Geboren in Greifenhain und lange fern aller heimatlichen Hallen, führte sein Weg ihn schließlich wieder dorthin, wo seine Blutlinie einst wurzeln schlug – tief im Herzen von Lichtenthal, nahe der Grenzen zu jenen Wäldern, in denen die Lieder der Götter noch bisweilen in den Kronen der Bäume widerhallen.
Varek war ein Krieger von ehrbarem Herzen, nahe seinen dreißig Sommern, mit langem braunem Haar, das lose über seine Schultern fiel, und einem Vollbart, der sein Antlitz streng, doch zugleich wohltuend vertraut erscheinen ließ. Jene, die ihm begegneten, sagten oft, er trage den Ausdruck eines Mannes, der viel gesehen, doch nie seine Menschlichkeit verloren habe – ein seltener Funken in einer Welt, die von Streit, alten Mythen und göttlicher Prüfung durchdrungen ist.
Er war nicht von der lauten, prahlerischen Art, wie sie manch Kriegsmann zeigt, der Ruhm mehr begehrt als Pflicht. Nein, Varek war still, doch standhaft wie gehärtetes Eisen.
Obgleich er ein Mann des Kampfes war, wohnte in ihm ein Gemüt, das zu Einfühlsamkeit fähig war. Oft saß er in stiller Stunde bei jenen, deren Herzen vom Schicksal beschwert waren, und schenkte ihnen Geduld, Trost und ein offenes Ohr.
Doch wie jeder sterbliche Mensch trug auch Varek seine Eigenheiten. Es wird berichtet, dass er, so tüchtig in Schlacht und Pflicht er auch war, sich bisweilen selbst im Wege stand. Manche Erkenntnis brauchte in seinem Geist länger, bis sie sich formte, und so kam es vor, dass sein Bruder Lezar Nesselhain mit einem warmen Lächeln sagte:
Nach vielen Reisen, Gefahren und Prüfungen, die ihm die Wege Alathairs auferlegt hatten, kehrte Varek endlich zu seinem Bruder zurück. Die beiden beschlossen, sich eine feste Stätte im Leben zu suchen – und so pachteten sie eine Taverne, gelegen am Hafen in Adoran. Sie nannten ihre Taverne „Zum Hafenblick“, ein Name, der sowohl Stärke als auch Gastlichkeit in sich trug.„Der Kopf des Varek ist gleich einer alten Eichentür – schwer und unbeweglich, doch, hat man Geduld, so öffnet sie sich schließlich und gewährt den Blick in ein gutes Herz.“
Wahrlich, dies war kein gewöhnliches Wirtshaus. Sein Herdfeuer brannte stets warm, und die schweren Holztische, von Wetter und Zeit gezeichnet, strahlten eine Gemütlichkeit aus, wie man sie in der rauen Welt Alathairs nur selten fand.
Varek aber war nicht nur Wirt, er war zugleich Hüter und Wächter des Hauses. Kein Zecher, der über die Maßen trank, wagte es, Unfug zu treiben, wenn der Krieger Nesselhain den Tresen bewachte. Doch so rasch seine Hand einen Raufbold hinausführte, so schnell reichte sie auch einem Weinenden einen Becher Met oder einem müden Wanderer einen Platz am Feuer.
So nahm Vareks Leben einen neuen Lauf – nicht mehr jenes eines rastlosen Wanderers ohne Ziel, sondern jenes eines Mannes, der Bruder, Heim und Aufgabe fand.
Und so sagen manche heute noch:
„Mag Alathair voller Prüfungen sein und der Pfad oft beschattet:
Dort, wo die Brüder Nesselhain ihr Taverne führen, kehren Mut, Güte und Wahrhaftigkeit ein.“