tageslauf in aller früh zum Hort, nur die Wache und der Bibliothekar am Empfang waren bereits da. Nach einigen Worten von ihm - sie sei viel zu lange nicht da gewesen - huschte sie hoch zu dem Bücherregal für die Liedwirker und Handwerker. Mit vielen Schriften und Büchern auf dem Arm balancierte sie zurück zur Lehrecke und breitete sich dort etwas aus. Sie blätterte in den Büchern, schlug bestimmte Kapitel auf, las in einem anderen Buch etwas gegen und lächelte immer zufriedener, während ihre Augen strahlten aufgrund der beantworteten Wissbegierde.
Sie kaufte ein frisches unbeschriebenes Buch beim Bibliothekar - später ein weiteres, denn eines sollte nicht reichen - und begann ihre Entdeckungen in dem Buch zusammen zu schreiben. Absätze, Informationen und teilweise ganze Kapitel schrieb sie aus den Büchern des Horts ab. Bündelte das Wissen in insgesamt zwei Büchern, bis sie zufrieden nickend sich zurücklehnte.

Mithilfe des Bibliothekars punzierte sie eine Art Titel in die Buchrücken, sodass die Bücher in einem Regal schnell erkannt werden konnten:
Artefaktkunde Edelsteine - eine Zusammenfassung verschiedener Schriften
Artefaktkunde Hölzer und Metalle - eine Zusammenfassung verschiedener Schriften

Am kommenden Abend schlich sie mit den beiden Büchern unterm Arm zur Villa und hinterlegte sie am üblichen Übergabeort von Dingen zwischen dem Hochedlen und ihr. Bevor sie die Schublade zu schob, legte sie einen kleinen Zettel auf die Bücher mit einer schlichten kleinen Notiz:
Ich empfehle einen aufgeladenen Turmalin.
C .
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Aaryon von Hohenfels
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Re: Es gibt keine Zufälle

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Gelassen lehnte er an der Ecke des Schaukastens und sah Serina bei der Arbeit zu. Es rang ihm ehrliche Bewunderung ab, wie sie mit dem Schnitzmesser vorging. Unter Schälen und Schaben nahm erst ein grob ovales Objekt Gestalt an, das sie hier vertiefte, da verschonte... und die Schädeldecke wurde langsam erahnbar, und auch Hörner. Als er sah, wie sie erste Rillen zog, die wohl den Hörnern Oberflächenkontur verleihen sollten, zog er besorgt die Brauen hoch: "Übertreib aber auch nicht mit den Details, sonst.. wird es ja komplett doppelt Arbeit."
Sie hatte sich für Eiche entschieden, um ein Probestück des Stabes zu fertigen. Denn wenn am richtigen Stab etwas schief ging, war das Holz unersetzbar.
"Naja ich will schon doch wissen was ich tue", erwiderte sie zunächst ernsthaft, bevor dann doch wieder das Gealber losging, das sie aneinander so genossen: "bevor dich jemand beim richtigen Stab fragt warum du einen Rinderkopf auf dem Stab hast."
Aaryon legte bei der Erwähnung von 'Rinderkopf' eine Hand vor's Gesicht und verkniff es sich gerade so, selber zu lachen: "Hör bloß auf...! Nicht, dass Fainche sich wieder lustig macht!", meinte er amüsiert. Zuerst, als er ihr seine Skizze gezeigt hatte, wie das obere Stabende aussehen sollte, hatte sie ja kommentiert, dass das wie ein Hundekopf aussehe, der die Zunge raus streckt...
Keine Zunge. Ein roher Granat, gerade soweit bearbeitet, dass er wie eine Flamme wirkte, die aus dem Maul des Drachen schoss. Die Suche nach einem geeigneten Stein hatte ihn Respekt vor diesen Geschenken der Tiefe gelehrt. Das Farbenspiel, das sie bereits in unbearbeitetem Zustand aufweisen konnten, war fantastisch!

Zufrieden atmete er durch und ein vorfreudiges Lächeln grub sich in seinen linken Mundwinkel. Der Stab würde beeindruckend aussehen, jawohl, Sir!

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Wo die Edelsteine für die beabsichtigten Applikationen hin sollten und vor allem: welche! hatte er nach wochenlanger Arbeit auch endlich heraus gefunden, arangiert und entschieden. In seinen persönlichen Notizen hatte er das Ergebnis seiner Forschung sauber aufgeschrieben; am Stab würde dies nicht so offensichtlich sein, und das war gut so.

Fehlte noch die Bodenhülse aus - hoffentlich - Chirmit.

Detailverliebt. Hochkomplex, mit Überraschungseffekt. Manchem wohl zu protzig. Oder eben beeindruckend. Fast schon zu verspielt.
Ja ja... Der Stab? Oder der Träger? Letzterer ginste vor sich hin.
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