Wo kein Gesicht war, nur Urteil
Verfasst: Mittwoch 11. Juni 2025, 14:58
„Wenn du denkst, dass du etwas tun musst, dann tu es. Gleich, ob du dafür ein Auge verlierst. Was ist schon Sehen, wenn man Finden kann.“
Irgendein Lethar, irgendwann, irgendwo
Die dürren Finger der Lethra zogen einen dicken Wälzer nach dem anderen aus dem Bücherregal. Tugenden, Lügen, Eluive, weitere Grundsätze, die sie nicht verstand. So viele Worte, so viele Silben, die sich nach und nach in ihrem Rücken stapelten und ihr dennoch nicht das boten, was sie suchte. Je mehr Zeit verstrich, desto mehr hüllte sie der Geruch von altem Pergament ein, und aus elfischer Geduld wurde eine zähe Ungeduld, die sich in ihr Gesicht fraß und dort wie ein unangenehmes Geschwür festsetzte.
Als der Name ihr Gehör erreichte, tat er ähnliches mit ihrem Geist. Er hatte sich festgesogen, eingenistet, ein kleines Heim errichtet – und obwohl immer wieder Hände nach ihm griffen, um ihn auf die Straße zu setzen, funktionierte es nicht. Die Erinnerung daran hallte immer wieder in ihr nach, und so wurde aus anfänglicher Abneigung ein ungesundes Interesse. Interesse, das sie dazu brachte, ihre Nase in Bücher zu stecken. In unzählige Bücher, voll mit Wissen, das ihr Kopf eigentlich nicht gebraucht hätte. Doch sie hatte Blut geleckt, ohne es wirklich zu schmecken – berauscht von einer seltsamen Art Jagd, ohne zu wissen, wie das Ziel überhaupt aussah.
Arian. Anara. Darna. Darna. Darna …
By’nar konnte kaum begreifen, wie so viele Worte von Lebewesen auf Papier gebracht werden konnten, die selten das hundertste Lebensjahr erreichten. Und doch fand sie eine unüberschaubare Fülle an Texten über dieses Volk – fein säuberlich aufgeschrieben, archiviert. Erinnerungen, wie sie gelernt hatte. Eine wertvolle Sache für die Menschen. Und, wie sie nun feststellen musste, auch für sie. Denn sie ließen Informationen fließen. Bruchstücke, die sie nicht wirklich weiterbrachten, ihr aber mehr gaben als nur jenen Namen, der sich wie ein unwillkommener Gast in ihrem verwirrten Verstand eingenistet hatte. Und dieser Gast musste zahlen – wenn sie auch selbst eintreiben musste.
Nachdem sie nach endlosen Stunden des Suchens in einem Meer aus Unnötigkeiten endlich genug hatte, drehte sie sich um und ließ sich an einem der leeren Tische nieder, die der Hort freiwillig zur Verfügung stellte. Sie setzte ein Schreiben auf. Etwas Gutes hatte das Wälzen von Büchern: Sie hatte Gepflogenheiten gelernt – und nutzte sie, bevor der Wahnsinn in ihrem Kopf sie wieder in den Weiten des Chaos verlor.
Sie war bereit, den Gast aus ihrem Geist zu vertreiben. Wie auch immer sie das anstellen würde.
Stets bemüht.
Etwas, das fast wie ihre Lebensphilosophie wirkte.
Irgendein Lethar, irgendwann, irgendwo
Die dürren Finger der Lethra zogen einen dicken Wälzer nach dem anderen aus dem Bücherregal. Tugenden, Lügen, Eluive, weitere Grundsätze, die sie nicht verstand. So viele Worte, so viele Silben, die sich nach und nach in ihrem Rücken stapelten und ihr dennoch nicht das boten, was sie suchte. Je mehr Zeit verstrich, desto mehr hüllte sie der Geruch von altem Pergament ein, und aus elfischer Geduld wurde eine zähe Ungeduld, die sich in ihr Gesicht fraß und dort wie ein unangenehmes Geschwür festsetzte.
