Eisjäger auf Abwegen
Verfasst: Samstag 15. November 2025, 18:46
Stigandr schnaufte und wischte mit dreckiger Pranke die nächste Schicht Schweiß aus dem Gesicht fort. Tauschte sie gegen eine neue Schicht aus. Eine aus Staub und Schweiß, die sich wie Lehm auf seine Züge legte. Er bemerkte es nicht einmal mehr, wie sein Gesicht und sein Bart durchsetzt von Schmutz und Dreck waren. Zu verbissen arbeitete er sich ab.
Irgendetwas war anders, als es das noch vor wenigen Wochen gewesen war. Stigandr Tryant - der Eisjäger. Der Thyre, der in der Einsamkeit des ewigen Weiß nach Beute suchte und nicht selten ganze Wochen fernab seiner Heimat war. Ein Meister des Bogens, der Armbrust. Geduldig und stets aus der Entfernung beobachtend. Und nun?
Stigandr sah sich in der Mine um. Keine Weite, sondern ganz im Gegenteil eine bedrückende Enge präsentierte sich ihm. Anstatt den frischen Wind zu spüren, wie er einem das Gefühl aus jedem Stück Haut wehte, welches nicht von Fellen bedeckt war, atmete der Exilfjordheymer die schwere, muffige Luft eines sehr begrenzten Raumes, während sein Körper die Anstrengung und Wärme mit unheiligen Mengen an Schweiß beantwortete.
„Wie schwer kann’s scho’ werd’n.“
Gepresst kamen ihm die Worte über die Lippen, als er seine Arbeit nach diesem kurzen Ruhen entschlossen fortsetzte. Nicht zum ersten Mal, seitdem er unter der Anleitung Hekjas begonnen hatte, Kohle zu sammeln. Er hatte sich niemals in einer Mine gesehen und mit jedem Schlag der Picke erahnte er auch, wieso: All die Kraft, all die Stunden - und dann war da doch kaum ein Vorankommen. Stigandr hatte sich für ach so intelligent gehalten, als Thorlav ihm diese Aufgabe gestellt hatte. Er sollte Kohle abbauen für sein neues Rüstwerk, Teil der Herstellungskette werden. Mit eigener Arbeit etwas Neues schaffen. Somit ganz klar Stärke beweisen - das war einleuchtend zu dem Zeitpunkt.
Aber es war nicht Stärke, die Thorlav von ihm zu verlangen schien. Eher Verbissenheit. Die absolute Verweigerung des Aufgebens, gleich wie gering die Fortschritte waren. Die Feststellung suchte den ehemaligen Eisjäger heim am vierten Tag der Aufgabe, die kein Ende zu haben schien. Denn wenn er auch einen enormen Schwall an Flüchen produzierte: Die Menge an Kohle, die er zutage förderte, war wesentlich geringer.
„Wie schwer kann’s scho’ werd’n.“
Schlachtruf, Anstachelung und ein Liebesbrief an sein nur wenig jüngeres Ich, welches alles so viel besser wusste. Für Stigandr, der sich selbst als erfahren genug wähnte, in solche Lektionen nicht mehr blauäugig reinzulaufen, war es ein wunder Nerv geworden, dass er so unwissend und vermessen einfach angenommen hatte, was Thorlav ihm abverlangte. Ein fremder Jarl eines fremden Rudels - keine unkomplizierte Situation.
Die Picke schnellte hinab, immer wieder. Doch was an Enthusiasmus und purem Stursinn vorhanden war, scheiterte an der fehlenden Erfahrung - jeder Klumpen Kohle wurde der Erde unter größter Anstrengung abgerungen und oftmals fand Stigandr einfach nichts außer Stein und Geröll. Hekja hatte mehr als einmal seinem Tun zugesehen, geduldig, aber mit der Skepsis einer Meisterin, die es besser wusste - und trotzdem dem Lernenden den Raum gab, selber Erfahrungen zu machen. Sie war es auch, die Stigandr nach jedem Tag erklärte, wie weit das Vorhaben gereift war. Nun, nach fast einer ganzen Woche des Hackens und Grabens, schob sie ihm kommentarlos zwei Stücke hin. Die Brust, den Schild. All die Arbeit - und der große Eisjäger war seinem Ziel einer vollständigen Rüstung kaum nähergekommen, während sein massiger Leib die ungewohnte Arbeit, die exotischen Bewegungsabläufe, mit Ziehen im Rücken und zahllosen neuen Schwielen an den Pranken quittierte.
