Die letzte Lektion einer Kampfbardin

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Marja Miyoslava

Die letzte Lektion einer Kampfbardin

Beitrag von Marja Miyoslava »

Eigentlich sollte es eine Jagd wie jede andere werden: Da sich Marja noch nicht geschickt genug im Fechtkampf fühlte, suchte sie regelmäßig die von Monstern und Banditen verseuchten Höhlen Lichtenthals auf. Dick eingepackt in einer Rüstung aus verschiedenen Ledersorten, die durch Nieten aus Diamant zusammengehalten und verstärkt wurden, ging sie an jenem bedeutungsschwangeren Tag los. Ihr Ziel: Der Käfergraben über Adoran. Dass jener Ort zu jeder Zeit auch ihr Grab werden könnte - diesen Gedanken hatte sie längst hinter der Selbstvertrauen heuchelnden Routine versteckt.

Die riesigen Käferkrieger erlegte sie ohne Skrupel: Ihr Stoßdolch fuhr durch Fleisch, schlug riesige Insektenfühler ab und Drang durch die stinkende, Ekel erregende, aufknackende Krustenschicht ihrer monströsen Widersacher. Riesige Giftspinnen, die mit gespreizten Beinen furchterregend aus ihren Kokons sprangen, Würmer in Menschengröße, kreischende Krabbelmutanten - mit Schwierigkeiten, doch am Ende erfolgreich, hinterließ die Kampfbardin einen mit Leichen gepflasterten Weg. Jeder Hieb versuchte sich dem Takt der Musik in ihrem Kopf anzupassen.

Am Ende ihrer Übungstour angelangt, bekam sie es mit menschlichen Banditen zu tun. Mit ihrer ungehobelten Art waren sie selbst für Neulinge des Kampfes kaum eine Gefahr. "Bellende Hunde. Drohen können sie, aber beißen nicht", dachte sich Marja bei ihrem Anblick immer wieder aufs Neue und ihr Blick barg sowas wie Mitgefühl. Der starke Glaube ließ sie nämlich zweifeln: "Eluive zelebriert doch jedes Leben", schwirrte es durch ihren Kopf - "abgesehen von Dissonanzen im Lied, die in Monsterform ihre irdische Gestalt finden". So versuchte die Bardin jedes Mal den Tod der menschlichen Widersacher zu vermeiden und sie mit gezielten Hieben des Dolchknaufs in die Bewusstlosigkeit zu schicken, besonders schmerzhafte Partien zu erwischen oder so lange in Kämpfe zu verwickeln, bis jeder Bandit vor Erschöpfung kaum noch einen Schwerthieb ausführen konnte.

Doch auch hier zeigte sich die trügerische Selbstsicherheit: Während sich die Räuber bereits mit erhobenen Waffen und primitive Beleidigungen brüllend auf die rhythmische Fechterin warfen, verschwand diese in einem Wirbel aus verschiedenen rudimentären Klingen. Hier wich sie einem Schwerthieb aus, dort duckte sie sich unter ein wuchtig ankommendes Mordwerkzeug weg - scheinbar sollte es eine groteske Variante der klassischen Hellebarde darstellen. Es schien, erneut, ein Routineausflug zu werden. Bis sie plötzlich, wortwörtlich von der einen auf die andere Sekunde, ihre Augen aufriss und einen Schrei hinter weit geöffnetem Mund erstickte. Blut floß ihre Mundwinkel hinab, die Lider zuckten nur noch leicht. Aus ihren vor Anstrengung temporeichen Atemzügen wurde ein langsames makabres Todesröcheln. Einen dunkelroten Schwall erbrechend, fiel Marjas Körper auf den staubigen Höhlenboden. Die rote Lebensflüssigkeit umrahmte ihre Gestalt und der letzte rasselnde Luftzug ließ die Banditen jubelnd frohlocken, die keinen Augenblick länger zögerten, um dem toten Leib sämtliche Habseligkeiten zu entnehmen. Die Hülle warfen sie achtlos ins Feuer. Besonders ein Bandit kam aus dem diabolischen Grinsen nicht mehr raus, während er sein blutdurchtränktes Kurzschwert anstarrte, das eben noch Marjas Magen durchbohrt hatte.
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