Als der Name ihr Gehör erreichte, tat er ähnliches mit ihrem Geist. Er hatte sich festgesogen, eingenistet, ein kleines Heim errichtet – und obwohl immer wieder Hände nach ihm griffen, um ihn auf die Straße zu setzen, funktionierte es nicht. Die Erinnerung daran hallte immer wieder in ihr nach, und so wurde aus anfänglicher Abneigung ein ungesundes Interesse. Interesse, das sie dazu brachte, ihre Nase in Bücher zu stecken. In unzählige Bücher, voll mit Wissen, das ihr Kopf eigentlich nicht gebraucht hätte. Doch sie hatte Blut geleckt, ohne es wirklich zu schmecken – berauscht von einer seltsamen Art Jagd, ohne zu wissen, wie das Ziel überhaupt aussah.
Arian. Anara. Darna. Darna. Darna …
By’nar konnte kaum begreifen, wie so viele Worte von Lebewesen auf Papier gebracht werden konnten, die selten das hundertste Lebensjahr erreichten. Und doch fand sie eine unüberschaubare Fülle an Texten über dieses Volk – fein säuberlich aufgeschrieben, archiviert. Erinnerungen, wie sie gelernt hatte. Eine wertvolle Sache für die Menschen. Und, wie sie nun feststellen musste, auch für sie. Denn sie ließen Informationen fließen. Bruchstücke, die sie nicht wirklich weiterbrachten, ihr aber mehr gaben als nur jenen Namen, der sich wie ein unwillkommener Gast in ihrem verwirrten Verstand eingenistet hatte. Und dieser Gast musste zahlen – wenn sie auch selbst eintreiben musste.
Nachdem sie nach endlosen Stunden des Suchens in einem Meer aus Unnötigkeiten endlich genug hatte, drehte sie sich um und ließ sich an einem der leeren Tische nieder, die der Hort freiwillig zur Verfügung stellte. Sie setzte ein Schreiben auf. Etwas Gutes hatte das Wälzen von Büchern: Sie hatte Gepflogenheiten gelernt – und nutzte sie, bevor der Wahnsinn in ihrem Kopf sie wieder in den Weiten des Chaos verlor.
- Krone und Reich zur Ehr’, Hochedler Aaryon von Hohenfels,
auf dass das Licht Euch in der dunkelsten Stunde erreicht.
Wir kennen uns nicht, doch ist Euer Name in diesem Land bekannt wie kaum ein zweiter. Ich kann mir daher kaum ausmalen, wie viel Zeit allein Euer Blut in Anspruch nimmt. Und doch – interessiert an Geschichte und Wissen – will ich Euch mit diesem Schreiben um ein Treffen bitten.
Keines offizieller Natur, dazu ist das Blut in meinen Adern nur eines von vielen. Es geht eher um einen Plausch, ein Kennenlernen, ein Staunen. Vielleicht kann ich Euch in gewisser Weise etwas bieten, auch wenn dieses Schreiben noch nichts davon verrät.
Ich komme allein, denn so funktioniere ich am besten. Kommt Ihr gern mit Eurem ganzen Haus – all das ist mir gleich, so es nur zu einem Austausch kommt.
So ich allerdings eine von vielen bin, bin ich auch eine, die keinerlei Reichtum besitzt und die Großstädte nicht ihr Zuhause nennt. Doch ich habe gehört, der Oger in Bajard sei eine recht einladende Stätte. Das Bier dort schmeckt nur leicht schal, und das Fleisch ist nur an mancher Stelle zäh.
Mit dieser dreisten Bitte verbleibe ich respektvoll,
Sie war bereit, den Gast aus ihrem Geist zu vertreiben. Wie auch immer sie das anstellen würde.
Stets bemüht.
Etwas, das fast wie ihre Lebensphilosophie wirkte.