Der Sommer in Bajard war warm, staubig und voller Vorzeichen.
Lea Mar Hent Schmiedin, Freundin, hatte sich verändert. In den letzten Wochen sprach sie häufiger vom Meer. Von weiter Ferne. Von Schiffen, die ablegten, ohne zurückzublicken.
Ich hab genug vom Ruß in der Lunge und vom Stillstand, sagte sie eines Abends, als sie mit Christoph Spitz und Andrik Dornhain auf der Bank in Christophs Garten saß. In Adoran liegt ein Schiff vor Anker. In drei Wochen segelt es gen Westen. Ich will mit.
Christoph hatte nur geschwiegen, den Blick gesenkt.
Andrik fragte leise: Und was lässt du zurück?
Euch. Aber ich komme sonst nie los und eines Tages komme ich wieder, hatte sie geantwortet.
Sie meinte es ernst. Hatte begonnen, Werkzeuge zu verschenken, den Kindern des Dorfes letzte Tipps mitzugeben. Christoph hatte sie zum Hafen bringen wollen.
Doch so weit kam es nie.
Zwei Tage vor ihrer geplanten Abreise sattelte sie die junge Stute, die sie trainierte ein Geschenk von Andrik. Ein letzter Ritt, hatte sie gesagt. Nur eine kleine Runde durch den Wald bei Bajard, um sich zu verabschieden, wie sie es nannte.
Sie kam nicht zurück.
Am nächsten Morgen fand man sie auf einem Waldpfad nahe dem Fluss. Ein Sturz. Schnell, hart, tödlich. Ihr Nacken war gebrochen. Ihre Hand lag ausgestreckt im Gras so, als hätte sie etwas sagen wollen. Neben ihr, der kleine Reisesack. Darin nur das Nötigste. Und das Ticket für das Schiff, das sie nie besteigen sollte.
Andrik brachte sie heim. Christoph baute den Sarg schweigend in einer Nacht. Keiner sprach viel.
Am Tag, an dem das Schiff ablegte, standen Christoph und Andrik am Ufer, weit entfernt und blickten aufs Meer hinaus.
Sie war fast frei, sagte Christoph.
Nein, antwortete Andrik. Sie war’s schon. Nur zu kurz.
Auf ihrem Grabstein steht:
„Sie wollte fort. Doch das Land hielt Sie fest.“