Das flaue Gefühl im Magen war die letzten Tage immer stärker geworden. Zwar war das nicht die erste Schiffsreise des Anaans der Ryzan, doch konnte er sich nie wirklich an das Schaukeln und Schwanken des hölzernen Gefährts gewöhnen. Er war am Land zu Hause. Genauer gesagt auf Sand. Viele Wochenläufe war er nicht mehr in der goldenen Stadt der All-Mara gewesen. Zu lange hatte er seine Familie nicht mehr gesehen und so war er bereits gespannt, was er alles verpasst hatte. War gar Zayn von seinen Reisen zurückgekehrt? Die Mundwinkel hoben sich, als er an Fai, Asahi, Ishi und all die anderen dachte. Einiges hätte er zu berichten.
Wochen zuvor begab Arash sich auf ein Schiff, welches ihn von der goldenen Stadt forttrug. Das Ziel war klar: Die Reise sollte ihn nach Akmene führen. Seine Cousine, die Prehaatim Asahi stammte immerhin von dort und hatte vor ihm nur in den besten Tönen von ihrer Heimat gesprochen. Zwar war Arash ein passabler Kämpfer, doch war er vor allem im Umgang mit Dolchen und anderen, versteckten Klingen geübt. Es war jedoch an der Zeit sich weiterzuentwickeln und so trat er die Reise an, um in der Ferne den ersten Schritt in Richtung eines waschechten Janitschars zu tun.
In Akmene angekommen hatte er sich sogleich auf den Weg zu einer der bekannten Kriegerschulen gemacht. Zwar wurde er zunächst misstrauisch beäugt, doch wurde er schließlich aufgenommen, da er immerhin aus der goldenen Stadt kam, um im fernen Akmene zu lernen. Der Dolch wurde beiseitegelegt und stattdessen sollte er sich zunächst an das Gewicht des Wüstenskorpions gewöhnen. So galt es zunächst den Körper zu stählen und der junge Anaan durfte einige Extrarunden um den Exerzierplatz drehen. Ob dies nun an seiner eher hageren Statur, oder an seiner Herkunft lag war ihm nicht ganz klar. Doch letztlich sollte er sich durchbeißen. Wasserkübel die Treppen hoch- und runterschleppen, Rennen, Liegestütz, Moccapause. Immer und immer wieder sollten sich diese Abläufe wiederholen, bis er endlich einen Wüstenskorpion in die Hand gedrückt bekam. Die Waffe war ungewohnt schwer, klobig und langsam und so hatte er einige Treffer einstecken müssen, bis er sich wenigstens langsam an die Bewegungen und Handhabung gewöhnt hatte. In den Wochenläufen hatte Arash also einige körperliche Herausforderungen bestehen müssen, doch konnte er auch schon vieles Lernen. Die Sturheit und Widerstandsfähigkeit der Akmener erstaunte ihn jedoch am meisten. Ähnlich wie in der goldenen Stadt war die Lage der Menekaner vor Ort gefährlich. Karges Land und eine erhebliche Nähe zum Feind, welcher mit den Säbeln rasselt. Doch würden sie sich niemals unterkriegen lassen.
Mit geschundenem Körper schleppte Arash sich in den örtlichen Tempel. Die Stiefel wurden beiseite bestellt und ächzend ließ er sich auf einem Kissen nieder. Zufrieden sog er die vergleichbar kühle Luft in die Lungen und ließ sich von der Stille einhüllen. Mit geschlossenen Augen sprach er leise für sich seine Gebete zur All-Mara. Nach und nach konnte er sich ganz auf den Moment konzentrieren und die Schmerzen und den geschundenen Leib ausblenden. Eine angenehme Wärme und das Gefühl der Zufriedenheit machte sich in ihm breit. Die Mundwinkel hoben sich ein Stück weit und er war sich nun sicher. Er hatte sich auf den richtigen Pfad begeben. Auch wenn es nur ein kleiner Anfang war – der erste Schritt war getan! Als er die Augen aufschlug und sich wieder erhob, schmerzten die Glieder wieder. Doch war dies nicht weiter schlimm. Beseelt begab er sich zurück zu seinen Übungen.
Wieder in der Gegenwart auf dem Schiff rieb Arash seine schmerzenden Glieder. Einen Tag Ruhe würde er sich in der goldenen Stadt genehmigen. Doch am Tag danach würde er sich sogleich zur Kaserne Menek’Urs begeben und sich beim Sanjeen melden. Die begonnene Ausbildung zu einem wahren Janitschar innerhalb der Armee sollte nun begonnen werden und seine Pflichten als Akemi sollte er in Zukunft nicht mehr vernachlässigen. Die Nähe zu den Feinden in Akmene hatte ihm die Augen geöffnet, dass sowohl die Armee Menek’Urs, als auch er selbst bereit sein mussten.
Ein entschlossenes, zufriedenes Lächeln legte sich auf die Lippen, als der Hafen der goldenen Stadt in der Ferne zu sehen war. Bald würde es losgehen …
Zeit des Wandels
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Arash Ryzan
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