Schreiben für den Metzgerburschen Eggerich Klaasen

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Eske Finneken
Beiträge: 118
Registriert: Donnerstag 21. Dezember 2023, 12:11

Schreiben für den Metzgerburschen Eggerich Klaasen

Beitrag von Eske Finneken »

Damit da gar nichts schief geht, das Schreiben womöglich verloren geht,
auf den aufgeweichten Boden fällt, zur Unleserlichkeit verdammt,
begibt sie sich höchstpersönlich nach Bajard, um Eggerich anzutreffen, um dann, als dies nicht von Erfolg gekrönt,
das Schreiben in seinen Postkasten zu versenken.



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Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Die Welt wurde wieder grüner, die Pflanzen wuchsen wieder und der Bedarf an Fleisch nahm ab, wie immer im Frühling. Aber er war es ja schon gewohnt. Die magereren Tage brachen an und Fleisch war keine Notwendigkeit mehr mit dem Ende des Winters sondern nur noch Genuss und Luxus. Doch hatte er jetzt immerhin etwas Zeit seine Briefe einmal durchzugehen.
So wurde auch Eskes Brief gelesen, wenn auch nur mit gerunzelter Stirn. Ein Seufzen entwich ihm, als er den Inhalt nicht nur gelesen sondern auch verstanden hatte. "War ja klar, dass irgendwann wer kommt, der das Ding will." brummt der junge Metzger und rieb dich nachdenklich am Kinn. "Na vielleicht kann ich da noch was raus schlagen."
Und so machte er sich an ein Antwortschreiben, das auf direktem Weg zu Eske getragen wird.

Ahoi Eske!

Aye, ich hab n Kahn, hast schon richtig gehört.
Wenn du darüber reden willst, komm vorbei.
Ich nehm mir was Zeit für dich, nächste Woche aber erst. Is noch einiges zu schaffen.
vom 25. bis 27. hät ich wohl Zeit. Aber nur Abends. Tagsüber is zu viel zu schaffen.
Sag mir zumindest kurz wann du rum kommst.

Eggerich
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Eske Finneken
Beiträge: 118
Registriert: Donnerstag 21. Dezember 2023, 12:11

Beitrag von Eske Finneken »

Bei einem kleinen Zwischenaufenthalt in Bajard sah sie bei Eggerich vorbei, ohne ihn anzutreffen.
Kurzerhand kritzelte sie ihre Mitteilung auf einen Zettel und hängte ihn an das kleine Nachrichtenbrett.



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Threlm Rauh
Beiträge: 63
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Threlm Rauh »

Der Auftrag war ebenso klar wie ihre Erscheinung: ein Hackebeil – stabil und rostfrei. Eske Finneken, die Seebärin von K’awi, war nicht zu übersehen. Sie kam mit einem offenen Lächeln, wettergegerbter Haut und einem Dialekt, der nach Meer, Salz und Geschichten klang.

Ihre Art war lebendig, herzlich, und irgendwie hatte man nach wenigen Sätzen das Gefühl, man kenne sie schon seit Jahren. Sie brachte keine komplizierte Skizze mit – nur eine Vorstellung davon, was das Beil können müsse. Es sollte sich gut führen lassen, etwas aushalten und nicht gleich rosten, wenn’s einmal länger im Seewind liegt.

Die Maße wurden in Ruhe bedacht, ausprobiert, angepasst. Nichts wurde überstürzt – aber auch nicht zerredet. Die Klingenstärke lag am Ende bei 5,5 Strich – keine Zahl, die vorher gefallen war, doch sie passte einfach. Vielleicht Zufall, vielleicht Eingebung – wer weiß das schon.

Der Griff wurde genietet, damit er zuverlässig hält, auch wenn es zur Sache geht. Der Stahl: hochwertig, rostbeständig. Und als zusätzlichen Schutz gab’s eine Spiegelpolitur – weniger zur Zierde als vielmehr aus handwerklichem Pragmatismus.

Zwei Tage dauerte die Arbeit, nicht weil’s nötig war, sondern weil’s ordentlich werden sollte. Am Ende lag ein Werkzeug auf der Werkbank, das robust war, ausbalanciert – und irgendwie genau zu ihr passte.

Ein Bote wurde losgeschickt, hinüber nach K’awi – dorthin, wo sie zuhause ist. Und wenn es dort auch nur halb so lebendig zugeht wie in diesem kurzen Besuch in der Schmiede, dann wird das Beil dort nicht still an der Wand hängen.
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Eske Finneken
Beiträge: 118
Registriert: Donnerstag 21. Dezember 2023, 12:11

Beitrag von Eske Finneken »

Viele Kameraden hatten in jedem Hafen ein Mädchen. Sie nicht. Nun hatte sie im Berchgarder „Hafen“ einen Schmied. Einen richtig guten. Einen, der sein Handwerk meisterlich beherrschte und dabei noch gut aussah. Berufsgestählte Muskeln, aber ein gutmütig und warmes dreinblickendes Augenpaar und ein Lächeln, was einem einen trüben Tag erhellen könnte. Er erinnerte sie an ihren Mattis. Ihren Gatten, den Vater ihrer Kinder, verschollen. Vielleicht gestrandet, vielleicht gefangen genommen, vielleicht aber auch ein Schaumkrönchen einer Welle, oder einer von Horteras Sternen, auf sie herabschauend. Es war die Rede von einem Überfall auf See gewesen, ein paar Kameraden hatten es zurück geschafft, aber über Mattis Aufenthalt konnte ihr niemand etwas sagen. Sie hatte lange Zeit nur auf Schiffen angeheuert, die in etwa die gleichen Routen fuhren, aber konnte nichts in Erfahrung bringen. Überall wo sie hinkam ließ sie jedoch verbreiten, dass sie plante, sich auf Gerimor niederzulassen und nur noch von dort aus anzuheuern. Sollte er noch am Leben sein, bestünde die Möglichkeit, dass er irgendwann auf Gerimor und auch auf K'awi auftauchte.


Sie hielt das Beil in der Hand, wog es, es war perfekt ausbalanciert, die glänzenden Nieten hielten den Holzgriff fest zusammen, sodass die Klinge ebensolchen Halt hatte. Die Klinge selbst hatte fast die Stärke eines Entermessers und mit der Spiegelpolitur konnte sie ansetzen wollendem Rost wirksam Paroli bieten. Sie nahm ein gutes Stück Fleisch mit Knochen aus dem Kühlschränkchen, legte es zurecht, holte mit dem Beil aus und schlug zu. Sie legte das Beil zur Seite und betrachtete das zerteilte Fleischstück. Ein glatter Schnitt. Wie durch Butter war es durch die Fasern und den Knochen geglitten. Der Knochen war nicht einmal gesplittert. Ein Meisterstück! Sie war begeistert!

Neben den Kronen, um die Schuld beim „Threlmjung“ zu begleichen, fanden noch ein paar andere Dinge ins Kästchen, welches mit einem Boten auf den Weg gebracht wurde.


Auch Eggerich erhielt neue Nachricht.


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