Sie blieb stehen und sammelte behutsam einige winzige Samenkapseln auf, die zwischen Moos und Farn ruhten. Ihre Finger glitten sanft über die Oberfläche, während sie leise Worte in einer alten Sprache murmelte...eine Bitte an den Wald und ein Dank zugleich.
Ein Stück weiter öffnete sich der Wald und Lavendelfelder breiteten sich vor ihr aus. Der Wind trug eine leichte Meeresbrise zu ihr, wehte über die Blüten und setzte sie in weiche, lila Wellenbewegungen. Sie setzte sich nieder, zog ihre Harfe hervor und stimmt sie mit ihren filigranen Händen. Die ersten Töne klangen wie Tau der von Zweigen tropfte, klar, hell, fast lebendig.
Sie spielte das Lied, das sie auf dem Ball vorgetragen hatte, zwar ohne Worte, doch eine Melodie, die von den Tieren des Waldes erzählte, von ihren Stimmen, ihrem Miteinander, ihrem Mut. In der Stille, die nur durch das Rauschen des Meeres begleitet wurde, schien der Wald selbst zu lauschen.
Dann schloß Miriel die Augen. Atmete tief die Düfte des hinter ihr liegenden Waldes und des Meeres ein. Meditierte. Das Lied klang in ihr nach, nicht nur als Musik, sondern als Vision: ein Wald, neu geboren aus Hoffnung, Gemeinschaft und Licht.
Noch war es nur eine Idee. Aber bald schon, wenn sich die Lichtvölker vereinten, sollte sie Wirklichkeit werden. Mit Musik und Magie, mit Liedern, Gesten und stillen Versprechen, würde ein Ort entstehen der dieses Wissen in seinen Pflanzen und Bäumen bewahren würde.
Bevor sie ging, legte sie die frisch gesammelten Samen behutsam in ihren Beutel, auf ihren Lippen lag ein Lächeln.