Der Tag neigte sich dem Ende, aber das galt unter der Erde nicht viel. So suchte er nochmals nach etwas Kraft, geistig und körperlich.. und setzte die Jagd nach dem schwarzen Gold fort.
„Wie schwer kann’s scho’ werd’n.“
Irgendetwas war anders, als es das noch vor wenigen Wochen gewesen war. Stigandr Tryant - der Eisjäger. Der Thyre, der in der Einsamkeit des ewigen Weiß nach Beute suchte und nicht selten ganze Wochen fernab seiner Heimat war. Ein Meister des Bogens, der Armbrust. Geduldig und stets aus der Entfernung beobachtend. Und nun?
Stigandr sah sich in der Mine um. Keine Weite, sondern ganz im Gegenteil eine bedrückende Enge präsentierte sich ihm. Anstatt den frischen Wind zu spüren, wie er einem das Gefühl aus jedem Stück Haut wehte, welches nicht von Fellen bedeckt war, atmete der Exilfjordheymer die schwere, muffige Luft eines sehr begrenzten Raumes, während sein Körper die Anstrengung und Wärme mit unheiligen Mengen an Schweiß beantwortete.
„Wie schwer kann’s scho’ werd’n.“
Gepresst kamen ihm die Worte über die Lippen, als er seine Arbeit nach diesem kurzen Ruhen entschlossen fortsetzte. Nicht zum ersten Mal, seitdem er unter der Anleitung Hekjas begonnen hatte, Kohle zu sammeln. Er hatte sich niemals in einer Mine gesehen und mit jedem Schlag der Picke erahnte er auch, wieso: All die Kraft, all die Stunden - und dann war da doch kaum ein Vorankommen. Stigandr hatte sich für ach so intelligent gehalten, als Thorlav ihm diese Aufgabe gestellt hatte. Er sollte Kohle abbauen für sein neues Rüstwerk, Teil der Herstellungskette werden. Mit eigener Arbeit etwas Neues schaffen. Somit ganz klar Stärke beweisen - das war einleuchtend zu dem Zeitpunkt.
Aber es war nicht Stärke, die Thorlav von ihm zu verlangen schien. Eher Verbissenheit. Die absolute Verweigerung des Aufgebens, gleich wie gering die Fortschritte waren. Die Feststellung suchte den ehemaligen Eisjäger heim am vierten Tag der Aufgabe, die kein Ende zu haben schien. Denn wenn er auch einen enormen Schwall an Flüchen produzierte: Die Menge an Kohle, die er zutage förderte, war wesentlich geringer.
„Wie schwer kann’s scho’ werd’n.“
Schlachtruf, Anstachelung und ein Liebesbrief an sein nur wenig jüngeres Ich, welches alles so viel besser wusste. Für Stigandr, der sich selbst als erfahren genug wähnte, in solche Lektionen nicht mehr blauäugig reinzulaufen, war es ein wunder Nerv geworden, dass er so unwissend und vermessen einfach angenommen hatte, was Thorlav ihm abverlangte. Ein fremder Jarl eines fremden Rudels - keine unkomplizierte Situation.
Die Picke schnellte hinab, immer wieder. Doch was an Enthusiasmus und purem Stursinn vorhanden war, scheiterte an der fehlenden Erfahrung - jeder Klumpen Kohle wurde der Erde unter größter Anstrengung abgerungen und oftmals fand Stigandr einfach nichts außer Stein und Geröll. Hekja hatte mehr als einmal seinem Tun zugesehen, geduldig, aber mit der Skepsis einer Meisterin, die es besser wusste - und trotzdem dem Lernenden den Raum gab, selber Erfahrungen zu machen. Sie war es auch, die Stigandr nach jedem Tag erklärte, wie weit das Vorhaben gereift war. Nun, nach fast einer ganzen Woche des Hackens und Grabens, schob sie ihm kommentarlos zwei Stücke hin. Die Brust, den Schild. All die Arbeit - und der große Eisjäger war seinem Ziel einer vollständigen Rüstung kaum nähergekommen, während sein massiger Leib die ungewohnte Arbeit, die exotischen Bewegungsabläufe, mit Ziehen im Rücken und zahllosen neuen Schwielen an den Pranken quittierte.
Der Tag neigte sich dem Ende, aber das galt unter der Erde nicht viel. So suchte er nochmals nach etwas Kraft, geistig und körperlich.. und setzte die Jagd nach dem schwarzen Gold fort.
„Wie schwer kann’s scho’ werd’n.“